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Mit guter Ausbildungsqualität Azubis finden Konkurrenzkampf um Nachwuchs

Immer mehr Kleinstbetriebe geben im Konkurrenzkampf um Nachwuchskräfte auf. Allein das Handwerk konnte im vergangenen Jahr 20.000 Ausbildungsstellen nicht mehr besetzen. Zwei Unternehmer zeigen, wie sie trotzdem noch junge Leute finden.

Eine Meisterin und eine Gesellin – größer muss ein Betrieb nicht sein, um Auszubildende zu einem Spitzenabschluss zu führen. Das beweist Schneidermeisterin Christiane Broghammer seit Jahren: "Von unseren bisher 19 ausgebildeten jungen Leuten wurden drei Kammersiegerinnen, zwei Landessiegerinnen und eine Bundessiegerin", sagt die Freiburger Unternehmerin stolz.

Das Modeatelier Broghammer gehört zur stetig kleiner werdenden Gruppe der ausbildenden Kleinstbetriebe. In den vergangenen zehn Jahren sank die Zahl der Bewerber um Ausbildungsplätze um 100.000. Im Jahr 2013 entschieden sich erstmals mehr junge Menschen für ein Studium als für eine Ausbildung. Über 37.000 Ausbildungsstellen blieben in der deutschen Wirtschaft im Ausbildungsjahr 2013/2014 unbesetzt, zehn Prozent mehr als im Vorjahr.

"Man muss sich Zeit für die jungen Leute nehmen."

Vor allem Unternehmen mit weniger als zehn Mitarbeitern sind von dieser Entwicklung betroffen, zeigt der Berufsbildungsbericht 2015. Immer mehr ziehen sich resigniert aus der Ausbildung zurück, denn im Konkurrenzkampf um die Jugend haben sie es besonders schwer. Zwischen 1999 und 2011 ist die Zahl der Auszubildenden in Kleinstbetrieben um 19 Prozent gesunken, hat das Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn ausgerechnet.

Für Bäckermeister Matthias Klausmann kommt ein Rückzug aus der Ausbildung nicht infrage, auch wenn der „Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk“ und der „Bäcker“ zu den zehn Ausbildungsberufen zählen, die am schwersten zu besetzen sind. " Ich setze auf eine gute Qualität der Ausbildung. Man muss sich Zeit für die jungen Leute nehmen. Sie sollen bei mir das Handwerk von der Pike auf lernen", betont der Chef der Bäckerei Herr im badischen Waldkirch, der mit dieser Einstellung nach wie vor Azubis findet.

Gute Ausbildung auch vermarkten

Wenn heute von den Jugendlichen, die sich überhaupt noch für eine Ausbildung entscheiden, immer weniger ins Handwerk gehen, so liegt das am Image des Wirtschaftszweigs. Viele Jugendliche vermuten hier mäßige Bezahlung, schlechtere Arbeitsbedingungen und geringere Aussichten auf Übernahme, stellt das IfM in seiner Untersuchung fest. Im Umkehrschluss heißt das: Wer eine gute Ausbildung bietet, kann am ehesten Nachwuchs anwerben.

Doch es hapert am Marketing: "Viele unserer Betriebe machen ja schon einen tollen Job, aber sie kommunizieren das zu wenig", bedauert Heike Schierbaum, die in der Handwerkskammer in Freiburg zuständig ist für eine Offensive der Ausbildungsqualität. Mit praktischen Hilfen wie einem Diagnosebogen zur Ausbildungsqualität und Seminaren speziell zur Verbesserung von Praktika unterstützt sie ihre Mitgliedsbetriebe.

Gute Praktika – und nicht Bewerbungsschreiben oder Schulnoten – sind auch für Matthias Klausmann der Schlüssel für die Auswahl seiner künftigen Azubis: "Die Frage ist doch: Sagt dem Interessenten der Beruf überhaupt zu? Wenn das passt, blühen viele im dualen System richtig auf. Bis jetzt haben wir alle hinbekommen."

Wege zu mehr Bewerbern

Zurückgehende Bewerberzahlen und der Fachkräftemangel zwingen Betriebe, ihre Mitarbeitersuche zu verändern. Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) empfiehlt, Interessierte gezielter anzusprechen und sich neue Bewerbergruppen zu erschließen. Die Wissenschaftler raten, sich für Menschen zu öffnen, die bisher geringere Chancen auf dem Ausbildungsstellenmarkt hatten, denn diese Gruppe ist groß: 2011 – das sind die aktuellsten Zahlen – hatten 470.000 junge Erwachsene im Alter zwischen 20 und 34 Jahren keinen Schulabschluss.

Bisher nutzen gerade Kleinstbetriebe auch zu wenige Kanäle, um ihre Ausbildungsstellen zu bewerben. Das Institut für Mittelstandsforschung Bonn hat herausgefunden, dass Unternehmen zwar Praktika anbieten und ihre Stellen der örtlichen Arbeitsagentur melden, sich aber sonst auf Mund-zu Mund-Propaganda verlassen. Größere Betriebe schöpfen via Internet und Stellenanzeigen in Zeitungen Bewerber ab.

Das Internet-Portal foraus.de des BIBB bietet speziell für Kleinstunternehmen Materialien zur Planung und Umsetzung der Berufsausbildung. Die kostenlosen Module zeigen, wie Betriebe laufende Arbeitsprozesse und den unmittelbaren Kundenkontakt als Vorteil in der Ausbildung nutzen können.

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