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Zweiradmechaniker fordern Marktregulierung Leihfahrrad statt Auto: Nicht immer verkehrstauglich

Die Begeisterung fürs Radfahren wächst. Vor allem in Großstädten werden Alternativen zum Auto gesucht und immer mehr angeboten. Dazu gehören auch Leihfahrräder. Warum sich Zweiradmechaniker darüber nicht wirklich freuen.

Radfahren wird immer beliebter, viele Städte bauen ihre Fahrradwege wieder aus und – nicht zuletzt angesichts der Diskussionen um Abgase und Luftverschmutzung – wollen und müssen neue Verkehrs- Transport- und Mobilitätskonzepte gefunden werden.  Vor allem in Großstädten haben sich deshalb in den vergangenen Jahren immer mehr Anbieter von Leihfahrrädern angesiedelt bzw. stellen dort ihre Räder auf öffentlich zugänglichen Orten zur Verfügung.

So gibt es sowohl Räder von staatlich unterstützten Firmen wie NextBike in Berlin oder Konzepte der Deutschen Bahn gemeinsam mit Lidl als auch immer mehr asiatische Unternehmen, die Rädern zum Ausleihen in die Städte bringen, dort abstellen und darauf hoffen, dass sich Nutzer finden, die sich für die Angebote begeistern lassen. Alleine in der deutschen Hauptstadt soll die Zahl von derzeit rund 5.000 Leihrädern auf 15.000 in diesem Jahr anwachsen.

Radfahren mit App und GPS: Sind die Daten sicher?

Die Firmen, die entweder schon in Deutschland Fuß gefasst haben oder dies für 2018 geplant haben, heißen oBike, Mobike, BYKE oder ofo. Zahlen zu ihrer Expansion hat nun die Wirtschaftswoche veröffentlicht. Demnach rollen derzeit für den Marktführer Mobike weltweit rund acht Millionen Räder durch 200 Städte. ofo möchte in den nächsten Jahren fünf Millionen neue Räder einsetzen, rund eine Million davon für die internationale Expansion. China gilt als das Ursprungsland der Leihfahrradkonzepte.

Die Nutzer müssen sich meist bei den Anbietern online registrieren und bezahlen eine Gebühr für die gefahrenen Kilometer bzw. die Zeit, für die sie sie gebucht haben. Die Räder sind mit GPS-Technik ausgestattet und so für die Anbieter wieder auffindbar. Wer sich per App mit dem ausgewählten Anbieter verbindet, bekommt angezeigt, wo in der Nähe sich ein Rad befindet.

Ein Problem ist jedoch, dass es bislang kein Gesetz gibt, dass vorschreibt, wo die Räder abgestellt werden müssen oder dürfen. Einige Anbieter geben zwar einen Rabatt, wenn man das Rad in bestimmten Parkzonen abstellt, statt irgendwo auf dem Bürgerstieg oder an den S- und U-Bahnhöfen. Doch vor allem die neuen Anbieter nutzen als Abstellflächen den öffentlichen Raum – und das dürfen sie auch.

Leihräder auf den Gehwegen: Beschwerden häufen sich

Inzwischen häufen sich jedoch Beschwerden, dass Fahrräder immer wieder Gehwege und öffentliche Plätze blockieren. Die Anbieter aus dem Ausland stellen die Räder Medienberichten zufolge manches Mal sehr willkürlich in großer Zahl einfach in den Fußgängerzonen oder nahe an Bahnhöfen ab. Sie hoffen, dass sich die Räder von selbst in den Städten verteilen. Der Ärger darüber wird immer größer und das Chaos könnte mit der Zahl der Leihräder noch steigen.

Aus Sicht des Bundesinnungsverbands für das Deutsche Zweiradmechaniker-Handwerk, die sich selbstredend darüber freut, dass Radfahren an Beliebtheit gewinnt, bringen einige der Leihräder zudem das Problem mit sich, dass sie  nicht immer die gesetzlichen Anforderungen der Straßenverkehrsordnung (StVZO) erfüllen. "Merklich werden der Leihfahrrad-Markt und die Städte derzeit von vielen Billig-Anbietern regelrecht überschwemmt", sagt Verbandssprecher Felix Lindhorst dazu.

Einen signifikanten Anstieg der Aufträge durch Wartungen und Reparaturen von Leihfahrrad-Anbieter kann er deshalb auch nicht feststellen. Denn viele Anbieter würden den Zustand ihrer Fahrräder schlicht und ergreifend vernachlässigen. Das spielt auch eine Rolle bei drahtlosen Übertragungstechniken und vernetzte Systemen, die in die Räder integriert sind. Auch Verbraucherschützer warnen davor, dass der Datenschutz nicht immer ernst genommen werde.

Vorteile für den lokalen Stadtverkehr und die Luftqualität

Das Zweiradmechaniker-Handwerk ist ein gefahrgeneigtes Handwerk und Fahrlässigkeit kann schwerwiegende Folgen haben. Gerade hochwertige und technisierte Produkte wie Pedelecs und Sporträder erfordern einen sorgfältigen Umgang. So ist  der Bundesinnungsverband etwas enttäuscht über die Leihradentwicklung ,  gerade Qualitätsprodukte sind es  die den Wechsel vom Auto auf ein Fahrrad von heute bewirken und nun werfen  die aktuelle Entwicklung bei den Leihrädern ein schlechtes Image auf eine ganze Branche.

Drahtlose Übertragungstechniken und vernetzte Bussysteme sind übrigens auch Teil der anspruchsvollen Ausbildung von Zweiradmechatronikern. Das betont Felix Lindhorst, der davon berichtet, dass die Branche noch immer gegen Klischees kämpfen muss.

Leihräder und die Idee, mehr Fahrräder in den Stadtverkehr zu integrieren, unterstützt der Handwerksverband. Denn gerade in Zeiten von Abgasskandalen bieten sie Vorteile für den lokalen Stadtverkehr und die Luftqualität.

Um diese Chance nicht zu verwirken bedarf es einer klaren Marktregulierung. "Das Ziel kann nicht die Überflutung der Bürgersteige und ein Stadtbild mit vernachlässigten Räder sein", sagt Felix Lindhorst zu einem stark umkämpften Markt und der Vielzahl von Leihradangeboten.

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