Mittelfranken -

Schmankerlmarkt 2018 Lust auf mehr

Der diesjährige Schmankerlmarkt lockte über 25.000 Besucher nach Nürnberg.

Die Luft über dem Nürnberger Hauptmarkt flirrte. Die Bierkrüge, von denen das in der Hitze kondensierte Wasser tropfte, klirrten beim Anstoßen. Lautes Stimmengewirr hallte durch den Biergarten, während sich die Grilldämpfe unter den Sonnenschirmen fingen. Da spielte die Neuendettelsauer Blaskapelle einen Tusch und die Königin des Schmankermarktes 2018 betrat die Bühne.

Lust auf mehr

Bäckermeisterin Monika Rauscher. Denn heuer drehte sich auf dem Lebensmittelmarkt „Handwerk und Genuss“, den die Handwerkskammer für Mittelfranken jährlich veranstaltet, alles ums „Brötchen-Dreierlei“. Und laut der Jury, bestehend aus den Bäckermeistern Gerd Distler, Brotsommelier, und Angela Ammon sowie Thomas Pirner, Präsident der Handwerkskammer für Mittelfranken, Prof. Dr. Elmar Forster, Kammer-Hauptgeschäftsführer, und Birgit Ropohl, Redakteurin des Neumarkter Tagblatts, hatte das beste „Brötchen-Dreierlei“ eindeutig die Chefin von Bäcker Bock.

Lob an die Backstube

Sie betrat die Bühne also im Krönungsmantel und mit der Krone auf dem Haupt. Erfreut nahm sie die Glückwünsche der Jury und die offizielle Urkunde in Empfang, versprach auch, das Lob und den Pokal an „ihre Männer“ weiterzugeben. Denn die Bäckermeisterin der vierten Generation ist mittlerweile viel an den Schreibtisch gebunden. Ihr Lebensgefährte und ihr Sohn Moritz schmeißen die Backstube. Und das offensichtlich sehr gut.

Was ihre Brötchen so besonders machte? „Wir verwenden ausschließlich regionale Produkte und gönnen unseren Backwaren eine lange Teigruhe“, führte sie aus. Sieben Tage die Woche. Denn: „Es kommt nicht nur darauf an, heute besonders gut zu sein. Als handwerklicher Bäcker muss ich meine Kunden schließlich jeden Tag überzeugen, bei mir zu kaufen“, sagte die Königin. Daher will sie sich auf den Lorbeeren der Krönung auch nicht ausruhen, sondern sieht diese als Ansporn, noch besser zu werden. „Die wirtschaftliche Lage ist für handwerkliche Bäcker nicht leicht“, seufzt sie.

Nicht nur die hohen notwendigen Investitionen, sondern auch der Nachwuchsmangel drückt“ – wenn auch nicht bei Bäcker Bock, wo Moritz als fünfte Generation gerade seinen Meister macht. „Viele scheuen die Arbeitszeiten. Dabei gibt es die auch in anderen Berufen. Und ein Bäcker arbeitet zumindest nicht im 3-Schicht-System, sondern hat mittags immer frei“, erklärte Rauscher. Einen Appell an den Nachwuchs hatte auch Bürgermeister Christian Vogel bei der offiziellen Eröffnung des Schmankerlmarktes gemeinsam mit der Kammerspitze Thomas Pirner und Prof. Dr. Elmar Forster.

Wir brauchen Handwerk

Als Pralinenliebhaber fürchtete er um die Zukunft seiner Lieblingsleckerei: „Wir brauchen das Handwerk und wir brauchen die Handwerker, nicht nur Menschen, die mit Krawatte und weißem Hemd im Büro sitzen. Schließlich essen wir alle gerne gut – und einer muss das gute Essen herstellen“, führte er aus. „Die letzten drei Tage habe ich auf Nahrung verzichtet, um heute genug Platz zu haben“, gab er lachend zu. Das freute seine Kollegen aus dem Handwerk, denn schließlich sei der ganze Markt dazu da, „den Verbrauchern zu zeigen, was Bäcker, Metzger, Brauer und Konditoren jenseits des Massen-Einerlei täglich an köstlich Kreativem zustande bringen“, wie Prof. Forster ausführte.

Über die Region hinaus

Um das noch einmal besonders hervorzuheben, zeichnete die Jury auch jedes Jahr einen Schmankerlkönig oder wie 2017 mit Birgit Gruber und 2018 mit Monika Rauscher eine Schmankerlkönigin aus. „Damit unterstützen wir unsere Handwerker und machen die Verbraucher auch jenseits der Metropolregion Nürnberg auf die Spezialitäten aufmerksam, die das mittelfränkische Handwerk zu bieten hat“, erklärte Thomas Pirner.

Publikumsliebling gewählt

Und diese Verbraucher, von denen sich mehr als 25.000 in der „Guten Stube Nürnbergs“ versammelt hatten, durften natürlich auch ihre Meinung dazu sagen: Beim Wettbewerb zum Publikumsliebling, der ebenfalls unter den Bäckern ausgetragen wurde, kürten sie den Holzofenbäcker Klaus Deinzer zum Sieger. Der freute sich riesig über die Anerkennung. „Die Tendenz der Kunden geht wieder zum kleinen Bäcker“, zeigte er sich überzeugt.

Schließlich verkaufe er nicht nur ein herausragendes Produkt, komplett aus regionalen Zutaten, sondern auch das „Drumrum“, die ursprüngliche Atmosphäre. „Ich backe genauso wie vor 500 Jahren, verwende keine Zusatzstoffe außer viel Zeit. Mein Sauerteig ruht 19 Stunden und wird dann im Holzofen gebacken. Dadurch entstehen nicht nur viele Geschmacksaromen, sondern das Brot bleibt auch länger frisch.“ Sein Brötchengeheimnis? „Gerade beim Mehrkorn röste ich meine Saaten vorher kurz an. Dadurch werden sie besonders nussig.“

Doch Deinzer achtete beim Schmankerlmarkt nicht nur auf die Qualität seiner Produkte: „Ich verstehe mich als Brotbotschafter und informiere meine Kunden auch umfassend. Sie dürfen mich alles fragen und natürlich auch kosten, bevor sie kaufen.“ Auf seinem Pokal ausruhen möchte er sich nicht. Im Gegenteil: „Wer weiß, vielleicht backe ich ja bald im größeren Holzofen“, lässt der leidenschaftliche Bäcker sich ein bisschen in seine Karten blicken.

Auf die Frage, was handwerkliche Produkte vor der billigeren Massenware auszeichne, sprach Prof. Forster für die 45 Aussteller auf dem Schmankerlmarkt eine direkte Empfehlung an jeden Kunden aus: „Versuchen Sie es, dann werden Sie es schmecken.“ Diesem Rat folgten die Besucher nur zu gerne.

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