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Nutzfahrzeuge auf zwei Rädern Lastenräder als Alternative zum Kleintransporter

Enge Zufahrtsmöglichkeiten in Städten sind ein Ärgernis für viele Handwerker, die mit ihren Kleintransportern auf Baustellen müssen oder ihre Ware transportieren. Die Alternative sind Lastenräder, die sich auch für das Handwerk immer mehr zum Trend entwickeln.

Kuriere nutzen Lastenfahrräder seit Jahren und auch kleine Firmen und Handwerksbetriebe fahren ihre Waren mit den speziellen Fahrrädern in der Stadt umher. Vor allem für Handwerker, die auf Baustellen arbeiten, sind die Lasten-Bikes interessant. Die deutschen Großstädte folgen damit dem Vorbild von Metropolen, wie beispielsweise Amsterdam und Kopenhagen, in denen Lastenfahrräder schon fest zum Stadtbild gehören.

"Die Bereitschaft, das Auto stehen zu lassen oder abzuschaffen, hat zugenommen, vor allem in größeren Städten", sagt Leopold Brötzmann von der Beratungsfirma Velokonzept Saade in Berlin. "Dort fällt der Schritt leicht, auf das Lastenrad umzusteigen", sagt Brötzmann.

Mit den ausgebauten Zwei- oder Dreirädern können Handwerker Waren, Werkzeuge und andere Arbeitsutensilien leicht transportieren. Auch der Transport kleinerer Möbelstücke ist mit dem Lastenrad kein Problem. Für Distanzen um die fünf Kilometer seien Lastenräder immer interessant. Der Vorteil im Vergleich zum Auto liegt auf der Hand: Laufende Kosten für Steuern oder Sprit fallen bei Transporträdern nicht an. Und Abgase produzieren sie auch nicht.

Lastenräder je nach Zweck

Grob lassen sich drei unterschiedliche Typen von Lastenrädern unterscheiden, wobei es auch viele Sonderanfertigungen kleinerer Werkstätten gibt. Zum einen sind da normale zweirädrige Fahrräder etwa von Yuba oder Xtracycle, die speziell für den Lastentransport konstruiert oder umgebaut werden, wie der VCD erklärt. Diese Variante taugt eher für kleine Transporte und Radler, die ihr Lastenrad häufig wie ein ganz normales Fahrrad nutzen wollen.

Zum anderen gibt es lange zweirädrige Lastenräder mit tiefer Transportfläche, die sich dem VCD zufolge am historischen "Long John" orientieren, den ein dänischer Mechaniker bereits in den 1920er Jahren entworfen hat. Zum Beispiel haben Larry vs Harry mit dem Bullitt oder auch Bakfiets.nl solche Modelle im Programm. Ein dritter Grundtyp sind die dreirädrigen Lastenräder mit großer Transportbox vorne, die besonders viel Ladung aufnehmen können. Dazu zählt etwa das Christiania Bike aus Dänemark - ein Klassiker.

Für viele kann auch ein elektrischer Zusatzantrieb interessant sein: «Für Lastenräder ist eine Motorisierung einfach extrem praktisch», sagt Filippek, der selbst als Kurier mit einem Lastenrad unterwegs ist. Man komme zwar auch ohne elektrische Unterstützung voran. Doch vor allem beim Anfahren und bergauf sei ein Elektromotor mehr als angenehm. Doch die E-Variante ist teurer: Allein für einen guten Nachrüstsatz müsse man mit gut 1000 Euro rechnen, erklärt Leopold Brötzmann.

Allerdings sind Fahr- und Lenkverhalten bei Lastenrädern gerade am Anfang sehr gewlhnungsbedürftig. "Das Rad neigt sich in der Kurve nicht, man sitzt sehr starr, das ist erstmal gewöhnungsbedürftig und man muss mehr in die Kurve gehen", sagt Brötzmann. Unabhängig vom Modelltyp ist immer eine Probefahrt empfehlenswert.

Auf die Qualität achten

Vor dem Kauf sollten Interessenten sicher sein, was sie mit dem Lastenrad anstellen wollen - nur so können sie das passende Modell finden. Laut Filippek ist es ratsam, zu einem Modell mit hydraulischen Bremsen zu greifen, noch besser seien hochwertige Scheibenbremsen. Von den oft weniger bissigen Rollenbremsen rät der Experte eher ab, obwohl diese wartungsarm seien.

Arne Behrensen empfiehlt, unbedingt in ein Fachgeschäft zu gehen. "Wichtig ist ein kompetenter Service nach dem Kauf, wenn es um Wartung, Reparaturen oder Nachrüstung geht." Von supergünstigen Bausätzen für wenige Hundert Euro aus dem Internet warnt der VCD-Experte: "Es handelt sich meist um mindere Qualität, hinzu kommen Probleme beim Aufbau." Beides könne zu einem hohen Sicherheitsrisiko werden. Viele Fahrradhändler klagen, dass Kunden wegen des Zusammenbaus dieser Räder zu ihnen kommen und sie über die Qualität nur den Kopf schütteln können."

In letzter Zeit würden auf dem Fahrradmarkt immer mehr Lastenräder angeboten, die auf verschiedene Weise ausgestaltet und umgebaut werden können, hat Brötzmann beobachtet. Das Prinzip: ein Grundmodell und verschiedene Varianten. Für ein solides Lastenrad sollten wenigstens um die 1200 Euro eingeplant werden. Art und Qualität des Rads, Bremse und Gangschaltung, die benötigte Zusatzausrüstung und ein möglicher E-Antrieb entscheiden über den Preis. "Nach oben gibt es viel Luft", sagt Brötzmann. Und wer nur gelegentlich Bedarf an einem Transporter zum Strampeln hat, kann sich ein Lastenrad vielerorts einfach ausleihen. dhz/dpa

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