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Deutsche Energie-Agentur Kohler verlässt Dena

Der langjährige Chef der Deutschen Energie-Agentur, Stephan Kohler, verlässt das Unternehmen zum Jahresende. Jetzt geht die Suche nach einem adäquaten Nachfolger los.

Er ist einer der bekanntesten Energieexperten der Republik. Stephan Kohler (62), der Chef der Deutschen Energie-Agentur (Dena), hört laut übereinstimmenden Presseberichten zum Jahresende auf. Die Dena wollte die Personalie auf Anfrage der Deutschen Handwerks Zeitung weder bestätigen noch dementieren. Der ausgewiesene Energieexperte Kohler leitet die halbstaatliche Dena seit ihrer Gründung im Jahr 2000.

Jetzt wird laut "Handelsblatt" ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin gesucht. Dem Vernehmen nach soll die Parlamentarische Staatssekretärin Iris Gleicke für die Suche zuständig sein. Sie ist seit Kurzem Aufsichtsratschefin der Dena und hat damit direkt zum Start ein größeres Problem zu lösen. Namen werden noch nicht kolportiert.

Kohler verlässt das Unternehmen nach deutlicher Kritik des Bundesrechnungshofs am Geschäftsgebaren der dena. Der Bundesrechnungshof beanstandet erstens die "unangemessen hohen Gehälter" des Geschäftsführer-Vorsitzenden und anderer Mitarbeiter, zweitens stellt der Bundesrechnungshof überhaupt den Sinn der Agentur infrage.

Fan der Energiewende

Die Dena gilt als Verfechterin moderner Energie-Einsparungstechniken, wie sie im Handwerk weit verbreitet sind. Sie verteidigt vor allem die energetische Gebäudesanierung gegen ihre Kritiker. Dass etwa Wärmedämmung teuer sei und nichts bringe, weist sie entschieden zurück. Zurzeit liefert sich die Dena ein Gefecht mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

"Wir haben in unseren zahlreichen Modellvorhaben Modernisierungen und Neubauten systematisch begleitet und ausgewertet. Die Maßnahmen sind wirtschaftlich und der Energieverbrauch nach Fertigstellung wird signifikant gesenkt", antwortete Kohler öffentlich auf den jüngsten FAZ-Bericht. In der Energiewende ist Dämmung für Kohler ein wichtiger Bestandteil.

Chef mit Öko-Touch

Dass Kohler nun die Dena verlässt, kommt für viele überraschend. Nach seinen Tätigkeiten beim TÜV Bayern, bei MAN in München sowie der Hochtemperatur Reaktorbau GmbH (HRB) in Mannheim wechselte er im Jahr 1981 zum Öko-Institut Freiburg. 1988 übernahm er den Aufbau des Umwelt-Informationsbüros Ökoinform in Moskau.

Im Jahr 1991 wurde er Geschäftsführer der neu gegründeten Niedersächsischen Energie-Agentur in Hannover. Von 1982 bis 1984 war er Vorstandsmitglied im Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz, von 1991 bis 1993 Vorstandsmitglied des Öko-Instituts Freiburg und von 1995 bis 1997 Mitglied im Beirat des BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland). Von Februar 2000 bis März 2001 war er Vorsitzender des Vereins der Energie-Agenturen Deutschlands.

Im September 2000 wurde Kohler dann Geschäftsführer der von der Bundesregierung und der KfW gegründeten Deutschen Energie-Agentur. Seit Mai 2006 ist er Vorsitzender der Geschäftsführung.

Seit September 2014 ist er zusätzlich Mitglied im Präsidium des "Weltenergierat - Deutschland". Dieser Rat ist das nationale Mitglied für die Bundesrepublik Deutschland im World Energy Council (WEC).

Neben Veröffentlichungen zu energiewirtschaftlichen und energiepolitischen Themen sowie der Erarbeitung von Energiewende-Szenarien ist er Autor der Bücher "Die Energiewende ist möglich" und "Sonnenenergie-Wirtschaft" sowie Mitherausgeber des Buches "Neue Wege zum Klimaschutz". bur

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