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Mindesthaltbarkeitsdatum in der Kritik Lebensmittelverschwendung: Besserer Vorratsschutz soll helfen

Auf Deutschland könnte aus Sicht des Verbands Deutscher Mühlen in Zukunft ein großes Problem zukommen: Da die Wirkstoffpalette gegen Schädlinge, Pilze und Schimmel immer kleiner wird, könnte zukünftig der Schutz von Getreide schwieriger werden. Ohne einen guten Vorratsschutz droht Lebensmittelverschwendung schon vor der eigentlichen Verarbeitung.

Tonnen an Lebensmitteln landen hierzulande im Müll. Lebensmittel, die es gar nicht erst in den Verkauf geschafft haben, Lebensmittel, die der Handel aussortiert und solche, die in den Privathaushalten weggeworfen werden – sei es, weil sie nicht mehr genießbar sind oder ganz einfach, weil die Verbraucher denken, sie seien schlecht geworden. Der Großteil dieser Lebensmittel gehört zu den Frischwaren, Gemüse, Obst, Wurst, Käse und Brot.

Mehl landet dagegen selten in den Mülltonnen. Es ist je nach Type unterschiedlich lange haltbar – zwischen sechs Monaten bis zu zwei Jahren lässt es sich ohne Qualitätseinbußen aufbewahren – vorausgesetzt es wird richtig gelagert: Trocken, dunkel und am besten in einer luftdicht abschließenden Dose. In den Lagerstätten der Müller sieht das ähnlich aus – natürlich in anderen Dimensionen. Doch bei der richtigen Lagerung gehört im großen Stil noch einiges mehr dazu.

Lebensmittel besser lagern statt verschwenden

Und dieses "mehr" ist es, was dazu beitragen kann, dass weniger Lebensmittel verschwendet werden. So setzt sich der Verband Deutscher Mühlen, der die Müller in Deutschland vertritt, dafür ein die Lebensmittelverschwendung zu reduzieren und plädiert für eine bessere Lagerhaltung. Eine der Maßnahmen dafür sieht der Verband auch darin, dass eine ausreichende Zahl von chemischen Wirkstoffen zur Verfügung steht, um mögliche Schädlinge, Pilze und Schimmel zu bekämpfen. Einige Stoffe sind – ähnlich wie einige Pflanzenschutzmittel – in die Kritik geraten. Doch genau damit gibt es ein Problem.

"Die Wirkstoffpalette wird immer kleiner", kritisiert Peter Haarbeck, der Geschäftsführer des Verbands Deutscher Mühlen, und fügt hinzu, dass damit die Gefahr von Resistenten stark zunimmt und irgendwann kein Mittel mehr gegen Schädlinge helfe. Die Anzahl der einsetzbaren Mittel – ob im Lager, bevor überhaupt Mehl eingelagert wird, oder direkt auf dem Getreide sei in Deutschland stärker eingeschränkt worden als in vielen anderen EU-Staaten

 Die Gründe liegen laut Haarbeck daran, dass viele Zulassungen ausgelaufen seien und für neue Mittel hohen Zulassungshürden gelten. Vielfach würden die Zulassungsbehörden für bekannte Wirkstoffe und Einsatzgebiete immer neue Studien fordern, insbesondere zu deren Auswirkungen auf die Umwelt; in anderen Fällen scheitere eine Zulassung an bürokratischen Vorgaben. Der Müllerverband ist allerdings nicht dafür, die Hürden zu senken. "Die Politik muss das Problem endlich ernst nehmen und eine Lösung finden", fordert Peter Haarbeck.

Mehl lagern: Umso sauberer, umso besser

Grafik einer modernen Mühle

Ein qualitativer Vorratsschutz besteht jedoch aus weit mehr als nur aus dem vorbeugenden Einsatz von chemischen Mitteln. Er beginnt schon auf dem Feld und dabei, welche Maschinen ein Landwirt verwendet, um Getreide zu ernten. "Umso sauberer, umso besser" lautet hierbei die Devise, denn wenn keine Insekten und möglichst wenig Schmutz mit im geernteten Getreide landet, sinkt das Risiko, dass eingelagertes Getreide fault oder ungebetene Gäste Schaden anrichten.

Sauberkeit ist dann auch bei der Verarbeitung in den Mühlen gefragt und vor allem Trockenheit. Die Lagerstätten müssen ausreichend gegen Nässe und gegen das Eindringen von Schädlingen geschützt sein. Was so einfach klingt, erfordert eine gute Organisation und Fachwissen. Dieses wird schon in der Ausbildung vermittelt.

