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Pressekonferenz auf der Internationalen Handwerksmesse Lebensmittelhandwerk bangt um Nachfolge

Das Lebensmittelhandwerk verfolgt die Pläne von Bundesfinanzminister Schäuble zur Erbschaftssteuer argwöhnisch. Die Betriebe tun sich ohnehin damit schwer, Nachfolger zu finden. Das liegt nicht nur am Fachkräftemangel.

Fast 40 Milliarden Euro setzte das Lebensmittelhandwerk im Jahr 2013 um, 554.000 Beschäftigte arbeiteten in 36.524 Fleischereien, Bäckereien-, Konditoreien und Brauereien. Soweit die Zahlen - das klingt erst einmal gut. Doch viele der Betriebe machen sich Sorgen um die Nachwuchssicherung.

So haben vor allem Bäcker und Fleischer Probleme, Fachkräfte zu gewinnen – und viele Unternehmen im Lebensmittelhandwerk haben ein Nachfolgeproblem. Das zeigt sich unter anderem an den sinkenden Mitgliederzahlen der Verbände. Den Grund dafür sieht Gerhard Schenk, Präsident des Deutschen Konditorenbundes jedoch nicht nur in den fehlenden Fachkräften: "Das Problem ist, dass viele Firmen schlicht nicht gekauft werden können."

Erbschaftssteuer: Mehr Flexibilität bei Lohnsumme

Die Maschinenparks seien inzwischen so teuer, dass ein externer Gründer sich das gar nicht leisten könne. Das führe dazu, dass im Lebensmittelbereich die Handwerksbetriebe größer werden, der Trend geht zur Filialisierung. "Das stehen hier vor einem Strukturwandel", führt Heinz-Werner Süss, Präsident des Deutschen Fleischer-Verbandes aus.

Die Vorschläge von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) zur Erbschaftsteuer hat man daher genau im Blick. "Die Bagatellgrenze von einer Million Euro, wie der Minister es vorgeschlagen hat, ist deutlich zu gering", sagt Karl-Sebastian Schulte vom Zentralverband des Deutschen Handwerks. Unser Vorschlag ist es, die Erbschaftssteuer an die Mitarbeiterzahl zu koppeln.“ Denkbar sei etwa eine Grenze von zehn Mitarbeitern festzulegen und zwischen zehn und zwanzig Angestellten mehr Flexibilität bei der Lohnsumme zuzulassen.

Regionale Strukturen stärken

Und ein weiteres Thema ist aus Sicht des Lebensmittelhandwerks wichtig, um die Gewerke auch in der Zukunft zu sichern: Die Strukturen im ländlichen Raum. Handwerksbetriebe im ländlichen Raum sollen für die dortige Entwicklung künftig eine wichtige Rolle spielen. Dafür wollen sich die Lebensmittelhandwerke einsetzen. "Das Handwerk kann in Kooperation mit Landwirtschaft und anderen Wirtschaftsbereichen sowohl durch Innovationen als auch durch die intensivere Aktivierung regionaler wirtschaftlicher Potenziale entscheidend zur Stabilisierung und Entwicklung beitragen", heißt es in einer gemeinsamen Erklärung. Man müsse vor allem Jugendlichen Bleibeperspektiven für die Zukunft bieten.

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