Stuttgart -

Lernsoftware „MeisterPower“ Kunden zufrieden, Firma pleite

Arbeiten? Klar! Aber als was? Bei dieser Frage soll das Planspiel „MeisterPower“ Teenager an die Hand nehmen und bei der Beantwortung helfen. Um rauszufinden, ob das klappt, durften 40 Schüler der Ferdinand-Porsche-Schule in ­Weissach die neue Lernsoftware des Handwerks testen.

Dabei stellten einige auch fest: Chef sein ist gar nicht so leicht. In Anlehnung an den Bildungsplan des neuen Schulfaches Wirtschaft, Berufs- und Studienorientierung (WBS) schlüpften die Schüler virtuell in die Rolle eines selbständigen Handwerkers. Seine Aufgabe lautet: Neue Aufträge gewinnen, Ressourcen zuweisen, die Kundenzufriedenheit beachten sowie einen positiven Monatsabschluss erreichen. Gar nicht so einfach für einige der 13- bis 16-Jährigen: „Meine Kunden sind alle zufrieden mit mir, trotzdem bin ich bankrott“, ärgerte sich Freskim Adernaj (15) nach dem ersten Versuch. „Beim nächsten Mal werde ich die Lohnkosten besser im Auge behalten.“

Gerade am Anfang gingen die virtuellen Firmen oft pleite, das sei typisch bei „MeisterPower“, bestätigt Julia Weber. Die Bildungspolitik-Referentin beim Baden-Württembergischen Handwerkstag ist als Projektleiterin für „MeisterPower“ zuständig. „Das Spiel soll aber nicht demotivieren, sondern dazu animieren, aus Fehlern zu lernen bzw. bei einer Durststrecke am Ball zu bleiben. Bisher hat noch niemand frustriert die Maus in die Ecke gepfeffert“, lacht sie.

Und tatsächlich: Die Jungen und Mädchen bleiben konzentriert bei der Sache und werden im Verlauf der Schulstunde immer versierter im Prüfen der Angebote sowie Kosten kalkulieren und Mitarbeiter einstellen. Laurin Sprenger (13), schon im ersten Durchgang „Branchenstar“, stellt begeistert fest: „Das Spiel macht ja echt Spaß. Kann ich es auch daheim spielen?“

„MeisterPower“ setzt sich aus einer Lernsoftware, „Serious Game“ („ernstes Spiel“) genannt, sowie Begleitmaterialien zusammen und vermittelt Kompetenzen aus dem WBS-Bildungsplan so Valentin Riemer, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Psychologie und Pädagogik der Uni Ulm. Die Schüler erhalten realitätsnahe Einblicke in betriebliche Abläufe sowie verschiedene Handwerksberufe und können sich aktiv einbringen.

„Viele wirtschaftliche Begriffe sind für die Jugendlichen völlig unbekannt.“ Mit der Software bekommen sie spielerisch einen Zugang dazu. Viele verstehen danach die Zusammenhänge im Unternehmen besser. „Wenn noch das Interesse an Ökonomie geweckt wird, umso besser“, freut sich Riemer. „Nach der Auswertung der Fragebögen wissen wir, inwiefern wir die Lernziele erreicht haben und wo im Spiel nachgebessert werden kann“, ergänzt Julia Weber.

Schul-Planspiel kostenfrei erhältlich

„MeisterPower“ richtet sich an die Sekundarstufe I aller allgemeinbildenden Schulen. Der Fachbereich „Serious Games – Kompetenzförderung durch adaptive Systeme“ der Universität Ulm und der Fachbereich Wirtschaftsdidaktik der Pädagogischen Hochschule Weingarten haben die Entwicklung wissenschaftlich begleitet. Das Planspiel gibt es kostenlos bei der Handwerkskammer Region Stuttgart. Ansprechpartnerin: Lisa Schulz, Tel. 0711/1657-256, lisa.schulz@hwk-stuttgart.de.

Was die Schüler gelernt haben

  • „Dass ein Handwerksbetrieb schwierig zu führen ist, aber es Spaß macht.“
  • „Wie schwer es ist, als Chef in einer Firma das alles unter Kontrolle zu haben.
  • „Ich habe gelernt, dass es besser ist, nicht das Geld sofort auszugeben, da man dann eben sehr schnell bankrott ist. Die Arbeitsaufträge muss man pünktlich abschließen und nicht zu viel Geld verlangen.“
  • „… dass man alle Sachen im Auge behalten muss.“
  • „… dass man den Kopf anstrengen muss, um die Baustellen zu planen und alles zu bezahlen.“
  • „Ich habe gelernt, dass es viel Vorbereitung und Mühe kostet, um ein Bauwerk fertigzustellen. ­Schließlich braucht man Werkzeug, Bauarbeiter und Material.“
  • „Ich weiß jetzt, wie ich mich besser organisiere.“
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