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Ausbildung im Kürschner-Handwerk Kürschner: Wissen weitergeben, damit das Handwerk nicht ausstirbt

Lena Donner erwartete viel von ihrer Ausbildung zur Kürschnerin und ist mit ihrem Ausbildungsbetrieb rundum glücklich. Trotzdem will sie nach ihrer Gesellenprüfung Modedesign studieren. Dem Handwerk bleibt sie dennoch treu.

Als reine Kürschnerin möchte Lena Donner später nicht arbeiten. Im Juli ist sie mit ihrer Ausbildung bei Pelz Glock in Augsburg fertig und will anschließend Modedesign in München studieren. Dass sie nach der Lehre nicht im Beruf weiterarbeitet, war mit ihrem Ausbildungsbetrieb abgesprochen. Ernst Franzmann weiß, dass Weiterbildung im Bereich Mode und Design heute im Kürschner-Handwerk dazugehört und kreative junge Menschen eine handwerkliche Ausbildung als Vorstufe beispielsweise zu einem Designstudium sehen.

"Wichtig ist doch, dass wir das Wissen weitergeben, damit das Handwerk nicht ausstirbt", sagt der Geschäftsführer von Pelz Glock. Junge Menschen möchten sich nach der Ausbildung – gerade in einem kreativen Beruf – weiterentwickeln. Das könne man schließlich nicht ändern und das werde von ihm auch unterstützt. Viele kämen nach dem Modestudium ja auch wieder ins Handwerk zurück.

Fell neu interpretieren

In der Berufsschulklasse von Lena Donner in Fürth sind sechs Kürschner-Azubis im zweiten Lehrjahr und immerhin die Hälfte wolle, so Lena Donner, als nächsten Schritt nicht den Weg zum Meister anpeilen. Sie selbst kann sich vorstellen, weiter mit Pelz zu arbeiten und das handwerkliche Wissen in andere Bereiche zu übertragen und die Verarbeitung von Fell so neu zu interpretieren.

"Ich will das Handwerk auch weitertragen, aber anders verarbeiten, beispielsweise in Verbindung mit Accessoires." Die Ausbildung helfe ihr daher auf jeden Fall auf ihrem späteren Berufsweg. Sie möchte sich gerne selbstständig machen und "eher in Richtung Maßschneider gehen". Denn zunächst hatte Lena Donner eine Ausbildung zur Maßschneiderin in Berlin angefangen. Obwohl ihr die Ausbildung Spaß machte, "hat das für mich leider nicht funktioniert, da mein Freund und meine Familie hier in Augsburg leben."

Zurück in ihrer Heimat suchte sie im Großraum Augsburg und München neun Monate lang nach einer neuen Ausbildungsstelle: Sie absolvierte ein Praktikum in einer Schneiderei, arbeitete zur Probe in einem anderen Betrieb und jobbte in einem Stoffladen. "Ich habe mich wirklich bemüht, aber nichts gefunden." So wie Ausbildungsbetriebe ihre Bewerber prüfen, prüfte auch sie, ob die Betriebe ihren Erwartungen entsprechen würden. "Ich brauche ja keine Ausbildung zu machen, wenn ich dabei nichts lerne."

Maßschneider für Pelz und Leder

Eine Bekannte gab ihr schließlich den entscheidenden Tipp. Warum nicht eine Ausbildung zur Kürschnerin machen? "Sie sagte, der Beruf sei quasi Maßschneider für Pelz und Leder", erinnert sich Lena Donner, die ihr vertraute. Schließlich hatte diese selbst bei Pelz Glock die Ausbildung zur Kürschnerin absolviert. "Dann habe ich es mir einfach angeschaut und fand es toll. Ich hatte das Gefühl, dass man mir etwas zeigen und beibringen will." So sieht das auch ihr Ausbilder, Ernst Franzmann: "Wir bemühen uns um unsere Auszubildenden und möchten ihnen unser Wissen und handwerkliches Können weitergeben. Wir nehmen aber nur Auszubildende, bei denen wir sehen, dass sie mit Spaß dabei sind."

Für Lena Donner war das entscheidend. Das Bauchgefühl stimmte. Verhalten bis skeptisch dagegen waren die Reaktionen im Familien- und Freundeskreis auf ihre neue Ausbildungsstelle. Viele konnten mit dem Beruf des Kürschners nichts anfangen – zu unbekannt, zu exotisch. "Wenn ich dann aber vom Betrieb erzählt habe, fanden es alle gut."

Respekt vor dem Material

Ihre Wahl hat Lena Donner nie bereut. "Mir gefällt es, mit diesem besonderen Material zu arbeiten. Es ist auch ein emotionaler Wert, Felle zu verarbeiten." Ihre eigene Einstellung zu Pelz habe sich durch ihre Ausbildung geändert. "Ich war nie richtig gegen Pelz, wusste aber nie, wie man positiv dazu stehen könnte." Heute wisse sie, dass es auch "grünen" Pelz gebe. Ihr Arbeitgeber Pelz Glock gehört zu den Gründern des Labels "WePreFur", das heimische Felle aus der Raubtierbestands-Regulierung und Schädlingsbekämpfung verarbeite und für einen verbindlichen Werte-Kodex zu Ökologie, Nachhaltigkeit und zur Würde des Tieres steht.

"Das Letzte, was ich wollen würde, ist, dass ein Tier leidet", sagt Lena Donner. Deshalb würden alte Pelzmäntel ja auch nicht weggeworfen. "Wir arbeiten viele Pelze um", sagt Ernst Franzmann. "Einen größeren Respekt kann man einem Produkt oder Material doch nicht erweisen", findet Lena Donner. Zusammen mit ihrem Chef hat sie die Zuchtnerzjacke ihrer Großmutter umgearbeitet.

Eine Wissenschaft für sich

Überhaupt näht Lena Donner auch in ihrer Freizeit viel; zuhause Stoff mit ihrer Nähmaschine, wenn sie Fell verarbeiten will, kann sie die Fellnähmaschine im Atelier von Pelz Glock nutzen. An ihrer Ausbildung gefällt ihr auch, dass sie viel über Tiere und deren Felle lernt. Am liebsten verarbeitet sie Persianer, doch "am schönsten finde ich Nerz und Edelfüchse". Ihre Kreativität kann sie in der Ausbildung ausleben. "Wenn ich eine Idee habe, werde ich bei der Umsetzung immer unterstützt", freut sich Lena Donner. Gerade, was den Schnitt angehe, könne sie von ihrem Chef viel lernen. "Das ist eine Wissenschaft für sich."

Ernst Franzmann half ihr auch bei der Idee, einen Pullover in einer Netztechnik anzufertigen, mit der sonst Pelzschals hergestellt werden. Die Technik, bei der Fellstreifen durch das Gitter eines engmaschigen Netzstoffes gezogen werden, hatte Lena Donner in der Berufsschule kennengelernt. "Ich fand das total cool und wollte in dieser Technik unbedingt einen Pullover machen. Es war aber sehr viel Arbeit, bis alle Streifen durchgezogen waren." Der Aufwand wurde belohnt: Der Pullover aus schwarz gefärbtem Kaninfell erhielt bei der Kürschner-Tagung 2019 in Münster eine Auszeichnung.

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