Stuttgart -

Digitalisierung Lernen 4.0 in der Bildungsakademie

Die neuen Anforderungen, die sich durch das Arbeiten 4.0 ergeben, bringen auch Veränderungen an der Basis mit sich: das so genannte Lernen 4.0.

Die zunehmende Digitalisierung bringt eine große Anzahl an Veränderungen in unserem täglichen Umfeld mit sich. Doch nicht nur in unserem persönlichen Alltag sind digitale Tools und Helfer kaum mehr wegzudenken. Auch in vielen Handwerksbetrieben haben sich die Auftragsabwicklung über Tablets, Teileproduktion aus dem 3D-Drucker oder der Einsatz von Drohnen zur Vermessung von Baustellen bereits etabliert.

Mit Ilias fiel der Startschuss

In der Bildungsakademie der Handwerkskammer in Stuttgart Weilimdorf wird die Umsetzung des Lernens 4.0 bereits seit einiger Zeit in Angriff genommen. „Der erste Schritt wurde bereits im September mit der Einführung der digitalen Lernplattform Ilias getan“, erklärt Christine Schwab, stellvertretende Geschäftsführerin Berufliche Bildung. Die Lernplattform helfe, digitales Kursmaterial und Informationen strukturiert online zur Verfügung zu stellen, und ermögliche zudem einen unkomplizierten Austausch zwischen Teilnehmern, Dozenten, Seminarmanagern und Prüfungsausschuss. „Damit wird orts- und zeitunabhängiges Lernen möglich.“

Der nächste große Schritt auf dem Weg zum Lernen 4.0 wird mit Blended Learning erreicht. „Als Blended Learning bezeichnet man ein Lernmodell, das aus einer Kombination von computergestütztem Lernen und klassischem Unterricht besteht“, erklärt Katharina Dettweiler, die an der Bildungsakademie für Digitalisierung und berufliche Bildung zuständig ist. An der Bildungsakademie gelte der Lehrgang „Ausbildung der Ausbilder“ als Beispiel. „Der Lehrgang findet zu 30 Prozent als Präsenzunterricht an der Bildungsakademie statt, die weiteren 70 Prozent bestehen aus Onlineunterricht im virtuellen Klassenraum und Selbstlernphasen“, ergänzt Dettweiler.

Das Selbstlernen ermögliche den Teilnehmern, sich weitestgehend unabhängig von Zeit und Ort fachspezifisches Wissen anzueignen, über die Lernplattform Ilias könne ein Austausch mit anderen Kursteilnehmern stattfinden. Jede Selbstlernphase wird mit einer Lernstandskontrolle abgeschlossen, um das Gelernte zu wiederholen und zu vertiefen. „Der Meisterkurs Teil III kann ab Herbst 2019 als Blended-Learning-Kurs absolviert werden.“

Unterricht wird praktischer

„Und auch im Werkstattunterricht der überbetrieblichen Ausbildung gilt das Motto ‚weg von der Theorie, hin zu mehr Praxis‘“, erklärt Stefan Müllerschön, Teamleiter der technischen Weiterbildung. Damit sei nicht nur die Ausstattung der Werkstätten mit Tablets gemeint. Dies könne zum Beispiel durch so genannte IBeacons möglich gemacht werden, mit welchen sich die Bildungsakademie derzeit in der Testphase befindet.

„IBeacons sind kleine Bluetooth-Sender, die flexibel an Gegenständen, Maschinen und Wänden angebracht werden können. In einem definierten Radius senden diese multimediale Lerninhalte wie Lernvideos, inter­aktive Module, Lernspiele oder Dokumente an ein verfügbares Bluetoothgerät, wie ein Handy oder Tablet, das sich in der Nähe befindet.“

Wissens-Check vor dem Start

Dass die Digitalisierung auch schon vor dem Unterrichtsstart ansetzen kann, zeigt beispielsweise der Wissens-Check. So werden die Teilnehmer des Lehrgangs Kfz-Servicetechniker ab 2019 bereits vor Lehrgangsbeginn einen digitalgestützten Wissens-Check absolvieren. „Dieser Test wird unseren Teilnehmern mehr Sicherheit darüber geben, welche Fachkenntnisse für die erfolgreiche Teilnahme an diesem Kurs wichtig sind. Unsere Dozenten erhalten dadurch ein besseres Gefühl für die unterschiedlichen Wissensniveaus. Der Unterricht kann somit viel passgenauer gestaltet werden“, so Müllerschön.

„Auch bei der im kommenden Jahr neu angebotenen Weiterbildung zum Betriebswirt HwO wird in der Bildungsakademie die Handlungsorientierung großgeschrieben“, fasst Christine Schwab die Veränderungen zusammen. „Die Kursteilnehmer sollen das eigene Handeln reflektieren, in der Gruppe diskutieren, bewerten und fundierte Entscheidungen treffen. Die Dozenten und Ausbilder werden dabei immer mehr vom Wissensvermittler zum Lernbegleiter“ ergänzt Schwab.

Weitere Informationen gibt es ­online unter bia-stuttgart.de

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