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Finanzen Wie Betriebe mit Leasing finanziell liquide bleiben

Gerade auch bei der Krisen-Bekämpfung nützen Alternativen zum Bankkredit. Leasing zum Beispiel ist eine Option, mit der sich Betriebsinhaber mehr finanzielle Spielräume verschaffen können.

Längst treffen Rezession und Covid-19-Pandemie das Handwerk nicht so massiv wie andere Branchen. Im Gegenteil: Der Wohnungsbau boomt noch immer und Betriebe Covid-19-tauglich zu machen, hat bei vielen Handwerkern, insbesondere Schreinern und Metallbauern, die Nachfrage beflügelt. Und dennoch befasst sich auch das Handwerk nun vermehrt mit Liquiditätsmanagement, weil Lieferketten unterbrochen wurden, Mitarbeiter in Quarantäne mussten oder Industriekunden Aufträge aussetzen oder gar stornieren.

"Ein wichtiges Instrument, auch in schwierigen Zeiten liquide zu bleiben, ist das Leasing", sagt Thomas Koch. Der Vertriebsleiter der Nürnberger Leasing, ein typischer Mittelstandsfinanzierer, stellt eine erhöhte Nachfrage aus dem Handwerk fest, die er auf mehrere Ursachen zurückführt: Generell befassen sich junge Unternehmer im Handwerk vermehrt mit Alternativen zum klassischen Hausbankkredit wie Leasing, Factoring oder Finetrading. Gerade in der Covid-19-Zeit kommt der Impuls aber auch häufiger vom Steuerberater oder der Hausbank, die das Kreditrisiko streuen will.

Handwerker reißt die Kreditlinie

Koch bringt ein Beispiel aus seinem Alltag: "Die Krise erhöht die Schwankungsbreite auf dem Firmenkonto, so dass der Handwerker immer wieder die Kreditlinie reißt." Und der Flaschner, der viel für Eventveranstalter gearbeitet hat und nun versucht, in neue Segmente zu gehen, braucht zusätzliches Elektrowerkzeug. In dieser Situation gibt ihm die Bank keinen weiteren Kredit. Stattdessen kommt die Nürnberger Leasing zum Zug, die nach einer klassischen Bonitätsprüfung die Werkzeuge erwirbt und ihrem neuen Leasingnehmer überlässt.

Positiver Nebeneffekt: Die Kreditlinie des Flaschners bleibt stabil und die Bank erhöht ihm weder den Zins, noch kürzt sie ihm die Kreditlinie, weil sie auch in dieser Pandemiephase kein erhöhtes Risiko für ihr geliehenes Geld erkennt. Bei Leasing, Factoring oder Finetrading geht es auch um Aspekte wie Steuern, Risikoabwägung, Bonität/Rating oder schlanker Verwaltung/Outsourcing. Virtuos eingesetzt, dient ein solcher Kapitalmix dazu, Wachstum zu finanzieren, Gesellschafter auszuzahlen, eine Rezession zu überbrücken oder Geld zu günstigen Konditionen zu bekommen.

Steuerberater bei der Anschaffung einbinden

Leasing nutzt man etwa beim Kauf von Fahrzeugen, Maschinen oder Werkzeugen. Hierbei wählt der Kunde ein Produkt, das der Leasinggeber für ihn erwirbt. Gegen eine monatliche Leasingrate überlässt der Leasinggeber seinem Leasingnehmer das Gerät. Die Laufzeit liegt meist bei 24 bis 48 Monaten, ist aber ebenso verhandelbar wie etwa eine Anzahlung in Höhe von zehn oder 20 Prozent oder die Festlegung des Restwerts nach Ablauf der Laufzeit. In die Gestaltung dieser Parameter fließen steuerliche oder strategische Erwägungen ein, weshalb der Steuerberater günstigerweise in den Anschaffungsprozess eingebunden ist.

So sind etwa die monatlichen Leasingraten sofort und zu 100 Prozent steuerlich absetzbar. Der Leasingnehmer bindet also kein Eigenkapital, verkürzt seine Bilanz und belastet nicht seine Bonität bei der Bank. In den Vertrag können auch Wartung oder Ersatz bei Beschädigung mit hineinverhandelt werden. Und: Am Ende der Laufzeit ist der Leasingnehmer frei, eine modernere, größere oder komfortablere Ersatzmaschine zu erwerben oder zu leasen.

Seit April kommt es Covid-19-bedingt vereinzelt auch im Handwerk zu Zahlungsschwierigkeiten, wie sie Automobilzulieferindustrie und Reisebranche längst kennen. Doch statt Leasingraten zu senken oder auszusetzen, boomt mittlerweile regelrecht das Sale-and-Leaseback-Verfahren (SLB). Beim SLB nimmt der Leasinggeber schuldenfreie, gebrauchte Maschinen oder Fahrzeuge zusätzlich ins Leasing. Das heißt, er setzt einen Zeitwert von beispielsweise 70.000 Euro fest, der in den folgenden Monaten mit den seitherigen Leasingraten für sämtliche Güter verrechnet wird.

Bonitätsprüfung als größte Hürde

SLB kann ein Weg sein, um in der Krise liquide zu bleiben. Auch wenn Mitarbeiter den Betrieb des früheren Chefs übernehmen, diesen ausbezahlen müssen oder einen Betrieb aus der Insolvenz übernehmen, ist SLB eine Option. Vereinzelt dient das Instrument dazu, einen Stellenabbau zu finanzieren. Größte Hürde beim SLB ist in der Regel die Bonitätsprüfung, um einen Finanzierer zu finden. Dieser braucht zudem Erfahrung, den Zeitwert eines potentiellen Leasingguts fair zu ermitteln. Die Nürnberger Leasing arbeitet deshalb mit einem solchen Spezialisten eng zusammen.

Ein Tipp: Es lohnt sich, bereits in Zeiten guter Liquidität alternative Finanzierungsinstrumente einzusetzen und auszuprobieren. So kann Vertrauen wachsen, das in Krisen wie etwa der aktuellen Rezession belastbar ist. Dazu zählt, dass sich der alternative Geldgeber nicht zurückzieht und eventuell sogar seinen "Rettungsschirm" weiter aufspannt

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