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Kältetechnik in Zeiten des Klimawandels Klima-Shop: Heizen und Kühlen mit einem System

Armin und Peter Spengler vertrauen in ihrem Klima-Shop aus Friedberg auf eine Technologie aus Asien. Um die CO2-Emissionen ihres Unternehmens zu kompensieren, pflanzen sie Bäume.

Wenn es in Deutschland ums Raumklima geht, dann kommen verschiedene Handwerker ins Spiel: Der Installateur und Heizungsbauer aus der SHK-Branche sorgt für Wärme, der Mechatroniker für Kältetechnik übernimmt die Kühlung. Der Klima-Shop aus Friedberg liefert beides: Heizung und Kühlung aus einem System. Um die konventionelle Trennung von Heiz- und Kühlkreisläufen zu überwinden, nutzen die Kälteanlagenbauer aus der Nähe von Augsburg eine Technologie, die aus Fernost stammt.

Worum es geht, erklären die Geschäftsführer Armin und Peter Spengler am liebsten am Beispiel ihrer Firmenzentrale. In ihrem Klimahaus finden sich weder Heizkörper noch eine Fußbodenheizung. Trotzdem herrscht Ende Ja­nuar in dem architektonisch ansprechenden Gewerbebau eine angenehme Raum­temperatur. Die warme Luft strömt aus den Düsen der Lüfter, die sich gut getarnt dem Auge des Besuchers entziehen. Im Sommer, wenn die Sonne die verglasten Außenwände durchflutet, pusten die Gebläse kühle Luft ins Gebäude. "Das System basiert auf VRF-Technologie wie sie in Fernost schon seit Jahrzehnten etabliert ist. Zentrales Element unserer Anlage ist eine Luft-Luft-Wärmepumpe", er­klärt Armin Spengler, selbst Mecha­troniker für Kältetechnik.

VRF-Technik um 40 Prozent sparsamer

VRF steht für "Variable Refrigerant Flow" (variabler Kältemittelmassestrom). Dabei handelt es sich um Klimasysteme mit Energierückgewinnung, die gleichzeitig heizen und kühlen können. Dank ihrer besonderen Konstruktion sind sie um bis zu 40 Prozent sparsamer als herkömmliche Klimageräte und dazu noch sicherer im Betrieb.

Klima-Shop Firmensitz in Friedberg

Die Brüder Spengler setzen mit ihrem Klima-Shop schon seit Jahren auf VRF-Systeme, installieren solche Anlagen in Privathäusern ebenso wie in Arztpraxen oder Server-Räumen. Vor allem Hotelbesitzer interessieren sich zunehmend für diese Technik. Denn bei wärmer werdenden Sommern und besser gedämmten Gebäuden kommen Hotels auch hierzulande nicht mehr ohne Kühlung aus, zumal Gäste aus Asien oder Amerika in den Onlineportalen Häuser ohne Klimaanlage gar nicht erst buchen. "Die zusätzliche Energie, die für die Kühlung benötigt wird, können sie beim Heizen wieder reinholen, wenn sie auf VRF-Systeme vertrauen", sagt Peter Spengler, der Kaufmann in der Geschäftsführung.

Für die Klimatisierung von drei Hotels im Freizeitpark Günzburg sind die Kältetechniker vom Klima-Shop sogar mit dem europaweit ausgeschriebenen Preis "Best Energy Performance" ausgezeichnet worden. Rund 40 Prozent des Umsatzes erzielt der Klima-Shop im Hotelbereich. Die Geschäfte laufen glänzend, aber das war nicht immer so.

Marketingpreis des deutschen Handwerks

Als Armin und Peter Spengler 1995 aufgrund der plötzlichen Erkrankung ihres Vaters und Firmengründers Anton Spengler das Unternehmen quasi von einen Tag auf den anderen übernehmen mussten, begann für sie eine extrem schwierige Phase. Wichtige Mitarbeiter verließen die Firma und gründeten Konkurrenzunternehmen, Kunden wanderten ab. "Wir waren praktisch pleite, hatten 1,2 Millionen Mark Schulden und den Gerichtsvollzieher im Haus", erinnert Peter Spengler an die existenzbedrohende Situation.

Doch die Jungunternehmer haben sich durchgebissen, dank des Vertrauens eines wichtigen Kunden und ihrer Entscheidung, die Firma komplett neu aufzustellen. Sie gewannen nicht nur den Marketingpreis des deutschen Handwerks, sondern auch wieder das Vertrauen der Kunden. "Rückblickend war es eine sehr wichtige Erfahrung für uns, aus der wir die richtigen Schlüsse gezogen haben", sagt Armin Spengler.

Bäume für den Klimawald

Schon lange achten die Spenglers nicht nur darauf, dass ihr Unter­nehmen mit heute 27 Mitarbeitern gesund ist. Auch der Schutz der Umwelt liegt ihnen am Herzen. Sie haben ihr Geschäft komplett klimaneutral ausgerichtet, produzieren Strom über Photovoltaik und protokollieren ihre Fahrten, um den CO2-Ausstoß durch Aufforstung zu kompensieren. Die Städte Friedberg und Augsburg stellen Flächen zur Verfügung, auf denen die Spenglers für ihre beiden Klimawälder Bäume pflanzen. Außerdem unterstützen sie den Verein Prima-Klima, der weltweit Aufforstungsprojekte organisiert. Denn auch für jedes Kilowatt Leistung, die der Klima-Shop bei seinen Kunden installiert, wird ein Quadratmeter mit Bäumen bepflanzt. So sind in den vergangenen zehn Jahren rund 150.000 Quadratmeter Wald entstanden.

"Was wir an Schaden verursachen, wollen wir mindestens kompensieren", versichern die Brüder, die sich schon für Klimaschutz engagierten, als die Protagonisten der Fridays-For-Future-Bewegung noch den Kindergarten besuchten. Heute profitiert ihr Unternehmen davon. Azubis zu finden sei für sie kein Problem, versichern die Spenglers, die sich darüber freuen, dass "die jungen Leute den Umweltgedanken so verinnerlicht haben".

Abwärme zum Heizen nutzen

Auch bei den VRF-Systemen könne die Umweltbilanz noch verbessert werden. "Anlagen mit Wärmeverschiebung erfordern zwar eine um 40 Prozent höhere Investition, arbeiten dafür aber noch einmal deutlich effektiver", erläutern die Spenglers. Bei der Wärmeverschiebung wird die beim Kühlen entzogene Wärme nicht wie sonst üblich nach draußen abgeleitet, sondern zum Heizen anderer Räume genutzt. Unter bestimmten Voraussetzungen könne sich das rechnen, so wie zum Beispiel bei den Hotels in Günzburg oder bei der Klimatisierung der Studios von Antenne Bayern, Deutschlands reichweiten­stärkstem privaten Radiosender. Dort wird die Abwärme der Server zum Heizen der Büros genutzt.

Ein halbes Jahrhundert nach der Gründung des Unternehmens durch ihren Vater Anton sorgen Armin und Peter Spengler immer noch für gutes Klima – das beginnt für sie beim Verhältnis zu Mitarbeitern, Lieferanten und Kunden und hört mit der Installation von Klimaanlagen nicht auf.

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