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Optimaler Start für Azubis Lehrlingswerkstatt: Wie das außergewöhnliche Konzept funktioniert

Berufsbilder werden komplexer, die Anforderungen auf den Baustellen nehmen zu. Wie taktet man da Lehrlinge, die ganz neu in der Ausbildung sind, in die Abläufe im Betrieb und auf der Baustelle ein? Das Unternehmen Drechsler Haustechnik Ehrenfriedersdorf (DHE) hat darauf eine Antwort gefunden.

Mit einer eigenen Lehrlingswerkstatt bereitet Drechsler Haustechnik seine Lehrlinge auf die Arbeit beim Kunden vor. Vier bis sechs Wochen gleich zu Beginn des ersten Lehrjahrs verbringen die neuen Lehrlinge in der eigens für sie eingerichteten kleinen Werkstatt, wo sie an den Aufgaben von Ausbilder André Seifert arbeiten. Erst nach dieser Zeit fahren sie mit auf Baustellen. Die Lehrlinge kehren zudem zur Prüfungsvorbereitung in die Werkstatt zurück. “Zwei Wochen vor der Prüfung beginnt die intensive Phase“, sagt Seifert.

Der Zeitaufwand für den Betrieb ist beträchtlich. Mindestens die Hälfte seiner Arbeitszeit, schätzt Seifert, verbringt er mit den Lehrlingen in der Ausbildungswerkstatt, der Aufwand falle “wellenartig“ an. Dass sich das für Betriebe wie für Lehrlinge dennoch lohnt, verdeutlicht Anja Ziegler, die Geschäftsführerin von DHE. Die Obermonteure auf der Baustelle seien deutlich entlastet, weil die Lehrlinge bereits selbstständig beim Kunden Aufgaben erledigen können. “Wir wollten einfach nicht, dass die Lehrlinge nur den Dreck zusammenkehren und Heizkörper schleppen.“

Zum Konzept gehört auch, dass der Lehrling immer denselben Lehrlingsvater auf der Baustelle hat. So werde vermieden, sagt Anja Ziegler, dass wechselnde Obermonteure sich immer wieder neu auf den Wissensstand des Lehrlings einstellen müssen. Vielmehr sehe der Obermonteur ständig die Lernfortschritte des ihm zugeteilten Lehrlings, was das Vertrauen in dessen Fähigkeiten stärke. “Der Obermonteur soll sehen, dass er sich seinen eigenen Nachwuchs heranzieht“, sagt Ziegler. Zudem fallen durch die Vorbereitungszeiten in der Werkstatt die Prüfungsleistungen der Lehrlinge besser aus.

Auslöser dafür, eine eigene Ausbildungswerkstatt im Betrieb aufzubauen, gab ein Weltmeister: DHE-Lehrling Nathanael Liebergeld nahm 2015 an der Berufe-WM WorldSkills teil und errang Gold. Die Unternehmenschefs hatten ihm zur Vorbereitung auf die WM einen Trainingsraum eingerichtet – er wird seitdem als Lehrlingswerkstatt genutzt.

Unter anderem von Max Zschocke, Lehrling zum Anlagenmechaniker SHK im ersten Lehrjahr. Auf die Frage, was er in der Ausbildungswerkstatt gelernt hat und auf der Baustelle bereits anwenden konnte, sagt er: “Das Pressen von Verbundrohr, Entgraten, das Bearbeiten von Blechen, aber auch die Maßhaltigkeit der Arbeiten.“ Meister André Seifert nickt anerkennend. So viele Ressourcen in den Nachwuchs zu investieren, sei auch eine Generationenfrage, sagt Ziegler, die den Betrieb mit heute 70 Mitarbeitern vor sieben Jahren von ihrem Vater übernahm.

“Mein Vater hätte die Notwendigkeit so nicht gesehen. Aber damals kamen die Lehrlinge auch von alleine zu uns.“ Azubi Max Zschocke lobt die Werkstatt als Rückzugsraum – für den allerdings feste Regeln gelten, sagt Anja Ziegler. Handys beispielsweise müssen abgegeben werden, damit in den Phasen des selbstständigen Arbeitens auch tatsächlich gearbeitet werde. Neben der Vorbereitung auf Baustellen und Prüfungen zeige die Ausbildungswerkstatt vor allem ein Ergebnis, sagt Anja Ziegler: “Die Lehrlinge sehen, dass wir uns für sie interessieren.“

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