Halle (Saale) -

Konjunktur im 3. Quartal 2018 Licht und Schatten im Handwerk

Durchwachsen fällt die Konjunkturbilanz für die Handwerksbetriebe im Kammerbezirk Halle für das 3. Quartal des Jahres aus. Während einige Gewerke auf erfolgreiche Monate zurück­blicken, spitzt sich bei vielen anderen die Lage zu. Immer deutlicher werden die negativen Folgen des demografischen Wandels und die Auswirkungen mancher politischer Entscheidungen.

„Wir blicken weiterhin auf eine gute Baukonjunktur, auf eine sehr gute sogar“, erklärte Dirk Neumann, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Halle, bei einer Pressekonferenz. Das Bauhandwerk mit anhaltender Hochkonjunktur sei eine Konjunkturlokomotive. Eine ähnlich gute Entwicklung verzeichneten das Ausbauhandwerk und die Handwerke für gewerblichen Bedarf.

Weniger erfolgreich verlief die dritte Jahreshälfte für das Kfz-Handwerk. Hier sei die Stimmung deutlich eingetrübt, berichtete Dirk Neumann. Ein Grund für den stark gesunkenen Geschäftsklimaindex seien die Diskussionen um Fahrverbote für Dieselfahrzeuge. In Sachsen-Anhalt sind 330.000 Diesel-Pkw angemeldet. Ihnen stehen rund 500 reine Elektroautos sowie etwa 5.000 Hybridfahrzeuge gegenüber. Gerade im Handwerk ist der Fuhrpark von Dieselmodellen geprägt. „Mit seinem niedrigen Verbrauch und geringerem CO2-Ausstoß war der Diesel bislang in der Klimadebatte eher positiv besetzt. Das alles ist vorbei“, sagte Thomas Keindorf, Präsident der Handwerkskammer Halle. „NOX ist jetzt der neue Maßstab.“

Nach langem Zögern hat die Bundesregierung Anfang Oktober reagiert und Maßnahmen angekündigt. In den betroffenen Regionen, in denen die gesetzlichen Grenzwerte der Luftqualität nicht eingehalten werden, sollen unter anderem Hardware-Nachrüstungen eine Entwertung der Dieselfahrzeuge verhindern. Das Handwerk hatte das seit langem gefordert. „Aber wir brauchen eine Lösung für alle Fahrzeughalter“, forderte Thomas Keindorf. „Umtauschprämien allein reichen nicht aus. Sie sind auch ökonomisch und ökologisch wenig sinnvoll, weil die Verschrottung von fast neuwertigen Fahrzeugen kaum zu rechtfertigen ist.“

Weiterhin Fachkräftemangel

Insgesamt vereinte die Handwerkskammer Halle am 30. September 13.867 Mitgliedsbetriebe – 25 mehr als zu Beginn des 3. Quartals, jedoch 168 Betriebe (1,2 Prozent) weniger als noch zwölf Monate zuvor. Die Zahl der Beschäftigten sank zwischen Anfang Juli und Ende September um 500 auf 71.000. Im Vergleich zum 3. Quartal des Vorjahres sind das 2.000 Beschäftigte weniger, ein deutliches Zeichen des anhaltenden Fachkräftemangels. Die Betriebsauslastung lag im 3. Quartal durchschnittlich bei 85 Prozent, zwei Prozentpunkte niedriger als im Vorquartal. Die Auftragsreichweiten sanken um 1,2 auf jetzt 7,2 Wochen.

Neben dem Mangel an Fachkräften bereitet ein weiteres Problem vielen Gewerken Sorgen: die Bürokratie. Immer höhere Anforderungen an die Betriebe resultieren in einem Mehraufwand, der besonders für kleine Unternehmer zeitlich nicht zu bewältigen ist. „Die Messung der jährlich anfallenden Bürokratiekosten in einer Studie ergab: Belastend für die Unternehmen sind vorwiegend die Berichtspflichten im Bereich Steuern und Rechnungswesen, in der Produktion und im Personalwesen“, so Thomas Keindorf. Nicht nur dadurch habe man den Eindruck, die Gesetzgebung, ob in Brüssel oder Berlin, erfolge ohne Rücksichtnahme auf die kleinen und mittleren Betriebe.

Andere Zeiten

Betriebszahlen im Fleischerhandwerk

Wie schwer es manchmal ist, bürokratischen Richtlinien im Alltag gerecht zu werden, weiß auch Klaus-Dieter Kohlmann, Landesinnungsmeister des Fleischerverbandes Sachsen-Anhalt. Laut ihm übernimmt die Politik Schemata zu Regulierungen in Großbetrieben und stülpt diese dann kleinen Betrieben über. Doch die werden damit oft vor unlösbare Probleme gestellt. Als Vertreter eines Gewerkes, das ebenfalls große Nachwuchssorgen hat, weiß Klaus-Dieter-Kohlmann, dass gerade junge Leute meistens kein Interesse daran haben, für Büroarbeit zusätzliche Überstunden zu machen.

„Die Zeiten sind andere, junge Menschen wollen Freizeit haben“, erklärte der Fleischermeister im Rahmen der Pressekonferenz. Der bürokratische Aufwand habe sich immens vergrößert. In Betrieben mit bis zu zehn Beschäftigten käme man so auf einen Mehraufwand von bis zu zwei Stunden täglich. Das mache es schwer, junge Leute einzubinden. Im Land Sachsen-Anhalt gebe es nur noch eine Berufsschule für Auszubildende zum Fleischer. Die Gründe dafür seien vielfältig.

Der Inhaber einer eigenen Fleischerei in Greppin bei Bitterfeld macht sich stark für sein Handwerk und für Produkte, deren Ursprung nachvollziehbar ist. Der Landesinnungsmeister ist stolz auf den Ruf deutscher Fleischwaren und setzt sich dafür ein, dass die deutsche Wurst zum Weltkulturerbe ernannt wird. „Wir haben über 1.500 Wurstsorten, das ist weltweit einzigartig. Wir sind die Wurstmacher und möchten das auch bleiben.“

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