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Grünes Geld Kommt der Zwang zum nachhaltigen Investieren?

Wenn es nach dem Willen der EU-Kommission geht, sollen spätestens ab dem nächsten Jahr alle Investoren einen gewissen Anteil nachhaltiger Investments in ihre Portfolios aufnehmen.

Spätestens im Jahr 2020 soll die Finanzwirtschaft zu mehr Nachhaltigkeit bei der Auswahl ihrer Investments verpflichtet werden. Getrieben wird dieses Vorhaben durch die im Pariser Abkommen vereinbarten Klimaschutzziele, deren Einhaltung man ohne die Verpflichtung der Investoren nicht zu erreichen glaubt.


Die heutige Definition von Nachhaltigkeit umfasst neben dem Umweltschutz auch Menschenrechte und Unternehmensführung. Die EU-Kommission fasst dies unter der Bezeichnung ESG zusammen, welche für Enviromental, Social und Governance steht. Aktuell arbeitet man an einem einheitlichen EU-Klassifikationssystem (Taxonomie). Darin sollen harmonisierte Kriterien bestimmt werden, nach der eine wirtschaftliche Tätigkeit als nachhaltig zu betrachten ist.


In Fachkreisen rumort es jetzt schon. Denn neben einer weiteren Bevormundung der Investoren ist der Begriff Nachhaltigkeit genauso dehnbar wie die Bezeichnung Bio in der Lebensmittelindustrie. So ermittelt eine Marktforschungsgesellschaft aus Kanada seit Jahren die nachhaltigsten Unternehmen der Welt. Wer glaubt, die Rangliste würde ausschließlich von Unternehmen angeführt, die sich zum Beispiel mit erneuerbaren Energien beschäftigen, wird überrascht sein.


2018 findet man auf Platz zwei das finnische Mineralölunternehmen Neste. Umweltschutzorganisationen kritisieren das Unternehmen seit Jahren für den aus Palmöl gewonnenen Biodiesel, der als Neste Green Diesel europaweit verkauft wird. Auch die Funktion als Hauptsponsor der Rally Finnland hat scheinbar keinen Einfluss auf die Topplatzierung im Nachhaltigkeitsranking. Mit Siemens (Platz 9) und BMW (Platz 17) befinden sich auch zwei deutsche Unternehmen unter den Top platzierten.


Grundsätzlich ist der Gedanke, Investments unter ethischen, sozialen oder umweltverträglichen Aspekten auszuwählen, richtig. In der Gesellschaft, insbesondere bei den Jüngeren, findet jetzt schon ein Umdenkungsprozess, hin zu mehr Gerechtigkeit und Umweltbewusstsein statt. Unternehmen, die sich diesen Anforderungen nicht stellen, werden es langfristig sowohl bei Verbrauchern, Arbeitnehmern und Investoren schwer haben.


Daher sollte die Frage erlaubt sein, ob zukünftig bei der Auswahl von Investments eine gesetzliche Quote für nachhaltige Investments vorgegeben werden muss. Auf jeden Fall sollten sich Anleger darauf einstellen, dass ihr Vermögensberater in naher Zukunft die persönlichen Präferenzen für nachhaltige Investments abfragen und dokumentieren wird. Wie diese dann umgesetzt werden können bleibt abzuwarten.


Abzusehen ist jetzt schon es eine Flut von Investmentprodukten, die mit EGS-Labeln für einen nachhaltigen Inhalt werben werden. Investoren sollten da genau hinschauen, denn für den nachhaltigen Vermögensaufbau bedarf es mehr als ein grünes Label.

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