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Ausbildungsbotschafterin im Interview Konditor-Azubi an der Englischen Riviera: Ein Erfahrungsbericht

Sie ist junge 21 Jahre, lernt den Handwerksberuf des Konditors und ist aktuell im 2. Lehrjahr. Im Herbst 2018 war Sara Handlögten für vier Wochen in Torquay, einer Stadt an der Südküste von England. Welche Erfahrungen hat Sie aus der Grafschaft Devon mitgenommen?

Sara Handlögten ist von ihrem Beruf überzeugt. Sie ist mit Leidenschaft dabei und hat als Ausbildungsbotschafterin bereits Schülerinnen und Schülern berichtet, ist bei Ausbildungsmessen dabei gewesen und konnte so Werbung für das Handwerk machen. Aber Sara Handlögten hat noch mehr in ihrer Vita zu bieten. Sie war auch als Lehrling im Ausland und sammelte dort Erfahrungen. Über ihren – mit BeEurope geplanten – Auslandsaufenthalt berichtet sie im Interview.

DHZ: Wie sind Sie zum Handwerk gekommen?

Sara Handlögten: Ich habe 2016 mein Abitur in Düsseldorf gemacht. Während meiner Schulzeit hatte ich bereits einige kleine Praktika gemacht, darunter auch bei einem Konditor. Nach dem Abitur habe ich zunächst Theaterwissenschaften und Germanistik studiert. Das hat mich nicht wirklich erfüllt. Deshalb habe ich mir mehrere Konditoreien angeschaut, die unterschiedlich ausgerichtet waren. Das hat mir mehr Spaß gemacht und vor allem habe ich am Abend gesehen, was ich tagsüber geschafft habe. Und bei Konditormeister Harald Blum hat es mir am besten gefallen.

DHZ: Sie sind Ausbildungsbotschafterin. Warum?

Handlögten: Ich finde es wichtig, für mein Handwerk einzutreten. Das möchte ich vor allem bei jungen Menschen tun, um ihnen eine Ausbildung im Handwerk näherzubringen. So habe ich mich damals nach einem Aufruf gemeldet und bin dann bei der Handwerkskammer angenommen worden.

DHZ: Wie sind Sie zu BeEurope gekommen?

Handlögten: Die Ausbildungsberaterin der Handwerkskammer, Frau Fetzer, hatte mich einmal besucht. Und sie machte mich auf das Programm "BeEurope" aufmerksam. Da ich sehr gerne in andere Länder reise, war so ein Auslandspraktikum für mich eine tolle Option.

DHZ: Sie waren in Großbritannien. Warum ausgerechnet dieses Land?

Handlögten: Angeboten waren damals Großbritannien und Irland. Leider kam keine Gruppe für Irland zustande, aber zwei Gruppen für Großbritannien, für jeweils vier Wochen.

DHZ: Wo genau waren Sie in Großbritannien?

Handlögten: Ich war im Herbst 2018 in Torquay, das ist eine Stadt an der Südküste von England, in der Grafschaft Devon an der " Englischen Riviera" gelegen. Ich war in einer Gastfamilie untergebracht. Das alles wurde für mich vom Baden-Württembergischen Handwerkstag organisiert.

DHZ: Wie war die Organisation?

Handlögten: Wir sind von Stuttgart aus geflogen. Zuvor hatten wir bereits ein erstes Kennenlerntreffen, bei dem sich alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer begegnet sind und kennen lernen konnten. Die Unterbringung vor Ort war organisiert. Ich war mit einer Kollegin zusammen bei einer Privatfamilie untergebracht. Dort gab es Halbpension, also Frühstück und Abendessen. Da konnte ich zusätzlich den Alltag der Briten erleben. Für diesen Aufenthalt habe ich 550 Euro Eigenanteil erbringen müssen, aber das habe ich gern getan, um auch meinen Beitrag zu leisten.

DHZ: Was nehmen Sie aus den vier Wochen in Großbritannien mit?

Handlögten: Ich habe viel gelernt. Vor allem habe ich meine Englischkenntnisse aufbessern können. Wir waren mit vier jungen Teilnehmerinnen aus Deutschland in Torquay und haben auch in unserer Freizeit viel unternommen. Was das Kondito­renhandwerk angeht, so sieht das in Großbritannien doch ganz anders aus. Denn die Kuchenvielfalt, wie wir sie in Deutschland kennen, gibt es dort nicht. Dort ist einfacheres Gebäck eher gefragt. Besonders fasziniert hat mich der Muscavado, ein unraffinierter und sehr feuchter Zucker, den ich jetzt auch hier in Mannheim bei meiner Arbeit und privat verwende.

DHZ: Was hat Ihr Meister, Harald Blum, zu Ihrem Auslandsaufenthalt gesagt?

Handlögten: Er fand es gut. Denn er sieht dieses Auslandspraktikum als eine Weiterbildungsmaßnahme, die mich weiterbringt, aber mit der ich mich auch in seinem Betrieb einbringen kann. Natürlich habe ich von diesem Auslandspraktikum auch erzählt. Und eine Kollegin ist auch an diesem Projekt interessiert.

DHZ: Würden Sie anderen jungen Menschen empfehlen, ein solches Auslandspraktikum zu machen?

Handlögten: Auf jeden Fall. Ich bin immer noch begeistert, eine andere Welt kennengelernt zu haben. Man profitiert von diesem Praktikum und entwickelt sich selbst fachlich und persönlich weiter. Man wird selbstständiger, bekommt mehr Selbstvertrauen und wird noch flexibler. Durch den Aufenthalt wird die Sicht auf unsere Welt offener und man erhält auch interkulturelle Kom­petenz.

DHZ: Was sind Ihre nächsten Ziele?

Handlögten: Zunächst werde ich meine Lehre abschließen – und das möchte ich auch sehr gut machen. Für die Zeit danach überlege ich noch. Ich könnte mich für ein Studium der Lebensmitteltechnologie interessieren. Auf jeden Fall ist auch das Konditorenhandwerk und die Meisterprüfung in meinen Überlegungen. Ein eigenes Café zu führen wäre cool.

BeEurope – vier Wochen ins Ausland

Voraussetzungen
  • duale Ausbildung im Handwerk
  • Wohnsitz in Baden-Württemberg
  • Mindestalter 17 Jahre
  • mindestens im 2. Lehrjahr
  • Grundkenntnisse der Landessprache
Das Programm
  • interkulturelle Vorbereitung
  • Flugbuchung und Unterbringung
  • einwöchiger Sprachkurs und
  • dreiwöchiges Praktikum
  • zusätzliche Unfall-, Haftplicht- und ­Krankenversicherung

    Das Projekt go.for.europe wird unterstützt durch das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg aus Mitteln des Europäischen ­Sozialfonds.
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