Branche -

Lebensmittelhandwerk Konditoren und Bäcker: Öffnung von Cafés nur ein schwaches Licht

Die Außengastronomie darf bald wieder öffnen. Doch viele Bäcker und Konditoren werden weiter mit Umsatzeinbußen zu kämpfen haben. Denn sie leiden nicht nur unter den geschlossenen Cafés.

Mittagessen im Straßencafé und Kuchen beim Konditor um die Ecke sollen bald wieder möglich sein. Zumindest wurde von Bund und Ländern in Aussicht gestellt, dass Gastronomen ab dem 22. März ihre Außenbereiche wieder öffnen dürfen. Doch für die Konditoren und Bäcker, die über Wochen ihre Cafés geschlossen hatten, bleiben noch viele Fragen offen. Teststrategien für Mitarbeite rund Kunden müssen noch beschlossen werden und ob sich die Öffnung der reinen Außengastronomie für sie rechnet, ist auch nicht sicher.

"Die Betriebe des Bäckerhandwerks haben eine ernsthafte Öffnungsperspektive von der MPK erwartet. Was nun beschlossen wurde, ist nach unserer Meinung, nicht befriedigen", sagt Daniel Schneider Hauptgeschäftsführe des Verbands des Bäckerhandwerks. Den Betrieben mit Cafégeschäft gehe es nach fast 130 Tagen Lockdown nicht gut.

Insgesamt sei die Aussicht auf Öffnungen zwar ein gutes Signal, erklärt Gerhard Schenk, Präsident des Deutschen Konditorenbunds, doch nach den Plänen dürften längst nicht alle Cafés öffnen. Schenk verweist auf einige Landkreise in Bayern und Sachsen, in denen an eine 7-Tage-Inzidenz von unter hundert in den kommenden Wochen kaum zu denken ist.

Für die Betreiber, die offiziell öffnen dürfen, bleiben aktuell trotzdem noch viele Fragen offen: Wer zahlt für die Tests? Wer haftet, wenn Gäste fehlerhafte Tests vorweisen? Was passiert, wenn Mitarbeiter sich nicht testen lassen wollen? Wie sehen die offiziellen Formulare aus oder wird eine App für die Kunden empfohlen? Die Politik ist hier noch Antworten schuldig.

Bäcker sprechen sich für Luca-App aus

Auf letzteres haben die Bäcker bereits eine eigene Antwort gefunden. Der Bäckerverband spricht sich in einer Pressemitteilung nun offiziell für die Nutzung der Luca-App aus. Sie ist eine von mehreren Apps zur Kontaktnachverfolgung, die aktuell diskutiert werden. "Wir fordern die Politik in Bund und Ländern auf, diese App als einheitliche Lösung voranzutreiben", so Schneider. "Bereits seit Monaten plädieren wir für moderne Ansätze zur Pandemiebekämpfung und Entlastung der Betriebe. Die App ist einfach zu bedienen und bietet eine datenschutzrechtlich sichere Lösung. Die Luca-App funktioniert allerdings nur, wenn möglichst alle mitmachen." Smudo, Mitglied der Fantastischen Vier, zeigt sich erfreut über diesen Vorstoß: "Die App könnte der Sandsack sein, mit dem wir gemeinsam einen Damm bauen und die Pandemie eindämmen."

>>> Lesetipp: Lebensmitteltrends: So profitiert das Handwerk davon

Nur Cafés mit guter Lage profitieren

Schenk geht davon aus, dass viele Konditoren von der Öffnung der Außengastronomie profitieren werden, jedoch komme es auf die bauliche Situation und den Standort an. Nicht immer ist eine Bestuhlung möglich, wenn die Läden zum Beispiel dicht an einer Straße gebaut sind. Manche Cafés befinden sich auch im 1. Stock und es ist grundsätzlich keine Außenbewirtschaftung vorgesehen.

Außerdem entscheiden die Kommunen darüber, ob die Außenbereiche ausgeweitet werden können und zum Beispiel Parkplätze mitbenutzt werden dürfen. Dies ist normalerweise kostenpflichtig. Während der Corona-Pandemie gab es jedoch in vielen Städten Sonderbewilligungen und die Außenbereiche durften kostenfrei erweitert werden.

Auch Öffnung anderer Angebote in den Innenstädten wichtig

Sollten alle Fragen bis zur Öffnung der Außengastronomie geklärt sein, ist trotzdem nicht sicher, wie gut diese Angebote auch genutzt werden. "Aus meiner Sicht ist es wichtig, dass auch der Einzelhandel gut besucht wird und die Menschen dann beim Einkaufen einen Abstecher ins Café machen", sagt Schenk. Laufkundschaft, die zufällig bei ihm vorbeikomme habe er in den vergangenen Wochen so gut wie gar nicht gehabt. Seine Konditorei befindet sich in der Innenstadt von Augsburg.

Auch der Bäckerverband weist darauf hin, dass Bäckereien momentan unter den fehlenden Spontankäufen leiden. "Die ausbleibende Laufkundschaft ist und bleibt ein großes Problem vieler Bäckereibetriebe: Auch wenn es wieder wärmer wird, werden weiterhin deutlich weniger Menschen auf dem Weg zur Arbeit in der Stadt sein und in ein Café einkehren", sagt Schneider.

Sinkende Umsätze, da große Feiern ausfallen

Bereits seit einem Jahr haben beide Gewerke große Einbußen. Im dritten und vierten Quartal 2020 sind die Umsätze bei den Konditoren im Schnitt um 29 Prozent eingebrochen. Hochzeiten, Taufen, Kommunionen und Jubiläen machen normalerweise einen Großteil der Einnahmen aus. Und selbst, wenn kleinere Feiern stattfinden, rechnet sich der Aufwand für die Handwerker kaum.

Schenk rechnet vor: Normalerweise backt er Torten für Veranstaltungen mit 100-150 Gästen. 2020 waren es meist nur Torten für 10-15 Personen. Das lohne sich für ihn betriebswirtschaftlich kaum. Trotzdem nimmt er diese Aufträge entgegen. "50 Prozent meiner Aufträge für Hochzeiten liegen auf Halde und ganz viele Kunden haben ihre Familienfeiern schon auf 2022 verschoben", sagt der Konditormeister. Er hofft, dass bald wieder mehr und größere Veranstaltungen stattfinden dürfen.

>>> Lesetipp: Hier erfahren Sie, wie es dem Lebensmittelhandwerk zu Beginn des Lockdowns Anfang November ging

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2021 - Alle Rechte vorbehalten