Wie wichtig das Thema Vorratsschutz der Branche ist, zeigt sich daran, dass künftig die Gesellen für Müllerei und Agrarlagerwirtschaft gemeinsam ausgebildet werden. "Wenn die einen wissen, wie die Arbeit in der Mühle abläuft und die anderen verstanden haben, was in einem gut funktionierenden Lager wichtig ist, können die Prozesse viel besser aufeinander abgestimmt werden", erklärt Haarbeck.

Und noch eine Tatsache ergänzt die Relevanz des Themas: Schon bald wird es einen Aktionsplan für einen nachhaltigen Vorratsschutz von Seiten der Bundesregierung geben. Er sei gerade in der Endabstimmung. Der Verband deutscher Mühlen hat dabei mit dem Bundesernährungsministerium eng zusammengearbeitet.

Verband will Mindesthaltbarkeitsdatum beibehalten

An anderer Stelle sind beide jedoch ganz unterschiedlicher Meinung – und dabei geht es auch um die Lebensmittelverschwendung. Um diese einzudämmen, plädiert Bundesernährungsminister Christian Schmidt (CSU) schon seit längerem dafür, das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) durch eine neue Kennzeichnung zu ersetzen, die dem Verbraucher eindeutig sagt, wann ein Lebensmittel ungenießbar ist – ein sogenanntes Verbrauchsverfallsdatum (VVD). Abstimmungen in der EU laufen dazu derzeit. Zusätzlich lässt das Ministerium diese Idee gerade von einem Forschungsinstitut bewerten.

Der Müllerverband ist dagegen für die Beibehaltung der seit über 30 Jahren bestehenden Regelung des MDH und für mehr Aufklärung auf Seiten der Verbraucher. "Das schafft erheblich weniger Aufwand als eine komplett neue Kennzeichnung einzuführen", sagt Haarbeck. Das MHD zeige eindeutig, bis wann Lebensmittelunternehmer in der Pflicht stehen und ab wann die Verbraucher genauer hinsehen müssten. "Warenkunde" betont der Geschäftsführer sei ein Schlüsselbegriff, damit nicht mehr so viele Lebensmittel weggeworfen werden.

Warenkunde und vor allem Tipps zur besseren Vorratshaltung bietet der Verband Deutscher Mühlen Verbrauchern auf der Internetseite mein-mehl.de.

Mindesthaltbarkeitsdatum: Was dahinter steckt

Tonnenweise Lebensmittel landen täglich auf dem Müll, weil viele Verbraucher sich blind auf das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) verlassen und denken, dass Lebensmittel ungenießbar werden, wenn es überschritten ist. Dabei ist das MHD kein Verfallsdatum oder Ablaufdatum. 

Tatsächlich gibt das Mindesthaltbarkeitsdatum nur an, bis wann das ungeöffnete Lebensmittel seine spezifischen Eigenschaften mindestens behält, wenn es angemessen aufbewahrt wird. Das heißt: Wie lange Farbe, Geruch, Geschmack und Nährwerte genau so bleiben, wie an dem Tag, an dem es abgepackt wurde. Es geht aber auch um die Sicherheit, dass sich keine Mikroorganismen wie Keime in der Packung breitgemacht haben.

Das Mindesthaltbarkeitsdatum wird von den Unternehmen in eigener Verantwortung vergeben. Doch dabei rechnen sie einen Puffer ein, um auf Nummer sicher zu gehen. So sind viele Lebensmittel auch nach Ablauf des angegebenen Datums noch genießbar.

Doch auf einigen Nahrungsprodukten gibt es anstelle des Mindesthaltbarkeitsdatums ein Verbrauchsdatum. Beides sollte man nicht verwechseln. Ein Verbrauchsdatum bekommen Lebensmittel, die leicht verderblich sind – zum Beispiel Hackfleisch oder frischer Fisch. Und hier kann im Unterschied zu den Waren, die nur ein MDH haben, nach Ablauf des Verbrauchsdatums eine Gesundheitsgefahr durch Keime entstehen.

Auf den Packungen einiger lange haltbarer Lebensmittel zum Beispiel Salz, Zucker und Essig – muss dank einer EU-Verordnung gar kein Mindesthaltbarkeitsdatum stehen.

Aber welche Lebensmittel halten sich wie lange? Der Verbraucherzentrale Hamburg zufolge ist Milch in einer ungeöffneten Verpackung rund drei Tage nach dem Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums noch genießbar. Eier können noch zwei Wochen später verwendet werden – allerdings lieber zum Kochen und Backen und nicht roh. Mehl, Reis und Nudeln können den Verbraucherschützern zufolge noch mehrere Monate nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums verwendet werden, wenn sie trocken gelagert werden. dpa

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