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Abgabe der Einkommensteuererklärung 2017 Steuererklärung 2017: Last-Minute-Tipps bis Ende Mai

Für alle, die zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung 2017 verpflichtet sind, wird es langsam ernst. Denn das Finanzamt erwartet eigentlich am 31. Mai 2018 die Abgabe der Steuererklärung. Welche Ausnahmen hierzu bestehen, welche neuen Steuersparurteile Sie kennen sollten und wer besser noch nicht bis 31. Mai abgeben sollte.

Muss ich überhaupt eine Steuererklärung beim Finanzamt einreichen?

Als erstes stellt sich für alle Steuerzahler die Frage, ob sie überhaupt dazu verpflichtet sind, eine Steuererklärung einzureichen. Als Faustformel können Sie Folgendes mitnehmen: Sind Sie Arbeitnehmer mit Steuerklasse I oder IV und haben keine Nebeneinkünfte (z.B. aus Vermietung), müssen Sie keine Steuererklärung beim Finanzamt einreichen.

Mehr dazu finden Sie in verschiedenen Broschüren des Bayerischen Landesamts für Steuern, die Sie hier einsehen oder abrufen können.

Ich bin nicht zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung verpflichtet – was tun?

Sind Sie nicht zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung verpflichtet, können Sie natürlich freiwillig aktiv werden, wenn Sie eine Steuererstattung erwarten. Dann ist für Sie aber nicht der Abgabetermin 31. Mai 2018 bindend, sondern Sie haben Zeit bis Ende 2021. Brauchen Sie die Steuererstattung aktuell nicht, lohnt es sich, so spät wie möglich abzugeben. Denn das Finanzamt verzinst Steuererstattungen für 2017 ab dem 1. April 2019 mit 0,5 Prozent pro Monat.

Beispiel: Sie erwarten für 2017 wegen hoher beruflicher Fortbildungskosten eine Steuererstattung in Höhe von 3.000 Euro. Geben Sie Ihre Steuererklärung noch im Jahr 2017 ab, gibt es zwar die 3.000 Euro Steuern zurück, Zinsen bekommen Sie dafür jedoch noch nicht. Zinsen auf die Steuererstattung zahlt das Finanzamt erst ab dem 1. April 2019. Geben Sie Ihre Steuererklärung erst Ende 2021 ab und bekommen Sie im Februar 2022 Ihren Steuerbescheid, bekommen Sie die 3.000 Euro erstattet und zusätzlich 510 Euro Erstattungszinsen. Angesichts der Niedrigzinsphase eine lohnende Steuerstrategie.

Ich bin zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung verpflichtet – was tun?

Sind Sie zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung 2017 verpflichtet, gibt es zum Abgabezeitpunkt folgende Überlegungen:

  • Sie geben Ihre Steuererklärung 2017 am 31. Mai 2018 beim Finanzamt ab.
  • Sie leben in einem Bundesland (z.B. Bayern), das bei authentifizierter elektronischer Übermittlung der Steuererklärung eine automatische Fristverlängerung bis Ende Juli 2018 gewährt.
  • Sie beantragen beim Finanzamt schriftlich eine Fristverlängerung zur Abgabe Ihrer Steuererklärung, weil Ihnen noch Unterlagen fehlen oder weil Sie wegen einer akuten Erkrankung nicht in der Lage sind, sich um Ihre Steuerangelegenheiten zu kümmern.
  • Erstellt die Steuererklärung 2017 ein Steuerberater oder ein Lohnsteuerhilfeverein, bekommen Sie normalerweise eine automatische Fristverlängerung bis Ende Dezember 2018. Damit diese Fristverlängerung greift, müssen Sie dem Finanzamt natürlich Bescheid geben, dass ein Steuerberater oder ein Lohnsteuerhilfeverein mit der Erstellung der Einkommensteuerklärung 2017 beauftragt wurde.

Muss ich eigentlich noch Belege beim Finanzamt einreichen?

Nein. Bei der Steuererklärung 2017 verzichtet das Finanzamt erstmals komplett auf Rechnungen, Spendenquittungen und andere Steuerbelege. Doch das bedeutet leider nicht, dass Ihre Steuerbelege sofort in den Papierkorb wandern dürfen. Sie müssen die Belege für den Fall, dass das Finanzamt diese sehen mag, vorhalten. Spendenquittungen müssen sogar ein ganzes Jahr nach Bekanntgabe des Steuerbescheids aufbewahrt werden.

Ich habe viele steuerliche Fragen, aber kein Geld für einen Steuerfachmann. Was tun?

Sie haben auch hier verschiedene Möglichkeiten, trotz Ihrer vielen Fragen zu einer schönen Steuererstattung zu kommen.

  • Nutzen Sie unser DHZ-Steuerarchiv. Hier finden Sie hunderte von interessanten Steuertipps und viele Antworten auf häufig gestellte Steuerfragen.
  • Nutzen Sie eine professionelle Steuersoftware. Hier werden Sie auch als Steuerlaie effektiv durch die einzelnen Angaben gelotst.
  • Nutzen Sie Portale der Finanzverwaltung. Dort werden viele steuerliche Fragen ehrlich und kompetent beantwortet (siehe hier).
  • Fragen Sie beim Service-Zentrum Ihres Finanzamts nach.

Gibt es interessante neue Steuersparurteile für die Steuererklärung 2017?

