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Gewerbebau einmal anders Klettern für die Personalsuche

Alpenpanorama, Zuganbindung, Autobahnnähe: Für kleine Handwerksbetriebe ist nicht einfach, das perfekte Firmengrundstück zu finden. Wer es dann hat, muss weitere Hürden aus dem Weg räumen. Wie ein Gebäudereinigermeister dies auf sehr ungewöhnliche, aber erfolglreiche Weise tut.

Alpenpanorama, Zuganbindung, Autobahnnähe: Markus Wasserle hatte das perfekte Grundstück gefunden, um seine kräftig wachsende Gebäudereinigung zurück in seinen Heimatlandkreis Landsberg am Lech zu holen. Doch der Gewerbegrund in Kaufering hatte zwei Haken. "5.000 Quadratmeter waren viel zu groß für uns“, erklärt der Gebäudereinigermeister. Wegen des Wohngebiets jenseits der Bahnschienen waren zudem die Werte für Lärmemissionen reduziert.

Guter Baugrund ist rar

Vielen Handwerkern geht es wie Wasserle. Baugrund in der richtigen Größe und Lage ist rar. Besondere Auflagen erschweren das Wachstum zusätzlich. Doch Wasserle fand eine ungewöhnliche Lösung, um das Wunschgrundstück optimal zu nutzen: Er baute eine Kletterhalle.

Der Weg dahin war von Zufällen geprägt und von Wasserles Art, aus der gegebenen Situation das Beste zu machen. Der 37-Jährige wusste, dass die regionalen Sektionen des Deutschen Alpenvereins (DAV) eine Halle bauen wollten. Ein halbes Jahr lang verhandelte er, wie eine Kooperation aussehen könnte. Letztlich entschied er sich, die Kletterhalle alleine zu finanzieren und zu betreiben. Der DAV verpflichtete sich im Gegenzug auf 20 Jahre, die Halle für alle Kurse zu nutzen.

Investition für die Personalsuche

Vier Millionen Euro haben das Grundstück und der Bau gekostet, eine große Investition für den fünffachen Vater, der sein Unternehmen 2004 mit nur 3.000 Euro Startgeld gegründet hat. Heute beschäftigt er 250 Mitarbeiter und sucht mit allen Mitteln nach weiterem Personal.

Eines dieser Mittel ist die Kletterei: "Unsere Branche hat ein sehr schlechtes Image. Selbst wenn junge Leute den Beruf ergreifen wollen, sind die Eltern dagegen“, beobachtet Wasserle.

Kletterei

Klettern und Bouldern – also das Klettern in geringer Höhe ohne Seil – seien dagegen sehr positiv besetzt. Dieses Image möchte er für seine Gebäude­reinigung nutzen. Wer jetzt zur Gebäudereinigung Wasserle will, sieht schon aus der Ferne das mit seinen grünen Streifen auffällig gestaltete Gebäude mit Kletterwand im Hintergrund und DAV-Logo neben dem Eingang. Rechts sitzen im hellen Restaurant Kaffeetrinker und beobachten durch eine Innenscheibe, wie sich in der Halle Kletterer die 15 Meter hohe Wand hinaufarbeiten. Links der Übergang zur Gebäudereinigung. Kinder und Erwachsene tummeln sich im Gang dazwischen. Im Hintergrund sammeln sich Schuhe in allen Größen vor dem Eingang zum Indoorspielplatz und zur Boulderhalle.

Die Halle fällt auf, die Kraxler kommen in Scharen - und Wasserles Rechnung geht auf. "Gerade gestern kam eine Frau aus Syrien spontan ins Haus. Sie lebt seit vier Jahren in Deutschland, spricht akzentfrei Deutsch - und nächste Woche fängt sie bei uns an zu arbeiten", freut sich Wasserle einige Monate nach der Eröffnung.Sein Unternehmen sei jetzt viel präsenter in der Öffentlichkeit und in den Medien, gerade auch in der Region. Die Zahl der Initiativbewerbungen und Praktikanten sei deutlich angestiegen.

Kletterkurse für Glasreiniger

Wer sich heute bei Wasserle bewirbt, erlebt ein sehr lebendiges, modernes Unternehmen, an dem er auch teilhaben kann. Die Mitarbeiter dürfen die Kletterhalle kostenlos nutzen und bekommen 50 Prozent Ermäßigung auf alles, was sie im Restaurant konsumieren.

Für die Glasreiniger bietet Wasserle Kurse zum Industriekletterer, denn unter anderem reinigt die Firma Münchens höchstes Gebäude, den O2-Tower.

Künftig will der umtriebige Unternehmer die Kletterhalle auch noch als Forschungsobjekt nutzen. Sein Ziel ist Reinigung "on demand“ anzubieten, also dann, wenn Schmutz anfällt und nicht mehr nach festem Zeitschema. Mit dem Fraunhofer Institut tüftelt er derzeit an einer digitalen Lösung, wie sich in einem Gebäude der Verschmutzungsgrad zuverlässig bestimmen lässt, auch wenn man nicht vor Ort ist.

Genügend Kundenfrequenz, um das zu messen, hat er in der Kletterhalle. Schon in den ersten drei Wochen nach der Eröffnung im September kamen täglich zwischen 250 und 300 Besucher. Wasserle freut es: "Dass es so gut wird, habe ich mir nicht träumen lassen.“

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