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Gebäudestudie der dena Klimaschutzziele 2050: Streit um die richtige Heizungstechnik

Die neue Gebäudestudie der dena sorgt für eine Debatte um die Energieerzeugung der Zukunft. Welche Heizungstechnik, welche Brennstoffe und welche Form der Förderung braucht es, um die Klimaziele 2050 zu erreichen? Die Deutsche Umwelthilfe kritisiert die Vorschläge der dena und fordert ein Einbauverbot für Öl- und Gaskessel.

Eines scheint klar zu sein: Wenn weiterhin so wenige Gebäude energetisch saniert werden und wenn nicht mehr Heizungen mit einem niedrigen CO2-Ausstoß eingebaut werden, verfehlt Deutschland eindeutig die Klimaziele, die es eigentlich bis 2050 erreichen möchte: eine Einsparung von CO2 von 95 Prozent im Vergleich zu 1990. Mit den derzeit angestoßenen Maßnahmen würde nur eine Reduktion der Treibhausgasemissionen von etwa 67 Prozent erreicht werden.

Zwar spielen bei der Einsparung auch der Verkehrssektor und die Industrie eine Rolle. Entscheidend für ein Vorankommen ist jedoch der Zustand der Gebäude und welche Heizungstechnik hier zukünftig vorrangig eingesetzt wird. Hier wird die meiste Energie verbraucht und so wird nach Ansicht der Deutschen Energie-Agentur (dena) hier auch ein Großteil der für die Energiewende insgesamt aufzuwendenden Investitionen aufgebracht werden müssen. Die dena hat nun ihre neue Gebäudestudie veröffentlicht und beschreibt darin zwei verschiedene Szenarien, wie die Klimaziele erreicht werden können – inklusive ihrer Vor- und Nachteile.

DUH: "Technologieneutralität gefährdet Klimaziele"

Ganz klar spricht sich die staatseigene Energie-Agentur für einen technologieoffenen Weg aus, der sowohl den Einsatz erneuerbarer Brennstoffe als auch den der fossilen wie Öl und Gas nicht ausschließt. Die andere Variante wäre ein Verbot der fossilen Energieträger in der Heizungstechnik und damit eine verstärkte Elektrifizierung. Für diese Positionierung erntet die dena jedoch Kritik, denn die Deutsche Umwelthilfe (DUH) mahnt, dass mit der Technologieneutralität nur bestehende Strukturen zementiert statt Fortschritt beim Klimaschutz erreicht würden.

Fest steht jedoch – und das bestätigen sowohl dena als DUH: In Deutschland werden derzeit immer noch zu wenige Gebäude energetisch saniert und stoßen damit immer noch zu viel an CO2 aus. Derzeit ist es jährlich rund ein Prozent. Um das zu ändern muss die Bundesregierung neue Strategien entwickeln, um die Gebäudebesitzer zum Sanieren und zu mehr Energieeinsparung zu animieren. Ist das für die DUH der einzige Weg, mit dem Deutschland seine CO2-Einsparziele erreichen kann, so setzt die dena auf einen breiten Energiemix, der den Sanierungsdruck etwas dämpft.

Die Szenarien der Gebäudestudie haben deshalb unterschiedliche Sanierungsziele. Nach dem Elektrifizierungsszenario müssten laut dena bis 2050 jedes Jahr rund zwei Prozent des gesamten Gebäudebestands in Deutschland saniert werden. Das würde einen breiten Einsatz von elektrischen Wärmepumpen einschließen, die dann die alten Heizungen ersetzen. Für das technologieoffene Szenario geht die dena dagegen nur von einer Sanierungsquote von 1,4 Prozent aus. Diese würden unter der Voraussetzung ausreichen, dass neben Strom für Wärmepumpen auch zunehmend gasförmige und flüssige Brennstoffe zum Einsatz kommen – also weiterhin auch Öl- und Gasheizungen. Diese Brennstoffe sollen mit Hilfe von erneuerbaren Energien synthetisch erzeugt und hauptsächlich importiert werden.

Synthetisches Gas gibt es bislang kaum

Ein Problem stellt sich für den Einsatz einer Technik jedoch, die langfristig zu einem großen Teil auf synthetisch erzeugte Brennstoffe setzen möchte: Es gibt sie bislang nur in einem verschwindend geringen Umfang – etwa durch die Power-to-Gas-Technik. Das gibt auch die dena zu und schreibt in ihrem Bericht zur Vorstellung der Gebäudestudie: "Dafür wiederum müssten rechtzeitig die entsprechenden nationalen und vor allem auch internationalen Märkte entwickelt werden."

Die DUH bewertet das von der dena favorisierte Szenario deshalb so, dass damit „fossile Technologien möglichst lange im Markt gehalten werden“. Ein technologieoffener Weg würde klassische Öl- und Gasheizungen noch lange unersetzlich machen und damit komme der Klimaschutz eindeutig zu kurz. "Vor diesem Hintergrund ist das Erreichen der Klimaziele vollkommen unrealistisch", kritisiert die DUH.

Bislang ist der Anteil des Gases aus Power-to-Gas-Anlagen noch so gering, dass er nicht in Zahlen festgehalten werden kann. Die Prognosen der Gaswirtschaft liegen jedoch schon bei 30 Prozent im Jahr 2050. Erneuerbares Gas aus Biomasse – Biomethan – erreicht heute einen Anteil von fünf Prozent.

Das Power-to-Gas-Verfahren gilt jedoch auch als umstritten, da es sehr viel Energie schluckt und daher nur geringe Wirkungsgrade erreicht. Und da der eingesetzte Strom für die Umwandlung von Strom in synthetisches Methan bislang nicht zu 100 Prozent erneuerbar ist, ist die Technik selbst auch nicht klimaneutral.

Die DUH hält es deshalb für falsch zu stark auf diese Technik zu setzen. Zeitgleich fordert sie jedoch, dass ab 2030 keine Öl- und Gaskessel mehr verbaut werden dürfen. Sie setzt stattdessen auf einen Weg, der vor allem die Energieeinsparung und die erneuerbare Energieerzeugung direkt an den Gebäuden im Blick haben. Zum Letztgenannten gehört entsprechend vor allen der Einsatz von Wärmepumpen als Heizquelle.

DUH will Energiesteuern erhöhen

Dieser Weg der Elektrifizierung der Energieerzeugung ist nach den Ergebnissen der dena-Gebäudestudie zwar auf jeden Fall ein möglicher, um dem Erreichen der Klimaziele nahezukommen. Doch auch einer, der mehr Kosten verursacht. Ausschlaggebend dafür ist die höhere Gebäudesanierungsrate von zwei Prozent, die dann in dem beschriebenen Szenario der dena damit einhergehen muss. Dieser Weg erfordert mehr Investitionen in Gebäudehülle und Anlagentechnik und verursacht Mehrkosten von gut zwanzig Prozent. Beim technologieoffenen Szenario kommt die dena nur auf Mehrkosten von insgesamt 12 bis 14 Prozent.

Als konkrete Lösung, um die Mehrkosten zu decken, fordert die DUH, dass die bestehenden Energiesteuern um eine CO2-Komponente erweitert werden – also erhöht werden – sollten. Die dena fordert dagegen nur allgemein die neue Bundesregierung auf, schnellst möglich Maßnahmen anzugehen, um "einen effizienten Transformationspfad zu erreichen". jtw

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