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Überall bargeldlos bezahlen Kontaktloses Bezahlen boomt: Bitkom fordert gesetzliche Pflicht

Nicht nur das bargeldlose, sondern auch das kontaktlose Bezahlen liegt zunehmend im Trend. Händler sollen deshalb schon bald mindestens eine Bezahloption ohne Bargeld verpflichtend anbieten müssen, fordert der Bitkom. Der Bäckerverband distanziert sich von der Forderung, unterstützt interessierte Betriebe jedoch mit einer Broschüre.

Die Corona-Krise hat dem kontaktlosen Bezahlen einen kräftigen Schub gegeben. Wer mit der Girocard an der Ladenkasse zahlt, erledigt dies inzwischen in jedem zweiten Fall quasi im Vorbeigehen. Im ersten Halbjahr 2020 wurden nach Angaben von Euro Kartensysteme rund 46 Prozent der 2,59 Milliarden Girocard-Transaktionen auf diesem Wege getätigt. Aktuell liege der Anteil der Kontaktloszahlungen bei 50 Prozent, teilte die Frankfurter Einrichtung mit. Ende des ersten Halbjahres 2019 waren es demnach noch rund 25 Prozent.

"Kontaktlos" bedeutet, dass der Kunde seine Kreditkarte oder Girocard nicht in ein Gerät einschieben muss. Die Daten werden verschlüsselt mit dem Terminal an der Kasse ausgetauscht, wenn die Karte vor das Lesegerät gehalten wird. Bei geringen Beträgen ist nicht einmal die Eingabe der Geheimnummer (PIN) nötig.

Auch viele kleinere Läden wie Bäckereien oder Fleischereien bieten diese Bezahlmöglichkeit inzwischen an, immer häufiger werden geringere Beträge kontaktlos bezahlt. In Zeiten des grassierenden Coronavirus gilt diese Bezahlmethode als besonders hygienisch.

Bitkom: Bargeldlos Zahlen verpflichtend anbieten

Da nicht nur kontaktloses Bezahlen, sondern generell bargeldloses Zahlen zunehmend an Bedeutung gewinnt, fordert der Digitalverband Bitkom die Bundesregierung jetzt zum Handeln auf. Geht es nach den Vorstellungen des Verbands müsse das bislang freiwillige Angebot der Händler in eine Pflicht umgewandelt werden. Mindestens eine europaweit nutzbare, digitale Bezahloption solle an jedem Point-of-Sale "regulatorisch vorgeschrieben" werden, so die Forderung. Hinweise wie "Keine Kartenzahlung" oder "Cash only" in Bäckereien, Eisdielen oder Friseursalons sollen demnach bald der Vergangenheit angehören.

Schon vor der Corona-Pandemie ärgerten sich – einer Bitkom-Studie zufolge – zwei von drei Deutschen, wenn sie beim Einkauf zur Bargeld-Zahlung gezwungen werden. Eine repräsentative Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach kam 2019 zu dem Ergebnis, dass jeder Fünfte auch Beträge unter 25 Euro am liebsten mit Girocard bezahlen würde. Bei den 16- bis 19-Jährigen war es sogar jeder Dritte.  

"Verbraucherinnen und Verbraucher möchten die Freiheit haben, jederzeit selbst zu entscheiden, wie sie bezahlen möchten", schreibt der Bitkom. Das schließe das digitale Bezahlen und auch das Bezahlen mit Bargeld ein. Es sei die Aufgabe der Bundesregierung, diese Wahlfreiheit zu ermöglichen. 

Um die Händler und Gastronomen bei der Bereitstellung von neuen Bezahlmöglichkeiten für ihre Kunden zu unterstützen, fordert der Verband finanzielle Hilfen bei der Erstanschaffung von Terminals für das elektronische Bezahlen.

Bäckerverband unterstützt mit Broschüre

Dass kontakt- und bargeldloses Bezahlen im Kommen ist, kann auch das traditionell bargeldintensive Bäckerhandwerk bestätigen. In den vergangenen Monaten hätten die Betriebe vermehrt von einer gesteigerten Nachfrage berichtet, so der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks (ZV). Zusammen mit der Initiative Deutsche Zahlungssysteme hat der Verband deshalb eine Broschüre zum kontaktlosen und bargeldlosen Zahlen aufgelegt. "Die Broschüre zeigt anschaulich und einfach auf, wie Bäckereien und ihre Kunden bestmöglich von dieser neuen Technologie profitieren können", so der ZV.

Trotz Trend zum bargeldloses und kontaktloses Zahlen warnt der Verband jedoch vor einer Beschränkung der Bargeldzahlungen. Der überwiegende Teil der Kunden von Bäckereien zahle nach wie vor mit Bargeld. "Bargeld ist aus vielen Gründen bewahrenswert", betont der ZV.

Wie funktioniert kontaktloses Bezahlen?

Damit Handwerksbetriebe ihren Kunden kontaktloses Bezahlen anbieten können, benötigen sie eine Kasse mit einem NFC-fähigen Lesegerät. NFC steht für Near Field Communication (Nahfeldkommunikation) und ist ein internationaler Übertragungsstandard von Daten mittels elektromagnetischer Induktion. Auch der Kunde muss über eine NFC-fähige Bezahlkarte oder ein entsprechend ausgestattetes Smartphone oder eine Smartwatch verfügen. Der Kunde hält die Karte mit geringem Abstand über das Lesegerät, um die Zahlung auszuführen. Im Zuge der Corona-Krise wurde das ­Limit für kontaktloses Bezahlen im deutschen Handel von 25 auf 50 Euro je Einkauf erhöht. Laut Zahlen der Deutschen Kreditwirtschaft sind gut 75 Millionen von insgesamt über 100 Millionen Girokarten in Deutschland für das kontaktlose Bezahlen freigeschaltet. Daneben sind NFC-fähige ­Kreditkarten und Smartphone-Bezahldienste wie Apple Pay und Google Pay weit verbreitet. sg

Mit Inhalten von dpa
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