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Gegen die Lebensmittelverschwendung: Too good to go Fertige Mahlzeiten retten statt neue bestellen

In Bäckereien, Metzgereien, Cafés und Restaurants wird Tag für Tag zu viel gebacken, gekocht und für den sofortigen Verzehr vorbereitet. Vieles landet am Ende im Müll. Alternative: Die überproduzierten Lebensmittel zum reduzierten Preis verkaufen. Das geht auch per App "Too good to go".

Mehr als ein Drittel aller produzierten Lebensmittel wandert direkt in den Müll statt in den Mund. Sie werden produziert, damit die Verkaufsregale immer voll, das Angebot breit und die Auswahl an Speisen groß ist – bestenfalls bis kurz vor Ladenschluss. Vor allem was dann an bereits fertig Zubereitetem übrig bleibt, kann am nächsten Tag meist nicht mehr verkauft werden. Auch für Lebensmittelspenden eignet es sich nicht. So dürfen beispielsweise die Tafeln fertige Speisen und wärme- oder kühlpflichtige Ware nicht abholen.

Überschüssiges Essen zu einem vergünstigten Preis

Damit die überproduzierten Waren, die fertigen Gerichte, belegten Brötchen und einwandfrei genießbaren Lebensmittel dennoch gegessen statt weggeworfen werden können, versucht die Initiative "Too good to go" sie per App an hungrige Lebensmittelretter zu vermitteln. Konkret: Betriebe bieten das überschüssige Essen zu einem vergünstigten Preis online an. Wer es abholt, bekommt eine Art "Wundertüte" – nicht das, was er bestellt und was explizit zubereitet wird, sondern das, was noch da ist. So werden Lebensmittel nicht weggeworfen, Menschen satt und sie bekommen hochwertiges Essen zu einem günstigen Preis.

Seit dem Start von "Too good to go" haben sich in Deutschland rund 3.500 Betriebe in rund 400 deutschen Städten registriert und bieten über die App Lebensmittel an, die dann am selben Tag noch abgeholt werden können. Europaweit sind es nach Angaben der Initiative 27.000 in elf verschiedenen Ländern und insgesamt fast 18.000.000 gerettete Mahlzeiten.

Mitmachen kann im Prinzip jeder Betrieb, der Lebensmittel herstellt und/oder verkauft, seine überproduzierte Ware über unsere App anbieten möchte – so auch Metzgereien, deren Waren oft gekühlt oder direkt verzehrt werden sollten. Denn die Waren oder Mahlzeiten werden schließlich   innerhalb der normalen Öffnungszeiten direkt an die Kunden verkauft. "Too good to go" tritt hierbei lediglich als Vermittler auf. "Dadurch handelt es sich bei uns quasi um ein klassisches Take-Away, die Kunden holen also ihr Essen zum direkten Verzehr selbst ab und somit gibt es keine Probleme mit Hygieneauflagen", erklärt dazu Teresa Sophie Rath von "Too good to go".

So funktioniert die Bestellung über "Too good to go"

Die App funktioniert so, dass die Kunden bequem über Smartphone oder PC einen Laden in ihrer Umgebung aussuchen und filtern, worauf sie gerade Lust haben – also Brötchen, Leberkäs-Semmel, Pizza, Sushi oder etwa Tapas. Was genau eine dann bestellte Portion beinhaltet, bestimmt der Betrieb, der es in Form der "Wundertüte" zusammenstellt. "Der Preis einer Portion beträgt maximal die Hälfte des Originalpreises und durchschnittlich drei Euro", erklärt  die Sprecherin der Initiative. Im Profil des Ladens erhält man eine Beschreibung dessen, was man dort eventuell bekommen kann. Dass man nicht zu 100 Prozent weiß, was man bekommt, macht laut Rath auch einen besonderen Reiz der Aktion aus. Außerdem könnte man so auch neue Restaurants und Geschäfte in seiner Stadt kennenlernen. Die bisherige Erfahrung zeigt zwar, dass das Konzept in Städten schneller angenommen wird. Dennoch versuchen die Anbieter auch in ländlicheren Gebieten Betrieben hinzuzugewinnen.

Um die Mengen der weggeworfenen Lebensmittel zu reduzieren, bedarf es ganz unterschiedlicher Ansätze. "Mit unserem Konzept ergänzen wir die Tafeln und andere Organisationen und sorgen dafür, dass verschiedene gesellschaftliche Akteure gemeinsam so viele Lebensmittel wie möglich vor dem Entsorgen retten", fasst es Teresa Sophie Rath zusammen. Im Fall von  "Too Good To Go" auch einzelne Portionen für einzelne Personen. Genau damit schließt die Initiative aber eine Lücke, die fertig zubereitete Speisen rettet. Werden allein in Deutschland jedes Jahr 18 Millionen Tonnen Essen weggeworfen, wenn man die ganze Wertschöpfungskette betrachtet von den Feldern, dem Einzelhandel, der Gastronomie und den Haushalten. So wären nach Angaben von "Too good to go" davon satte zehn Millionen Tonnen vermeidbare Abfälle. Jährlich wandern so auch rund 235 Euro pro Person in den Müll.

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