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Kurzer Draht zum Gebäudeenergieberater Kunden gewinnen, statt Bußgelder zahlen

Energie ist ein kostbares Gut. Der Gesetzgeber gibt daher strenge Verbrauchsregeln vor. Für Bauhandwerker bringt das finanzielle Risiken im Haftungsfall. Aber davor können sie sich schützen.

Thomas Wüstefeld will kein Risiko eingehen. Wenn der SHK-Meister mit seinem Unternehmen SEH-Haustechnik in Altbauten Heizungen erneuert, zieht er sicherheitshalber einen Energieberater hinzu. Denn bei jedem dieser Aufträge schwingt ein Haftungsrisiko mit.

Grund dafür sind die Energieeinsparverordnung (EnEV) und das Energieeinsparungsgesetz, die von Bauherren bestimmte Maßnahmen wie einen hydraulischen Abgleich fordern. Diesen müssen die Handwerker erledigen, wenn sie im Bestand eine neue Fußbodenheizung verlegen – so wie SEH-Haustechnik im Raum Stuttgart mit seinen Into­Floor-Systemen.

EnEV missachten kann teuer werden

Schlampern Bauherren diesbezüglich, müssen sie mit empfindlichen Bußgeldern rechnen, wie der Gebäudeenergieberater Steffen Wehinger erklärt: „Mit bis zu 50.000 Euro kann die zuständige Baubehörde bei Fehlverhalten bestrafen.“ Damit diese Strafen nicht auf SEH-Haustechnik zurückfallen, zieht Firmenchef Thomas Wüstefeld den Energieberater aus Schorndorf hinzu. Wehinger ist gelernter Zimmerer und geprüfter Dekra-Bausachverständiger. Er berechnet für SEH den hydraulischen Abgleich und sorgt auf der Baustelle dafür, dass die Heizung richtig eingestellt wird. „Das spart den Bauherren bis zu 15 Prozent Energie und bewahrt uns vor Rechtsstreitigkeiten“, verdeutlicht Wüstefeld.

Die Rechtssicherheit sei nicht zu unterschätzen, meint Bernhard Beck vom baden-württembergischen Landesverband Holzbau. Regelmäßig lassen sich Dachdecker und Zimmerer von dem Juristen Tipps geben. Die Probleme ähneln denen im SHK-Bereich: Eine EnEV-konforme Dachsanierung bei einem Einfamilienhaus würde um die 50.000 Euro kosten. Ein 75-jähriger Bauherr will aber die günstigere Alternative. Einmal neu eindecken für 10.000 Euro.

Absichern mit Bedenkenanmeldung

Kommt es hier zur Klage, würde vermutlich jeder Richter dem Rentner glauben, der versichert, von den Gesetzen zur Energieeinsparung noch nie gehört zu haben. „Damit geht die Haftung auf den Handwerker über“, erklärt Energieberater Wehinger, der noch andere Fälle kennt: Der neue Eigentümer einer Wohnimmobilie verklagt den Fensterbauer, der zwei Jahre zuvor kein Lüftungskonzept erstellt hat. Denn das war dem vorigen Eigentümer zu teuer. Für die Schimmelschäden in Bad und Küche soll der Handwerker aufkommen. „Absichern können sich die Betriebe durch eine Bedenkenanmeldung“, sagt Jurist Beck. Mit dieser weisen sie Bauherren darauf hin, dass eine „unfertige Leistung“ vorliegt. Die Haftung bleibt dann beim Auftrag­geber.

Fördergeld von der KfW

Für Installateur Wüstefeld ist das allerdings keine Alternative. Trotz Vollauslastung des 40 Mitarbeiter großen Betriebs will er sich über EnEV-Beratungen von der Konkurrenz abheben. Zusammen mit Wehinger hat er im vorigen Jahr mehr als 70 Berechnungen erstellt und seine Kundschaft zu echten Energiesparern gemacht.

Diskutieren muss er ab und zu über das Honorar. „Doch wenn die Leute hören, dass sie über Energieberatungen Fördergelder der KfW beziehen können, überzeugt das die meisten“, so der Handwerksmeister. Energieberater Wehinger weist zudem darauf hin: „Wer KfW-Mittel beantragt, obwohl er weiß, dass die Modernisierung nicht förderfähig ist, muss mit einer Klage rechnen.“

Haben Bauherren mit dem Geld bereits Handwerkerrechnungen bezahlt, sei das Betrug und habe obendrein strafrechtliche Konsequenzen. Im schlechtesten Fall sei hier der ausführende Betrieb mit im Boot.

Bauvertragsrecht beachten

Hinzu kommt: Seit der Novellierung der EnEV im Jahr 2012 gehen Ämter restriktiver gegen Verstöße vor. Mitunter reicht ein Hinweis eines nicht zum Zug gekommenen Wettbewerbers und Verfahren werden eingeleitet, hat Wehinger beobachtet. Wie wichtig ein beschränktes Haftungsrisiko ist, darauf verweist auch der Bundesverband für Wohnungslüftung: Bewohnern sei häufiges Lüften nicht mehr zuzumuten. Die Rechtsprechung habe sich diesbezüglich verschärft. „Fensterbauer oder Zimmerer, die keine individuellen Lüftungskonzepte liefern können, droht damit schneller ein Rechtsstreit als noch vor Jahren“, erklärt Energieberater Wehinger.

Auch das neue Bauvertragsrecht, das seit reichlich einem Jahr gilt, räumt Bauherren mehr Rechte ein. Betriebe müssen seither Unterlagen übergeben, die belegen, dass öffentlich-rechtliche Vorschriften eingehalten werden. Dazu zählen auch EnEV-Nachweise, die Bauherren von einem Sachverständigen prüfen lassen können.

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