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Cutworks Laserladen im Internet

Webshops wie Cutworks ermöglichen es, lasergeschnittene Metallteile kostengünstig zu produzieren.

Der Einsatz von Lasertechnik ist im Handwerk längst keine Besonderheit mehr. Um die hocheffizienten, aber teuren Maschinen möglichst optimal auszulasten, suchen Unternehmen nach Aufträgen zur Lohnfertigung. Doch die Nachfrage nach großen Stückzahlen ist gering, mit Kleinserien oder gar Einzelteilen lässt sich dagegen kaum etwas verdienen. Tobias Kugelmann hat das Problem gelöst, indem er die gesamte Administration ins Internet verlagerte.

Unter der Adresse cutworks.de können nun Hobbybastler wie professionelle Anwender lasergeschnittene Metallteile ordern, selbst wenn sie nur ein Stück benötigen. „Früher haben wir bei solchen Aufträgen schon draufgezahlt, sobald wir ans Telefon gegangen sind“, scherzt Tobias Kugelmann, der als Technischer Leiter im Maschinenbaubetrieb seines Bruders Josef in Rettenbach im Ostallgäu arbeitet. Heute hilft Cutworks der Firma Kugelmann beim Senken der Kosten. Denn die Lasermaschine des Unternehmens hat noch genug Kapazität für die Onlineaufträge.

Tüftlerschmiede Kugelmann

Das Unternehmen Kugelmann Maschinenbau e.K. wurde 1957 von Siegfried Kugelmann gegründet, einem Tüftler, von dessen Ideen die beiden Söhne nach eigenem Bekunden heute noch profitieren. Schon damals wurden Schneepflüge für Landmaschinen gebaut. Allerdings hat sich die Produktpalette wie die Zahl der Mitarbeiter im Laufe der Jahre kontinuierlich erweitert. Inzwischen stellen die rund 60 Beschäftigten vor allem Technik für Kommunalfahrzeuge zum Kehren, Streuen oder Schneeschieben her.

Außerdem produziert Kugelmann Rasenkehrmaschinen zum Einsatz auf Golf- und Fußballplätzen sowie Tische und Einhausungen für Lasermaschinen. Das Know-how als Zulieferer eines Lasermaschinenbauers in Italien kommt Tobias Kugelmann bei Cutworks zugute.

Vor drei Jahren hatte der gelernte Elektroniker die Idee, einen Webshop für Laserteile aus Metallblechen zu entwickeln. Eine Idee, bei der es zwei Gewinner geben sollte – die Kunden, die von der Flexibilität und Schnelligkeit des Angebots profitieren, und das eigene Unternehmen, das seine Kapazität und sein Know-how besser ausnutzt. Zwei Programmierer haben ihm daraufhin eine Software erstellt, die die Zeichnungen der Kunden verarbeitet, Preise kalkuliert und die verschiedenen Teile perfekt auf das zu verarbeitende Blech verschachtelt. Die größte Herausforderung lag darin, die Bedienung der Software so einfach wie möglich zu gestalten. Deshalb hat Tobias Kugelmann sogar auf Software-Usability spezialisierte Psychologen zu Rate gezogen, um die Benutzerfreundlichkeit des Portals zu optimieren.

Um das Geschäft im Webshop klar vom Maschinenbau des Familienunternehmens zu trennen, hat Tobias Kugelmann die Cutworks GmbH gegründet. Schnelles Wachstum strebt er nicht an. Als die Plattform im April online ging, hatte der 37-Jährige lediglich in einer Modellbauzeitschrift für sein Angebot geworben. Die Bastler haben nicht so hohe Qualitätsansprüche wie professionelle Anwender, so sein Kalkül. Inzwischen hat cutworks.de seine Testphase mit Bravour überstanden. Anfang Februar verzeichnete der Webshop bereits 1.200 registrierte Nutzer, die rund 9.500 Teile konstruiert und teilweise auch bestellt haben.

Wer über cutworks.de ein gelasertes Metallteil bestellen möchte, muss eine CAD-Software besitzen, mit der er sein Teil selbst am Computer zeichnen kann. Links zu Freewareprogrammen finden sich ebenfalls unter cutworks.de. Die Zeichnung muss dann als dxf-Datei exportiert und in den Cutworks-Webshop geladen werden, wo sie noch einmal überprüft und verfeinert wird. Nach Auswahl des gewünschten Materials, dessen Stärke und Stückzahl erhält der Benutzer sofort ein nach Menge gestaffeltes Preisangebot, einen Mindestbestellwert gibt es nicht. Bei Aufträgen, die bis 9.30 Uhr eingehen, geht die Ware noch am selben Tag in den Versand.

Vier Millionen Euro investiert

Denn die Weiterverarbeitung bei der Firma Kugelmann läuft genauso einfach wie die Bestellung für die Cutworks-Kunden. Ein paar Mausklicks und schon gehen die Informationen direkt an die Lasermaschine. Die kann Alu- und Edelstahlbleche von 1,5 x 3 m und einer Stärke von bis zu 8 mm verarbeiten. Bei Stahl schneidet der Laser sogar bis zu einer Stärke von 20 mm. Auch folierte Bleche für gebürsteten Edelstahl oder Riffelbleche können bearbeitet werden.

Cutworks bezeichnet Tobias Kugelmann als sein Hobby, denn eigentlich ist er als technischer Leiter im heimischen Familienbetrieb voll eingespannt. Gerade Ende des Jahres läuft beim Maschinenbauer die Hochsaison. Den größten Teil der acht Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet das Unternehmen im dritten Quartal, wenn die Kommunen für den Winterdienst rüsten. Um der wachsenden Nachfrage gerecht zu werden, wurden im vergangenen Jahr vier Millionen Euro in eine neue Halle investiert, inklusive Lackierstraße und Schweißroboter.

Mit dem Start von Cutworks ist Tobias Kugelmann hochzufrieden. Aktuell laufen täglich fünf bis zehn Aufträge von Neukunden ein. Zum Telefonhörer muss er nur noch selten greifen. Die Zahl der Wiederbesteller bestärkt den Techniker in seinem Optimismus: "Bald werden wir wohl in eine zweite Lasermaschine investieren müssen.“

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