Versicherung: Was Sie wirklich brauchen -

Lohnfortzahlungsversicherung Kranke Mitarbeiter: So sichern Sie den finanziellen Ausfall ab

Wenn Mitarbeiter über einen längeren Zeitaum krank sind, kommen kleine Betriebe häufig in Schwierigkeiten. Um finanzielle Engpässe zu vermeiden, gibt es die Lohnfortzahlungsversicherung. Doch die Beiträge bei den Krankenkassen variieren.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Versicherung: Was Sie wirklich brauchen

Seit 2006 ist sie für jeden Betrieb mit maximal 30 Mitarbeitern Pflicht: Die Lohnfortzahlungsversicherung. "Eine Einrichtung, die sich bewährt hat", meint Franz-Josef Herter, Abteilungsleiter für Recht und Sozialrecht bei der Handwerkskammer Wiesbaden. Denn kleinen Betrieben tue es finanziell weh, wenn ein Angestellter über einen längeren Zeitraum ausfällt – ob wegen Krankheit oder Mutterschutz.

Erfüllen Betriebe die Voraussetzungen, werden sie automatisch in die Versicherung aufgenommen, wenn sie Mitarbeiter einstellen – die Beiträge werden direkt einbehalten und mit denen für die Sozialversicherung abgeführt. Die Höhe der Beiträge legt dabei jede Krankenversicherung selbst fest.

Unterschiedliche Tarife bei Krankenversicherungen

Ist ein Mitarbeiter über einen längeren Zeitraum krank, hat er bis zu sechs Wochen Anspruch auf sein vollständiges Gehalt. Versicherte Unternehmen bekommen in einem solchen Fall mindestens 80 Prozent des gezahlten Gehaltes und der Abgaben zur Sozialversicherung zurückerstattet (U1-Verfahren). Je höher die Tarife der Krankenversicherung sind, desto höher ist in der Regel auch die Rückerstattung. Betriebsinhaber müssen die Ausgleichszahlung bei der Krankenkasse des Arbeitnehmers beantragen. Bei geringfügig Beschäftigten ist Deutsche Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See zuständig, unabhängig davon, bei wem der Arbeitnehmer versichert ist.

"Meistens funktioniert das recht unkompliziert", sagt Herter. Probleme gebe es teils, wenn es darum geht, ob es sich um eine neue Krankheit handelt oder nicht –ob also nach sechs Wochen die Krankenkasse für das Gehalt aufkommen muss oder weiterhin der Arbeitgeber. "Wenn der Arzt in die Krankschreibung eine neue Krankheit einträgt, hat der Arbeitgeber im Normalfall keine Chance. Das muss er schlucken", erläutert der Betriebsberater. Der Ärger sei zwar groß, aber dagegen vorzugehen, lohne sich meist nicht.

Teilzeitbeschäftigte zählen anteilig

Voraussetzung für die Lohnfortzahlungsversicherung ist, dass ein Betrieb in den vorangegangenen acht Monaten die Grenze von 30 Beschäftigten nicht überschritten hat. Am Anfang des Kalenderjahres muss der Arbeitgeber jeweils eine Schätzung abgeben. Steigt die Mitarbeiterzahl im Laufe des Jahres, hat das zunächst keine Auswirkungen auf die Versicherung.

Auszubildende und Schwerbehinderte zählen dabei nicht zur Beschäftigtenzahl. Teilzeitbeschäftigte werden entsprechend ihrer wöchentlichen Arbeitszeit anteilig berücksichtigt:

Beträgt die wöchentliche Arbeitszeit

  • mehr als 30 Stunden, wird der Mitarbeiter vollständig gezählt,
  • mehr als 20 Stunden, zählt der Mitarbeiter 0,75,
  • mehr als zehn Stunden, zählt der Mitarbeiter nur halb,
  • bis zu zehn Stunden: Bewertung mit 0,25.

 Aushilfen, die weniger als vier Wochen beschäftigt sind, haben keinen Anspruch auf Lohnfortzahlung und zählen daher auch nicht zu den Beschäftigten.

Hilfe vom Steuerberater

Anders verhält es sich beim Mutterschaftsgeld (U2-Verfahren). Hier werden jedem Betrieb, gleich welcher Größe, die vollen Leistungszuschüsse zum Mutterschaftsgeld und das weitergezahlte Bruttoarbeitsentgelt erstattet,  falls die Mutter vom Arzt ein Beschäftigungsverbot erteilt bekommt. Zudem übernimmt die Versicherung die auf den Mutterschutzlohn entfallenden Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung.

Auch wenn es bei den Anträgen meist keine Probleme gibt: "Mein Rat ist", sagt Herter, "neue Arbeitgeber sollten sich– gerade wenn sie im Bereich EDV nicht fit sind – anfangs bei der Lohnabrechnung von einem Steuerberater helfen lassen". Denn das sei teils eine sehr komplizierte Sache. sch

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