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Kurvenfresser aus Schwaben

Dieter Fuoss hat ein Gokart für die Straße entwickelt mit dem Segen des TÜVs

Mehr als fünf Jahre hat es gedauert, bis Dieter Fuoss seinen Traum vom selbst konzipierten und gebauten Auto wahrmachen konnte. Um so ein Projekt durchziehen zu können, braucht es ein gerüttelt Maß Benzin im Blut, zumal ihn sein TÜV-zertifiziertes Auto kaum zum Millionär machen wird. Denn Fuoss’ Entwicklung hat nicht mehr viel mit einem herkömmlichen Auto gemein. Eher mit einem Gokart.

Beachtliche sportliche Erfolge

Was mit dem Frisieren des eigenen Mofas und später dem Tuning seines BMWs begann, wuchs sich zu einer echten Leidenschaft aus. Fuoss ist begeisterter Motorsportler und war jahrelang als Gokart-Fahrer aktiv, mit beachtlichen Erfolgen. In seinem Betrieb im schwäbischen Balingen-Ostdorf, der eigentlich auf den Vertrieb und die Reparatur von Rasenmähern und Motorsägen spezialisiert ist, hat er sich eine kleine Werkstatt eingerichtet, in der er seinen Prototypen entwickelte. Dem Diplom-Ingenieur ging es dabei nicht um Endgeschwindigkeit oder eine hohe Beschleunigung, sondern um echtes Fahrgefühl. Das Handling des Fahrzeugs sei „sehr sportlich“, wie Fuoss betont, und man muss sich dabei wohl eher am Formel-1-Boliden orientieren als an Sportwagen herkömmlicher Automobilhersteller.

Langer Weg zur Serienreife

Als Fuoss vor fünf Jahren mit der Konzeption seines Autos begann, war klar, dass der Wagen einmal eine Straßenzulassung bekommen sollte. Doch ein Produkt von der ersten Idee bis zur Serientauglichkeit zu entwickeln, ist ein langer Weg. Daher holte er von Anfang an den TÜV mit ins Boot. „Die Experten vom Technischen Überwachungs-Verein haben uns dann einen Maßnahmenkatalog vorgelegt, was wir alles benötigen, um die Straßenzulassung zu bekommen“, erklärt Fuoss. Einen Rückwärtsgang zum Beispiel. Der Rest war tüfteln, schrauben und immer wieder testen. Für Exrennfahrer Dieter Fuoss kein Problem: „Ich kann mich dabei wunderbar entspannen.“ So entstand an vielen Wochenenden und nach Feierabend schließlich der Prototyp des „Fuoss 1“.

Angetrieben wird der Einsitzer von einem 43 PS starken Motorradmotor von Suzuki mit 400 ccm Hubraum und einem Drehmoment von 40 Nm. Völlig ausreichend, um das 300 kg leichte Gefährt auf eine Höchstgeschwindigkeit von 145 km/h zu beschleunigen. Berücksichtigt man dann noch die offen konstruierte und extrem tiefe Sitzposition des Fahrers sowie die äußerst direkte Lenkung, stellt sich schnell ein Rennsportfeeling ein.

Den Rest erledigt die weitere Ausstattung: 14-Zoll-Leichtmetallräder mit einer 195er-Bereifung, Scheibenbremsen rundum und ein sequenzielles Fünf-Gang-Getriebe machen jede Kurve zum Vergnügen.

Auf ein Dach verzichtete Fuoss bewusst. Daher ist das komplette Innenleben wasserfest konstruiert, die Karosserie aus glasfaserverstärktem Kunststoff ist ebenfalls korrosionsresistent und bietet dazu einen niedrigen Luftwiderstand. Extras gibt es so gut wie keine, lediglich bei der Lackierung der Karosserie kann auf die Kundenwünsche eingegangen werden.

Vorführwagen in Handarbeit

Als der Prototyp schließlich auch den letzten Kriterien wie Geräuschmessung und Festigkeit entsprach, ging es zum abschließenden Test zum TÜV-Service-Center nach Kassel. Dort wurde der „Fuoss 1“ noch einmal bei laufendem Betrieb getestet und schließlich für straßentauglich erklärt. Damit hörte die Arbeit für Dieter Fuoss natürlich nicht auf. Denn der Prototyp musste wieder in seine Einzelteile zerlegt und diese mussten genau dokumentiert werden, um anhand dieser Anleitung schließlich einen ersten Vorführwagen zu fertigen. Dieser ist dann der erste regulär, in Handarbeit gefertigte Wagen aus dem Hause Fuoss.

Zehn Fahrzeuge pro Jahr

Viel mehr werden auch nicht folgen. „Wir haben hier die Möglichkeit maximal zehn Fahrzeuge im Jahr zu fertigen“, erklärt Fuoss. Dieses exklusive Fahrvergnügen hat seinen Preis. Rund 29.000 Euro kostet der „Fuoss 1“, inzwischen wird er auch mit einer Leasingrate von monatlich 199 Euro angeboten. Wen das nicht stört, der erwirbt mit dem Flitzer aus Schwaben einen Kurvenfresser, bei dem Aufmerksamkeit garantiert ist. Alles, was man dann noch braucht, sind ein Motorradhelm und ein Führerschein Klasse B. Und natürlich Benzin im Blut.

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