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Gitarren-Manufaktur Hanika setzt auf thermische Modifikation Klingt nachhaltig: Gitarren aus heimischen Hölzern

Die Gitarren-Manufaktur Hanika hat zusammen mit Wissenschaftlern der TU Dresden eine ökologische Alternative zu tropischen Hölzern zur Marktreife gebracht.

Edle Gitarren entfalten ihren Klang aus edlen Hölzern. Diese Überzeugung hält sich unter Musikern beharrlich. Dabei geht es auch anders, wie Armin Hanika beweist. Der Zupfinstrumentenmachermeister fertigt in seiner Gitarren-Manufaktur in Baiersdorf bei Erlangen Konzertgitarren aus heimischen Hölzern, die den Instrumenten aus Tropenholz nicht nachstehen.

Dabei setzt Hanika auf die Zusammenarbeit mit der TU Dresden. Dort forschen Wissenschaftler der Professur für Holz- und Faserwerkstofftechnik an Verfahren, um europäische Gehölze auf das Klangniveau von Tropenholz zu heben. Gelungen ist dies mit thermischer Modifikation. Vereinfacht gesagt, werden die Hölzer gebacken, wie es Dr. Mario Zauer von der TU Dresden formuliert.

Elsbeere statt Ebenholz

Bei Temperaturen zwischen 120 und 220 Grad Celsius sowie reduziertem Sauerstoffgehalt ist es den Forschern um Zauer gelungen, den Alterungsprozess der Hölzer zu beschleunigen. So erreichen sie schon nach einem Jahr Materialeigenschaften, für die Tropenhölzer zwischen sechs und zehn Jahre gelagert werden müssen.

Normalerweise bestehen hochwertige Saiteninstrumente aus Edelholz: der Hals aus Zedrele, Zarge und Boden aus Palisander, das Griffbrett aus Ebenholz. Denn die Anforderungen an das Holz sind beim Bau von Zupfinstrumenten hoch: Es sollte wenig Feuchtigkeit aufnehmen, damit es weder quillt noch schwindet, sondern in seiner Form stabil bleibt.

Am wichtigsten aber ist die geringe Schalldämpfung, die lang gelagertes Tropenholz wegen seiner Resonanzgüte zu idealem Tonholz macht. Und nicht zuletzt achten Musiker auch auf das Aussehen ihrer Instrumente.

Anzupftest bei der TU Dresden

Wenn Fichte, Ahorn, Pflaume oder Elsbeere die Exporte aus den Tropen ablösen, profitiert nicht nur das Weltklima. Denn seit Anfang 2017 das Washingtoner Artenschutzabkommen verschärft wurde, gelten härtere Bestimmungen für den Handel mit bedrohten Holzarten. „Es ist nicht so, dass wir keine Tropenhölzer mehr bekommen. Aber durch die Dokumentationspflichten steigt der bürokratische Aufwand, so dass wir nicht nur aus ökologischen Gründen, sondern auch aus kaufmännischer Vernunft nach Alternativen suchen müssen“, sagt Armin Hanika.

Ausgezeichnet als ZIM-Projekt des Jahres

Gefördert wurde die Entwicklung über das zentrale Innovationsprogramm Mittelstand des Bundeswirtschaftsministeriums, kurz ZIM. Im Rahmen des Projekts mussten auch neue Verarbeitungsverfahren entwickelt werden, etwa eine Fixiervorrichtung für Zargen oder ein neues Verleimungs­system. Aber der Aufwand hat sich gelohnt. Wie das Ministerium mitteilt, konnte die Gitarren-Manufaktur Hanika ihre Umsätze bisher um rund 220.000 Euro steigern und einen neuen Arbeitsplatz schaffen. Dafür wurde Armin Hanika kürzlich in Berlin ausgezeichnet: mit einer Urkunde für das ZIM-Handwerksprojekt des Jahres.

Der Gitarrenbau-Betrieb von Armin Hanika wurde 1953 von seinem Vater Helmut gegründet, der nach dem Zweiten Weltkrieg mit seiner Familie aus Schönbach (Luby) im Egerland, einer Hochburg des Geigenbaus, vertrieben worden war. Seit 1993 führt Armin Hanika das Unternehmen mit 22 Mitarbeitern, darunter mehrere Meister und zwei Auszubildende. Rund 2.300 Gitarren pro Jahr verlassen die Manufaktur. Namhaftester Kunde dürfte der Liedermacher Reinhard Mey sein, der seine letzten beiden Tourneen mit einer „Hanika“ bestritten hat.

Tonholz aus bayrischen Wäldern

Obwohl Armin Hanika schon länger mit einheimischen Hölzern für seine Gitarren experimentierte, hat er sie erst durch das ZIM-Projekt zur Marktreife gebracht. Unter dem Markennamen „Native“ bietet Hanika Thermo-Gitarren der Basis-, Mittel-, Ober- und Meisterklasse, deren Rohstoff überwiegend aus bayrischen Wäldern stammt. Die Nachfrage hält sich aber noch in Grenzen. „Musiker sind sehr konservativ, wenn es um ihr Instrument geht“, sagt Armin Hanika, für den die Native-Gitarren eine stimmige Alternative zu den klassischen Modellen aus Tropenholz sind.

Das haben auch die Blindtests mit Musikern an der TU Dresden bestätigt, pflichtet Wissenschaftler Mario Zauer dem Gitarrenbauer bei. Der sächsische Akustikgitarrist Frank Fröhlich hat inzwischen mit den vier Native-Modellen von Hanika ein sogenanntes Gitarrenhörbuch eingespielt, Titel: „Aus gutem Holze“.

Am Griffbrett wird noch nachgebessert

Konzertgitarre aus heimischem Holz

Trotzdem besteht der Großteil der Hanika-Gitarren noch aus Tropenholz. Aber in der Basisklasse läuft der Absatz der Native-Modelle recht gut. „Hier liegt der Anteil schon bei rund zehn Prozent“, freut sich Armin Hanika über erste Erfolge. Mit dem Griffbrett seiner Native-Modelle ist er aber noch nicht hundertprozentig zufrieden. Weil dort die Saiten ins Holz gedrückt werden, benötigt das Material eine besonders harte Oberfläche.

Mit dem Anspruch auf eine lange Haltbarkeit der Gitarre können hier weder Elsbeere noch Pflaume mit Ebenholz oder Palisander mithalten. Aber dieses Problem wollen Hanika und seine wissenschaftlichen Partner aus Dresden in den nächsten beiden Jahren lösen – im Rahmen des nächsten ZIM-Projekts.

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