Betriebsführung -

Mieten, Leasing und Sharing Leasing & Co.: Wenn Berufskleidung anderen gehört

Mieten, Leasing und nun auch noch Sharing: Die Möglichkeiten des "Nichtbesitzens" nehmen zu und machen auch vor Berufskleidung keinen Halt. Doch was verbirgt sich hinter den Angeboten, worin unterscheiden sie sich und welche Vorteile bieten sie?

Schmutz, Staub, Späne oder Schmierfett – Handwerker haben es bei der Arbeit mit zahlreichen Einflüssen zu tun, weshalb in vielen Gewerken eine auf den Beruf abgestimmte Kleidung getragen wird. Deren Anschaffung kann kostenintensiv sein. Je nach Anzahl der Beschäftigten, der gewählten Kollektion, der Zusammenstellung und Anzahl der Bekleidungsteile sowie weiterer Extras muss ein Betrieb für den Team-Dress mehr oder weniger tief in die Tasche greifen. Dabei ist die Investition in das Erscheinungsbild keineswegs eine einmalige Angelegenheit: Defekte Kleidung muss in regelmäßigen Abständen ausgetauscht und neue Mitarbeiter eingekleidet werden. Wer den Kauf scheut und die Kosten nicht auf seine Beschäftigten umlegen möchte, hat Alternativen.

Mieten

Das Mieten von Berufs- und Schutzkleidung ist keine neue Erfindung: Seit Jahrzehnten bieten Spezialisten "eine vertragliche, zeitlich beschränkte Gewährung des Gebrauchs einer Sache gegen Entgelt" an. Mietservice-Unternehmen stellen einem Betrieb also die Kleidung für eine gewisse Zeit zur Nutzung bereit und erhalten dafür ein Mietentgelt. Darin sind auch Reparaturen sowie der Austausch defekter Teile enthalten. So jedenfalls definiert es das Gabler Wirtschaftslexikon: "Der Vermieter muss den Gebrauch der Mietsache gewähren und sie in gebrauchsfähigem Zustand erhalten, zum Beispiel Reparaturen vornehmen, auch soweit sie durch vertragsmäßige Abnutzung erforderlich werden."

Hierzulande wird Berufs- und Schutzkleidung meistens über einen Zeitraum von drei Jahren vermietet. Dabei wird die Mietsache – also ein Bekleidungsteil – einem bestimmten Mitarbeiter zugeordnet. Jeder Beschäftigte erhält also "seine" Kleidung; sie wird durch Barcodes oder Chips gekennzeichnet und ist dadurch der entsprechenden Person eindeutig zuzuordnen. Zum weiteren Serviceumfang der Mietservice-Unternehmen gehören zudem eine Beratung bei der Zusammenstellung der Mitarbeiterkleidung, eine Anprobe und Größenanpassung (zum Beispiel Kürzung der Beinlänge) für jeden Beschäftigten, die Aufbringung des Firmenlogos (aus Wunsch) sowie die Anlieferung sauberer Kleidung in den Betrieb.

Die gebrauchte Wäsche wird bei dieser Tour mitgenommen, anschließend gewaschen, bei Bedarf repariert oder gegen funktionsfähige ausgetauscht. Auf diese Weise stellt der Vermieter die zugesicherte Nutzung der Mietsache sicher. Je nach Mietservice-Unternehmen kommen weitere Leistungen hinzu, die eine Kleiderversorgung bei Kurzarbeit, bei Neueinstellungen oder Weggängen von Beschäftigten regeln.

Leasing

Beim Leasing handelt es sich nach wirtschaftswissenschaftlicher Definition um eine besondere Vertragsform der Vermietung (oder Verpachtung) von Investitions- und Konsumgütern. Dabei übernimmt der Leasingnehmer das Leasingobjekt für einen befristeten Zeitraum und gegen Zahlung einer vereinbarten Rate. Auf Wunsch können Regelungen zur Wartung und Pflege getroffen und Verlängerungs- oder Kaufoptionen nach Ablauf der Grundmietzeit vereinbart werden (Mietkauf).

Inhaltlich unterscheiden sich das Mieten und das Leasing von Berufskleidung kaum. Drei wesentliche Aspekte sollten aber bedacht werden: Während die Pflege und Instandhaltung von Berufs- und Schutzkleidung automatischer Bestandteil eines Mietvertrags sind, müssen sie mit dem Leasinggeber zusätzlich vereinbart werden. Der Umgang mit personellen Veränderungen sollte auch in einem Leasingvertrag definiert werden, damit Zu- und Abgänge von Mitarbeitern die Mietdauer und die Kosten nicht in die Höhe treiben.

In einem Leasingvertrag ist das Vorgehen bei Vertragsende klar: Entweder übernimmt der Handwerksbetrieb die Kleidung gegen Restwertzahlung – oder er verlängert den Leasingvertrag. In der Praxis treffen auch die Vermieter von Berufs- und Schutzkleidung entsprechende Regelungen. Aber gerade bei der Vereinbarung von Restwertzahlungen ist Vorsicht geboten: Wird kurz vor Ablauf eines Mietvertrags die abgetragene Kleidung der Mitarbeiter gegen neuwertige ausgetauscht, steigt die "Ablösesumme".

Sharing

"Teilen statt besitzen" ist die kürzeste Beschreibung des vor einigen Jahren aufgekommenen Sharing-Trends. Die Wirtschaftswissenschaften beschreiben es als "das systematische Leihen und Verleihen oder zeitgleiche gemeinsame Nutzen von Gegenständen (…)" .

Eine Privatperson oder ein Unternehmer verleiht also beispielsweise Werkzeuge und Maschinen an ein anderes Unternehmen. Dieses nutzt die Gerätschaften und gibt sie anschließend wieder zurück. Eine Sache wird also von mehreren Personen genutzt, was das Sharing von Berufskleidung fast unmöglich macht: Kaum jemand möchte seine Montur mit anderen teilen. Im Gegenteil. Beschäftigten wollen "ihre" Jacke und Hose tragen. Im Mietservice wird dies durch eine eindeutige Kennzeichnung der Kleidung ermöglicht. Auch die dem Sharing innewohnende kurzzeitige Nutzung ist für Betriebe, die Berufskleidung als einen Imagefaktor betrachten, keine Option.

Auch wenn der Begriff Sharing in jüngerer Vergangenheit häufiger im Zusammenhang mit Arbeitskleidung auftaucht, verbirgt sich dahinter ein klassisches Mietsystem mit den damit verbundenen Services: Mitarbeiter erhalten ihre eigene, vermaßte und mit Logos versehene Ausstattung inklusive Holen, Waschen, Instandhaltung, Bringen, Qualitäts- und Sicherheitschecks – und zwar langfristig, nicht für ein paar Tage.

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