Viele interessante Entscheidungen von Finanzgerichten und des Bundesfinanzhof sowie Anweisungen des Bundesfinanzministeriums finden Sie nicht in den Steuergesetzen. Hier eine kleine Auswahl an Entscheidungen, mit denen Sie kräftig Steuern sparen können:

1. Steueranrechnung für Handwerkerarbeiten in der Werkstatt

Haben Sie 2017 Zahlungen für die Reparatur eines Gegenstandes aus Ihrem Privathaushalt an einen Handwerker geleistet, steht Ihnen eine Steueranrechnung von 20 Prozent der Arbeitsleistung, maximal 1.200 Euro pro Jahr zu. Voraussetzung ist allerdings, dass die Arbeiten "im" Haushalt erfolgt sind. Doch das Finanzgericht Berlin-Brandenburg erlaubt die Steueranrechnung selbst dann, wenn die Arbeiten in der Werkstatt des Handwerkers erfolgten (FG Berlin-Brandenburg, Urteil v. 27.7.2017, Az. 12 K 1 12040/17).

Das Finanzamt wird die Steueranrechnung jedoch weiterhin verweigern. Legen Sie dagegen Einspruch ein und verweisen Sie auf einen noch laufenden Musterprozess zu dieser Thematik beim Bundesfinanzhof (BFH, Az. VI R 4/18).

2. Geld-Zurück-Garantie bei Übernahme von Benzinkosten für Dienstwagen

Durften Sie 2017 einen Dienstwagen nutzen, mussten laut einer Vereinbarung im Arbeitsvertrag die Benzinkosten selbst tragen und Ihr Arbeitgeber hat trotzdem auf den vollen geldwerten Vorteil für die Dienstwagennutzung Lohnsteuer einbehalten, können Sie einen Teil dieser Steuer vom Finanzamt zurückfordern. Denn die Benzinzahlungen mindern den geldwerten Vorteil (BMF, Schreiben v. 4.4.2018, Az. IV C 5 - S 2334/18/10001, Randziffer 49).

Dazu müssen Sie dem Finanzamt mit Ihrer Steuererklärung die Berechnung Ihres Arbeitgebers zum geldwerten Vorteil vorlegen sowie die Höhe der selbst getragenen Benzinkosten mitteilen. Das Finanzamt mindert dann den zu versteuernden Arbeitslohn um diese Zuzahlungen. 

3. Steuern auf Lebensversicherung: Erlassantrag möglich

Haben Sie nach dem 31. Dezember 2004 eine Lebensversicherungspolice abgeschlossen und das Kapital im Jahr 2017 ausbezahlt bekommen, wird das Finanzamt Steuern darauf verlangen. Doch nach einem Urteil des Finanzgerichts Niederschachsens kann es sich tatsächlich lohnen, einen Erlassantrag nach § 277 Abgabenordnung (AO) für die Steuern auf das ausbezahlte Kapital der Lebensversicherung zu stellen. Der Steuererlass sollte damit begründet werden, dass die ausgezahlte Lebensversicherung als Grundlage für die Altersvorsorge bestimmt ist.

In einem Urteilsfall vor dem Finanzgericht Niedersachsen verfügte die Klägerin über eine Rente von 390 Euro. Zusätzlich bekam sie aus einer Lebensversicherung 100.000 Euro überwiesen, wobei 30.000 Euro Steuern einbehalten wurden. Würde sie diese 100.000 Euro in eine private Rentenversicherung einbezahlen, könnte sie eine zusätzliche Rente von 330 Euro erzielen. Die Richter sprachen sich für den Erlass der Steuern auf die Lebensversicherung aus (FG Niedersachsen, Urteil v. 13.6.2017, Az. 8 K 167/16).

Begründung der Richter: Ein Steuererlass ist zu bejahen, weil der Steuerzahlerin monatlich weniger als 1.133,80 Euro zum Leben verbleiben würden (= unpfändbarer Betrag nach den Pfändungsschutzvorschriften der Zivilprozessordnung)

4. Gewinne aus Xetra-Gold-Inhaberverschreibungen sind steuerfrei

Bei Xetra-Gold Inhaberschuldverschreibungen handelt es sich um börsenfähige Wertpapiere. Diese gewähren dem Inhaber das Recht auf Auslieferung eines Gramms Gold, das jederzeit unter Einhaltung der Lieferfrist von zehn Tagen gegenüber der Bank geltend gemacht werden kann. Daneben besteht die Möglichkeit, diese Wertpapiere an der Börse zu handeln.

In einem Urteilsfall vor dem Bundesfinanzhof ließ sich ein Sparer innerhalb eines Jahres nach dem Kauf dieser Papiere das Gold aushändigen. Das Finanzamt besteuerte die Gewinne aus diesem Geschäft im Rahmen eines Spekulationsgeschäfts nach § 22 Nr. 2 EStG in Verbindung mit § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG, weil Ankauf und Einlösung der Wertpapiere innerhalb eines Jahres stattfanden.

Der Bundesfinanzhof kippte die Besteuerung. Denn die Einlösung der Xetra-Gold Inhaberschuldverschreibungen und Auslieferung des Goldes stellt keine Veräußerung dar. Deshalb darf das Finanzamt auch keinen Spekulationsgewinn unterstellen und versteuern. Auch der Abgeltungsteuer für Einkünfte aus Kapitalvermögen erteilten die Richter des Bundesfinanzhofs eine Absage, weil die Schuldverschreibungen keine Kapitalforderungen verbriefen, sondern Ansprüche auf die Lieferung physischen Goldes (BFH, Urteil v. 6.2.2018, Az. IX R 33/17).

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