Coronavirus -

Anlage in Corona-Zeiten Lohnt sich jetzt ein Investment in Gold?

In Krisenzeiten ist Gold oft besonders gefragt – das zeigt sich auch während der Corona-Pandemie. Der Preis ist in den vergangenen Wochen überwiegend gestiegen. Aber lohnt sich das Investment? Und welche Alternativen gibt es?

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Coronavirus

Ein paar Goldbarren im Tresor: Dieser Anblick vermittelt manchen Menschen ein Gefühl von Sicherheit. Gold steht nach wie vor für Luxus und gilt zugleich als Krisenwährung. Das zeigt sich auch während der Corona-Pandemie: Während der Kurs des Deutschen Aktienindex in den vergangenen Wochen gefallen ist, stieg der Goldpreis mit kleinen Einbrüchen.

Gold-Nachfrage höher als bei der Finanzkrise

Es zeigen sich erste Auswirkungen auf den Handel. Pro Aurum, einer der größten Händler in Deutschland, lässt derzeit nur 500 Orders pro Tag im Online-Shop zu. Aufgrund der aktuellen Marktsituation gebe es nur ein eingeschränktes Sortiment, heißt es auf der Internetseite. Die Nachfrage sei riesig – größer als zum Höhepunkt der Finanzkrise.

Beim Goldhändler Degussa heißt es: Drei der wichtigsten Barren-Produzenten aus der Schweiz mussten infolge der Corona-Pandemie ihren Betrieb einstellen. Und aufgrund von absehbaren, temporären Störungen bei der Belieferung mit physischen Edelmetallen könne aktuell kein Goldsparplan abgeschlossen werden.

Die Nachfrage ist groß. Doch lohnt sich derzeit ein Investment? "Gold ist eine Glaubensfrage“, sagt Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Kaum eine Geldanlage sei mit so vielen Emotionen behaftet - es ging mehr um den psychologischen Wert, erklärt er. In Krisen sei Gold häufig gefragt. "Kommt die Angst vor einer Inflation oder einem Crash an den Finanzmärkten, greifen viele Anleger zum inflationssicheren, glänzenden Edelmetall“, sagt Kurz.

Nicht alle dürfen Gold kaufen

Doch legen derzeit auch institutionelle Anleger in Gold an? Wohl eher nicht, sonst wäre der Goldpreis angesichts der Corona-Pandemie vermutlich noch viel höher. "Nicht alle dürfen Gold kaufen - etwa Anbieter von Rentenfonds“, erläutert Kurz. Die anderen wollen vermutlich genügend Cash zur Verfügung haben, um auf die Entwicklung an den Börsen schnell und flexibel reagieren zu können, so Kurz.

Der Nachteil von Gold: Das Edelmetall generiert keine laufenden Einnahmen. Der Gewinn hängt allein von der Entwicklung des Preises ab. "Im Vergleich zu vielen anderen Geldanlagen wirft physisches Gold weder eine Rendite, noch eine Dividende ab“, sagt Kurz.

Der Vorteil von Gold: "In der Vergangenheit hat sich der Goldpreis oft gegenläufig zum globalen Aktienmarkt entwickelt“, erklärt Thomas Mai von der Verbraucherzentrale Bremen. Ein Grund dafür: Wenn Verbraucher in Krisen das Vertrauen in die Finanzmärkte verlieren, kaufen sie oft als Alternative das Edelmetall. "Gold ist auch eine Angstwährung“, sagt Mai.

Das sollte man beim Goldkauf beachten

Die Preise für Anlagegold wie Barren oder Münzen sind laut Bankenverband abhängig von Gewicht, Feingoldgehalt und Prägung. Mehr als zehn Prozent über dem aktuellen Goldpreis sollten sie nicht liegen. Käufer sollten also auf den aktuellen Kurs achten.

Der Goldkurs bezieht sich auf eine Feinunze Gold. Eine Feinunze entspricht rund 31 Gramm reinem Gold. Nach Angaben der Stiftung Warentest sollte der Feingoldgehalt bei 999,9 liegen und die Barren einen Prägestempel haben – etwa von Firmen wie Heraeus, Umicore, Valcambi oder Perth Mint, die ein Zertifikat der Londoner Bullion Market Association (LBMA) haben.

Nicht mehr als 10 Prozent des Vermögens in Gold anlegen

Somit kann sich das Edelmetall als Beimischung im Depot eignen - Gold erhöhe die Diversifikation und mache das Depot so stabiler, erklärt Mai. Er rät, nicht mehr als 10 Prozent des Vermögens in Gold anzulegen. Denn: "Langfristig gesehen, ist Gold im Vergleich zu anderen Anlagen nicht so renditeträchtig“.

"Der Goldpreis kann starken Schwankungen unterliegen“, sagt Mai. Die Experten von der Stiftung Warentest warnen daher: Anleger könnten bei Gold ähnlich viel verlieren wie bei einem Aktiendepot. Wer seine Goldbarren in einem sicheren Tresor oder Bankschließfach verwahrt, muss dafür zudem oft sogar noch Gebühren zahlen, gibt Kurz zu bedenken. Oft verlangen Händler zudem Aufschläge für den Kauf.

Je kleiner die Goldbarren und Münzen sind, umso höher sind diese, zeigt eine aktuelle Untersuchung der Zeitschrift "Finanztest" (03/2020)“: Für einen 1-Kilogramm-Barren zahlen Käufer im Schnitt einen Aufschlag von rund einem Prozent zum aktuellen Börsenpreis. Für einen 1-Gramm-Barren waren es oft mehr als 20 Prozent.

"Finanztest“ empfiehlt als Minimum bei Goldbarren 50 Gramm und bei Standardgoldmünzen eine Feinunze – dies entspricht 31,1 Gramm reinem Gold. Gedenk- und Sammlermünzen lohnen demnach eher nicht, da die Aufschläge für den Materialwert sehr hoch sind.

Gold-ETC: Alternative zum Goldbarren

Wer an der Goldpreisentwicklung günstig teilhaben will, kann laut Finanztest in Gold-ETC investieren. Die Abkürzung steht für Exchange Traded Commodities, börsengehandelte Rohstoffe. Die Wertpapiere sind im Vergleich zu physischem Gold leichter handelbar. Doch im Fall der Fälle gilt: "Mit ETCs können sie natürlich keine Kartoffeln kaufen, mit einem Goldbarren wahrscheinlich schon“, gibt Kurz zu bedenken. "Finanztest“ hat verschiedene ETC-Anbieter untersucht. Sie legen das investierte Geld in Goldbarren an und verwahren diese als Sicherheit in Tresoren. Bei einigen können sich Anleger das Gold sogar als Barren liefern lassen.

Über Sparpläne kann man regelmäßig entweder in physisches Gold oder in ETC-Gold investieren. Die Tester nahmen 19 Anbieter von Gold-Sparplänen unter die Lupe. Ein Ergebnis: Mehrere verlangten zweistellige Aufschläge auf den Börsenpreis. Sparer sollten Angebote mit hohen Kosten meiden.

Günstig sind häufig ETC-Sparpläne – bei einigen Anbietern liegt die Monatsrate bei nur 25 Euro. Vorsicht bei Angeboten, die eine regelmäßige, sichere Verzinsung versprechen. Eine feste Rendite könne niemand garantieren, und die Entwicklung des Goldpreises keiner vorhersagen, warnt Finanztest. Auch von Sparplänen mit fester Laufzeit und Kündigungsfrist von über drei Monaten sollten Sparer besser die Finger lassen. dpa/ew

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2020 - Alle Rechte vorbehalten