Mittelfranken -

Neu- und Altbautage Kompakt informiert

Die Fachmesse Neu- und Altbautage lockte tausende Besucher ins Bildungszentrum der Handwerkskammer.

Im Bildungszentrum (BZ) 2 der Handwerkskammer für Mittelfranken sind die Ausbildungsmeister einiges gewöhnt. Öffnet sich unter der Woche das große Eingangstor, stürmen hunderte Auszubildende in ihre Werkstätten, um zu lernen, wie man eine CNC-Maschine benutzt, schweißt, Stuckarbeiten ausführt oder Autotüren lackiert. Samstags und sonntags aber versinkt das Areal für gewöhnlich in Stille.

Doch Mitte Februar war das anders: Tausende Menschen stürmten völlig außerhalb der Reihe auf das Gelände. Die Besucher flanierten – mal mehr, mal weniger orientierungslos, häufig aber mit Popcorn ausgerüstet – durch die verwinkelten Gänge. Sie nutzten die Gelegenheit, um sich auf der Fachmesse Neu- und Altbautage über das Bauen, Sanieren und Energiesparen zu informieren. In der Sonderausstellung konnten sie sich vertieft mit den Themen Einbruchschutz und Sicherheit auseinandersetzen.

Wie das Schwabacher Paar, das von seinen Freunden nach Nürnberg eingeladen wurde. „Wir möchten in unserem Haus die Sicherheit erhöhen. Es liegt ein wenig abgeschieden, ist schwer einzusehen“, erzählt der Besitzer, während er sich auf den Weg zu Kriminalhauptkommissar Gerhard Schiffer in Halle W13 macht. Mechanische Sicherungen möchte er sich ansehen, Schließsysteme. Er erhofft sich einen allgemeinen ersten Überblick.

Sicherheit und Heizung

Ein Besucher aus Fürth weiß eigentlich schon, was er möchte. Seit Jahren kommt er immer wieder auf die Neu- und Altbautage, denkt schon länger über eine Dachsanierung nach. Auch das Thema Heizung treibt ihn um. Ein Gasbrennwertkessel soll es werden. Gezielt besucht er daher die Vorträge zu seinen Themen, um weitere Zusatzinformationen zu bekommen.

Wilhelm Scheuerlein, Energieberater bei der Handwerkskammer für Mittelfranken und Mit-Organisator, ist zufrieden: „Die Vorträge stoßen auf große Resonanz. Fast alle Besucher informieren sich in ihnen und suchen die Experten dann häufig noch an ihren Ausstellungsständen auf, um individuelle Fragen zu klären.“ Denn so mancher kommt schon mit einem konkreten Anliegen: Wie das Ehepaar, das ebenfalls an Heizungen interessiert ist. „Eigentlich möchte ich nur einen neuen Gasbrennwertkessel“, erzählt er. „Aber es findet sich einfach kein Handwerker, der mir den 17 Jahre alten Kessel durch einen neuen ersetzt.“ Er hofft, dass er auf der Messe zwei, drei Anlagenmechaniker findet, die ihm ein Angebot machen können.

Im Trend: Erdgasbrennwerttechnik

Mit seinem Kessel liegt er übrigens voll im Trend. Nach wie vor ist die Erdgasbrennwerttechnik die meistverkaufte in Deutschland. Aber auch über hochinnovative hybride Heizsysteme, wie die Kombination aus Brennstoffzelle und Gasbrennwertgerät, oder über Wärmepumpen für Neubauten informierten die Aussteller. Rund 20,7 Millionen Wärmeerzeuger gibt es bundesweit im Bestand, knapp 63 Prozent der Anlagen sind aus energetischer Sicht ineffizient.

Dabei könnten 15 Prozent des Energieeinsparpotentials über die Modernisierung dieser Anlagen eingespart werden. Das wird auch gefördert. In Vorträgen und an den Ausstellungsständen gaben Experten der jeweiligen Banken beziehungsweise Energieberater Auskunft über die aktuellen Zustände im Förder­dschungel.

Smart Home virtuell entdecken

Rund 3.500 Besucher zählten die Organisatoren der Handwerkskammer für Mittelfranken, die jährlich zu dieser Fachmesse einladen, heuer. Besonders die Themen „Einbruchschutz und Sicherheit“ sowie die Überblicksvorträge über verschiedene Heizsysteme lockten die Menschen in die Nürnberger Nordstadt. Wilhelm Scheuerlein freute sich darüber, wunderte sich aber auch: „Normalerweise korrelieren die Besucherzahlen ziemlich genau mit dem Heizölpreis – je teurer das Öl, desto mehr Besucher.

Heuer ist er doch noch gar nicht so hoch …“ Doch das Geld sitzt locker, die Zinsen sind niedrig und daher wird in „Betongold“ investiert, weiß Thomas Pirner, Präsident der Handwerkskammer. Außerdem hat sich mittlerweile herumgesprochen, dass, wer einen Bau- oder Ausbauhandwerker braucht, sich lieber frühzeitig umtut.

Eine junge Worzeldorfer Familie konnte da ganz entspannt sein. Sie wollte sich einfach mal über das Thema Smart Home informieren. Dazu hatte die Innung für Elektro- und Informationstechnik Nürnberg-Fürth ein Zelt aufgebaut, in dem die Besucher mit der 3D-Brille durch die Räume eines virtuellen Hauses gehen und sich die technischen Möglichkeiten in der – imaginären – Praxis genauer ansehen konnten.

„Man darf sich bei diesen neuen Technologien nicht querstellen. Handwerk 4.0 ist in aller Munde und ich finde die Vorstellung, mein Haus über digitale Wege aus der Ferne gezielt ansteuern zu können, absolut faszinierend“, berichtete der junge Vater. Auch bei der Haustür setzt er übrigens auf neue Technologien und informierte sich über schlüssellose Türöffner. „Dann ist es egal, wenn ich meinen Schlüssel vergessen habe“, erklärt er lachend.

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