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Bundesanstalt für Arbeit Konjunktur bremst Anstieg der Winterarbeitslosigkeit

Der relativ milde Winter und die weiter robuste Konjunktur haben die Arbeitslosigkeit in Deutschland schwächer als jahreszeitlich üblich ansteigen lassen. Außerdem gibt es über 900.000 freie Stellen – 38.000 davon im Handwerk.

Wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) mitteilt, stieg die Zahl der Arbeitslosen im Januar um 253.000 auf 3,659 Millionen. Die Quote kletterte um 0,6 Punkte auf 8,7 Prozent. BA-Chef Frank-Jürgen Weise erklärte, die Arbeitslosigkeit sei damit im Januar schwächer als im Durchschnitt der beiden Vorjahre mit plus 341.000 ausgefallen.

"Die positive Entwicklung am Arbeitsmarkt setzt sich fort. Das Beschäftigungswachstum hält an, und die Nachfrage nach Arbeitskräften bleibt auf hohem Niveau", sagte Weise. Ursachen für den relativ moderaten Zuwachs seien zum einen die milde Witterung, zum anderen habe sich das im vergangenen Winter eingeführte Saisonkurzarbeitergeld für Bauberufe günstig ausgewirkt.

40,2 Millionen Erwerbstätige

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts sank die Erwerbstätigkeit von November auf Dezember um 166.000 auf 40,2 Millionen Menschen, im Vergleich zum Vorjahr nahm sie jedoch um 586.000 zu. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung lag im November nach der Hochrechnung der Bundesagentur für Arbeit bei 27,46 Millionen, das ist ein Zuwachs im Vergleich zum November 2006 von 545.000. Knapp die Hälfte des Zuwachses sind sozialversicherungspflichtige Vollzeitstellen.

Für 2008 prognostiziert die Bundesagentur weiter eine durchschnittliche Arbeitslosigkeit von 3,5 Millionen Menschen nach 3,8 Millionen im Jahr 2007. "Bei aller Kenntnis der internationalen Finanzkrise, des hohen Ölpreises und der Dollarkrise halten wir diese Prognose aufrecht", erklärte der BA-Vorstandsvorsitzende.

Der Anstieg der Arbeitslosigkeit betraf im Januar vor allem Bezieher von Arbeitslosengeld I. Deren Zahl wuchs um rund 200.000, wie BA-Vorstandsmitglied Raimund Becker erläuterte. Etwa ein Fünftel der im Januar arbeitslos gewordenen Menschen sind Bezieher von Grundsicherung (sogenannte "Hartz IV"-Empfänger).

Der Anstieg fiel außerdem in den neuen Bundesländern verhältnismäßig stärker aus als im Westen Deutschlands. In den fünf östlichen Bundesländern verzeichnete die Behörde ein Plus von 101.000 auf 1,276 Millionen Arbeitslosen, in den alten Ländern betrug der Anstieg 152.000 auf 2,383 Millionen Menschen ohne Job. Weise begründete dies mit der relativ höheren Zahl an Jobs in Außenberufen in den neuen Ländern.

Der Stellenindex der Bundesagentur legte im Januar abgeschwächt um drei Punkte auf ein neues Rekordniveau von 246 Punkten zu. Im Januar standen der Nürnberger Behörde 933.000 Stellen zur Vermittlung zur Verfügung – 131.000 Stellen mehr als im Vorjahr.

Gesucht waren vor allem Mitarbeiter in kaufmännischen Berufen wie 22.000 Verkäufer und Warenkaufleute, 18.000 Werbe- und Dienstleistungskaufleute sowie 18.000 Bürofachkräfte. Das Handwerk hat 21.000 Stellen für Elektriker und 17 000 für Schlosser zu vergeben. Außerdem werden 14 .000 Kraftfahrer und ebenso viele Mitarbeiter im Lager- und Transportbereich gesucht.

Scholz: Robuster Aufwärtstrend

Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) sprach von einem "robusten Aufwärtstrend" am Arbeitsmarkt. Trotz Bankenkrise und Nokia-Schließung könne man weiter zuversichtlich sein. Insgesamt bestätigten die Zahlen die Erwartung der Bundesregierung, dass Deutschland auf Wachstumskurs sei. Auch 2008 werde die Arbeitslosigkeit weiter sinken. "Hierauf deutet auch die ungebrochene Nachfrage der Wirtschaft nach Arbeitskräften hin", sagte der Arbeitsminister.

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) schloss sich dem an. "Der Arbeitsmarkt profitiert einerseits vom Aufschwung und stützt andererseits selbst die Wirtschaftsentwicklung", sagte Glos. Die Arbeitsmarktreformen hätten zur günstigen Entwicklung beigetragen.

Herbert Mackert/ddp

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