Unternehmensführung -

Mitarbeiter verabschieden Wie Chefs einem Mitarbeiter ordentlich kündigen

Einen verdienten Kollegen und Mitarbeiter würdig zu verabschieden, ist nicht leicht – erst recht, wenn er gegangen wurde. Was man dabei als Chef beachten sollte.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Kündigung: Tipps und Fallstricke

Noch läuft es rund im deutschen Handwerk: Viele Betriebe können sich vor Aufträgen kaum retten, die Ertragslage ist laut Angaben des Zentralverbands des deutschen Handwerks (ZDH) so gut wie selten zuvor. Im ersten Halbjahr 2019 lag das Umsatzplus im Vorjahresvergleich bei 4,7 Prozent. Doch die Konjunktur trübt sich ein: Das deutsche Bruttoinlandsprodukt hat nach einer aktuellen Berechnung von Forschern des Prognosezentrums am Institut für Weltwirtschaft in Kiel im dritten Quartal des laufenden Jahres stagniert, viele Branchen befinden sich bereits in der Rezession. Es dürfte nur noch eine Frage der Zeit sein, bis diese Entwicklung auch auf das Handwerk durchschlägt und den Boom jäh beendet. Dann könnten schnell Überkapazitäten entstehen – die in der Folge Entlassungen notwendig machen.

Mitarbeiter zu entlassen, ist für Unternehmer eine schwierige Aufgabe. Denn eine Kündigung hat nicht nur Auswirkungen auf das Verhältnis zwischen Chef und betroffenem Mitarbeiter. Die Nachricht, dass ein Mitglied das Team verlassen wird, bringt auch die anderen Mitarbeiter ins Grübeln. Hat er sich etwas zuschulden kommen lassen oder ist diese Kündigung nur der Vorbote weiterer Entlassungen, weil die Auftragslage schlechter wird? Wie ist es um die Zukunft des Unternehmens bestellt? Solche Fragen beherrschen dann schnell den Flurfunk. Chefs sind gut beraten, rechtzeitig gegenzusteuern, um ausufernden Gerüchten entgegen zu wirken. Dazu zählt auch eine angemessene, stilvolle Verabschiedung des ausscheidenden Mitarbeiters.

Die Mitarbeiter müssen informiert werden

Dazu gehört zuallererst, dass die Mitarbeiter von ihrem Vorgesetzten über die personelle Änderung und die Hintergründe informiert werden. Dabei sollte man zunächst dem Mitarbeiter die Gelegenheit geben, das Team informell über seinen bevorstehenden Abgang zu informieren, rät Business-Coach Verena Baldinger. D ie offizielle Bekanntgabe sollte dann unbedingt kurz darauf erfolgen, am besten im Rahmen eines kurzen Meetings. Ob der gekündigte Mitarbeiter dabei selbst anwesend ist, sollte ihm überlassen werden. Bei dem Meeting sollte man "niemals drumrumreden – und niemals den Mitarbeiter öffentlich demütigen", empfiehlt Baldinger. Dem Team sollte nach dem Meeting klar sein, ob der Mitarbeiter gekündigt wurde oder das Unternehmen auf eigenen Wunsch verlässt. Angebracht ist auch, dem scheidenden Mitarbeiter Wertschätzung für die geleistete Arbeit auszudrücken – selbst dann, wenn man sich nicht immer einig war. Denn das signalisiert dem Team, dass man um einen reibungslosen Abschied bemüht ist. In einem Unternehmen mit viel Schichtbetrieb oder Außendienstlern kann es zudem sinnvoll sein, die Belegschaft parallel auch per E-Mail zu informieren. So bekommt jeder die Informationen aus erster Hand.

Daneben gibt es auch einige organisatorische Fragen zu klären: Wann genau verlässt der gekündigte Mitarbeiter das Unternehmen? Wird die Stelle in absehbarer Zeit neu besetzt? Und wenn nicht: wie werden die Aufgaben im Team neu verteilt? Es ist die Aufgabe des Vorgesetzten, diese Fragen schnellstmöglich zu beantworten.

Art des Abschieds spiegelt Unternehmenskultur wider

Wenn dann der letzte Arbeitstag des gekündigten Kollegen ansteht, gilt es stilvoll Abschied zu nehmen. Die Art und Weise sollte mit dem Mitarbeiter abgestimmt werden, meistens ist ein kleiner Ausstand die beste Möglichkeit. Ein Abschied in Würde ist immer auch Teil der Unternehmenskultur, denn immer noch gilt die alte Regel: Man sieht sich immer zweimal im Leben. Und schließlich hat der gekündigte Mitarbeiter über einen gewissen Zeitraum mit den Kollegen eng zusammengearbeitet. Da sind freundliche Abschiedsworte auch seitens des Vorgesetzten durchaus angebracht – auch wenn er es war, der letztlich den Schlussstrich gezogen und die Kündigung ausgesprochen hat.

Ein weiterer Grund für einen Abschied ohne Groll: Man will dem ausscheidenden Mitarbeiter normalerweise keine Steine für die weitere Berufslaufbahn in den Weg legen. Und laut einer Studie der beiden Organisationsforscher Anthony Klotz von der Oregon State University und Mark Bolino von der University of Oklahoma zeigt die Art des Abschieds Auswirkungen auf den weiteren Verlauf einer Karriere. Die US-Forscher haben in ihren Untersuchungen sieben verschiedene Abschieds-Stile identifiziert – zwei positive, zwei neutrale und drei negative – und sie kommen dabei zu dem Ergebnis, dass ein positiver Abschied wichtig ist. Das fängt schon mit der Kündigung an sich an, die mit Ankündigung und nicht völlig aus dem Nichts erfolgen sollte. Und dann sollte natürlich alles korrekt ablaufen und gegenüber dem Kollegen auch eine gewisse Dankbarkeit signalisiert werden. Mit einer kurzen Abschiedsrede vor versammelter Mannschaft kann der Chef Wertschätzung gegenüber dem scheidenden Mitarbeiter zum Ausdruck bringen. Auf keinen Fall sollte man an diesem Tag alte Verfehlungen wieder aufwärmen – sondern auf die positiven Aspekte der Zusammenarbeit zurückblicken.

Ordentliche Kündigung: Diese Regeln sollte man kennen

Wer einem Arbeitnehmer ordentlich kündigen will, muss wichtige Gründe vorbringen: Diese können in der Person des Arbeitnehmers liegen oder in seinem Verhalten – oder es gibt betriebliche Gründe wie etwa eine schlechtere Auftragslage und ein damit einhergehender geringerer Personalbedarf. Bei einer ordentlichen Kündigung ist das Arbeitsverhältnis nicht sofort beendet, sondern erst nach Ablauf der vertraglich vereinbarten Kündigungsfrist. Diese Kündigungsfrist hängt auch davon ab, wie lange der Arbeitnehmer beschäftigt war.

Bevor der Arbeitgeber eine ordentliche Kündigung aussprechen kann, muss er prüfen, ob es nicht Wege gibt, das Arbeitsverhältnis fortzusetzen – beispielsweise eine Versetzung. Außerdem kann es Gründe geben, weshalb einem Mitarbeiter nicht gekündigt werden darf – etwa eine Schwangerschaft oder die Mitgliedschaft im Betriebsrat. Wenn ein Betriebsrat existiert, muss dieser vor einer ordentlichen Kündigung des Mitarbeiters informiert und angehört werden. Wer dies versäumt, riskiert, dass die Kündigung rechtlich unwirksam ist.

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