Finanzen -

Corona-Krise Kommt jetzt der Inflationsschub?

Es scheint fast so, als wollten sich die Notenbanken mit der Geldpresse aus der Krise drucken. Ein nicht ungefährliches Unterfangen. Einige Ökonomen warnen bereits vor Inflationsgefahren. Die wirkliche Gefahr ist jedoch eine Deflation.

In nahezu allen Ländern versuchen die Regierungen, die Einkommensausfälle in der Bevölkerung durch staatliche Transfers zu ersetzen. Gleichzeitig sind die Produktionskapazitäten in vielen Bereichen stillgelegt. Es gibt also mehr Geld, aber nicht unbedingt mehr Güter. Ein klassisches Ausgangsszenario für Inflation.

Preissteigerungen durch Knappheit

Je länger der Shutdown anhält, desto größer werden die Produktionsausfälle. Hinzu kommen Störungen der Lieferketten. Je knapper jedoch ein Gut, desto stärker steigt der Preis. Dieser Effekt ist derzeit sehr gut bei der Preisentwicklung von Schutzmasken zu beobachten. Lag der Preis für eine Maske Mitte Februar noch bei 0,45 Euro, so ist der Preis mittlerweile auf 13,52 Euro gestiegen. Eine Preissteigerung von 3.000 Prozent. Sicherlich sind Schutzmasken ein Sonderfall. Allerdings konnte man in Asien während der Corona-Krise einen Anstieg der Lebensmittelpreise beobachten. Auch die ersten Handelsketten in Deutschland verzichten bereits auf die sonst üblichen Sonderangebote.
Diese Störungen sind nicht wirklich nachhaltig. Mittelfristig rechnen viele Beobachter mit fallenden Preisen. Für eine Volkswirtschaft ein viel gefährlicheres Szenario als eine Inflation. Derzeit können die Menschen ihre Häuser nicht verlassen, die meisten Läden und Geschäfte sind geschlossen. Es ist damit zu rechnen, dass viele Händler nach dem Ende der Einschränkungen ihren Kunden Preisnachlässe gewähren, um die Lager leerräumen zu können und sich überlebensnotwendige Umsätze zu sichern.

Ölpreis ist ein wichtiger inflationärer Faktor

Die große Gefahr liegt darin, dass Konsumenten und Unternehmen in Erwartung fallender Preise Kaufentscheidungen und Investitionen hinauszögern. Was folgt, ist die sogenannte Deflationsspirale aus stetig sinkenden Preisen und rückläufigen Investitionen der Unternehmen. Der derzeit niedrige Ölpreis verschärft die Gefahr einer Deflation. Denn der Ölpreis als wichtigster inflationärer Faktor, bildet ein natürliches Gegengewicht zu deflationären Tendenzen.

Sollte die Wirtschaft nach dem schrittweisen Ende des Shutdowns wieder hochfahren, besteht eine große Wahrscheinlichkeit, dass die deutsche Wirtschaft und die Anleger mit einem blauen Auge davonkommen. Etwas Inflation wäre dann ein gutes Signal.

Zum Autor: Markus Richert ist Finanzplaner bei der Portfolio Concept Vermögensmanagement GmbH in Köln.

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2020 - Alle Rechte vorbehalten