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High End Audio Louis Tonmaschinen Manufaktur: Analog zum puren Musikgenuss

In Louis Tonmaschinen Manufaktur baut Wolfgang Walberer High-End-Plattenspieler, die mit hoher Präzision und anspruchsvollem Design überzeugen sollen.

Immer wenn Wolfgang Walberer das Stethoskop anlegt, dann steigt sein Puls. Denn die Geräusche, die er zu hören bekommt, geben Auskunft über die Qualität seiner Arbeit. Beim leisesten Knirschen oder Knacken wird er hellhörig.

Walberer ist kein Arzt, sondern Werkzeugmacher sowie Musikliebhaber und leidenschaftlicher Schallplattensammler. Beruf und Hobby geben dem Tüftler aus Butzbach in der Wetterau das nötige Rüstzeug für sein Nebengewerbe, dem er seit 2017 jede freie Minute widmet: Louis Tonmaschinen Manufaktur.

Angelehnt an einen seiner drei Vornamen produziert Wolfgang Josef Louis Walberer unter dieser Marke High-End-Masselaufwerke – Otto Normalverbraucher würde Schallplattenspieler sagen. Aber von den Geräten, die bei Otto Normalverbraucher auf dem Dachboden verstauben, weil er vor Jahrzehnten auf CD umgestiegen ist und längst gestreamte Musik über das Smart­phone konsumiert, heben sich die Laufwerke aus Walberers Manufaktur deutlich ab.

So bringt ein High-End-Masselaufwerk schon mal 40 Kilogramm auf die Waage. Und die Kabel vom Tonarm sind dicker als ein Daumen. „Ein Freund fragte mich mal, was ich da für einen Gartenschlauch in der Wohnung liegen habe“, erinnert sich Wolfgang Walberer.

Mit der Präzision des Werkzeugmachers

Der Bau von hochwertigen analogen Schallplattenspielern ist Präzisionsarbeit, also genau das Richtige für einen Werkzeugmacher wie Walberer, der mit Toleranzen im Bereich von Tausendstel Millimetern umgehen kann. Damit Musikliebhaber wie er sich einem ungetrübten Hörgenuss hingeben können, muss der Plattenteller die Drehzahlen von 33 1/3 oder 40 Umdrehungen pro Minute für Langspielplatten oder Singles exakt einhalten und möglichst plan laufen. Je weniger Reibung auftritt, desto besser. Für Wolfgang Walberer ist die Lagerung deshalb das Herzstück seiner Laufwerke.

Aus diesem Grund lässt er jedes von ihnen vor der Auslieferung 24 Stunden im Dauerbetrieb laufen. Dann lauscht er mit dem Stethoskop nach Geräuschen, die auf Abrieb oder Staubpartikel im Lager hinweisen könnten, misst Rundlauf und Planschlag des Plattentellers, prüft den Tonarm auf elektromagnetische Rückkopplungen. Nichts soll den High-End-Kunden später vom puren Musikgenuss ablenken.

Louis Tonmaschinen Manufaktur

Wolfgang Walberer tickt analog. Im Hauptberuf arbeitet er als Konstrukteur bei einem Unternehmen, das Zubehör für die analoge Schwarz-Weiß-Fotografie herstellt. Und auch als Musikliebhaber, der von Bluesrock über Jazz bis hin zu klassischen Stücken für Orgel oder Trompete ein breites Spektrum hört, kann er sich nicht mit der digitalen Technik anfreunden. „CDs sind irgendwann nicht mehr lesbar, digitale Musikdateien werden komprimiert. An die Qualität analoger Tonträger kommen sie nicht heran. Deshalb lassen immer mehr Bands ihre Platten wieder auf Vinyl pressen“, sagt Walberer.

Kunstwerke von edlem Design

Als er vor Jahren auf der Suche nach hochwertigen Lautsprecherboxen war, fiel sein Interesse auf einen dieser Plattenspieler, der ihn nicht nur durch seinen reinen Klang, sondern als wahres Kunstwerk faszinierte. Nur der Preis schreckte ihn ab. „In sechs Wochen steht so ein Teil bei mir zuhause“, sagte sich Walberer und machte sich an die Arbeit. Aus massivem Aluminium baute der Werkzeugmacher sein erstes Masselaufwerk, allein der Plattenteller hatte eine Höhe von 120 Millimeter. Das Chassis ruhte auf drei höhenverstellbaren Säulen, so dass das Gerät trotz seiner 40 Kilogramm eine gewisse Leichtigkeit ausstrahlte.

„High-End-Geräte müssen nicht nur durch ihre Klangeigenschaften überzeugen. Das Design spielt keine geringere Rolle“, erkärt Walberer. Denn Musikliebhaber, die für ihren Hörgenuss extrem hohe Preise zahlen – die teuersten Modelle auf dem Markt kosten einen sechsstelligen Betrag –, achten nicht zuletzt auf Ästhetik. Mit seinem Erstlingswerk erregte Walberer bei einer Ausstellung gleich so viel Anerkennung, dass bald schon Anfragen von potenziellen Kunden bei ihm eingingen.

Inzwischen hat er elf High-End-Masselaufwerke gebaut, bei denen wegen ihrer guten Dämpfungseigenschaft meist eine kubische Schieferplatte als Basis für Lager und Plattenteller zum Einsatz kam. Anfragen für weitere Geräte liegen laut Walberer sogar aus Shenzhen vor. Der chinesische Interessent möchte allerdings wegen des Transports einen leichteren Plattenspieler aus Holz. Wolfgang Walberer denkt an einen Verbundwerkstoff in Kombination mit Mooreiche. „Im Gegensatz zum technisch kalten Metall, strahlt Holz eine gewisse Wärme aus“, schwärmt Walberer schon von seinem nächsten Projekt.

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