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Vor 50 Jahren: Initialzündung für neues Heizsystem Klemens Oskar Waterkotte als Wegbereiter der Wärmepumpe

Ohne fossile Brennstoffe rauchfrei heizen? Mit Wärmepumpe und Ökostrom geht das. Eine Erfolgsgeschichte, die 1968 beim Bau der U-Bahn für die Olympischen Spiele in München begann.

Der Schornstein auf dem ehemaligen Wohnhaus von Klemens Oskar Waterkotte ist nur Attrappe. Beheizt wird das Gebäude über eine erdgekoppelte Wärmepumpe – umweltfreundlich und abgasfrei. Aber 1968 gibt es ohne Schornstein keine Baugenehmigung. Waterkotte ist seiner Zeit zu weit voraus.

Damals hätte der Ingenieur für Kältetechnik wohl nicht für möglich gehalten, dass seine Entwicklung 50 Jahre später das meistverkaufte Heizsystem in Deutschland sein wird. 2017 lag der Marktanteil der Technik, die als Energiequelle Erdwärme, Luft und Grundwasser nutzt, bei 43 Prozent und damit erstmals knapp vor der Gasheizung. Unter den 78.000 im Wohnungsneubau installierten Wärmepumpen waren immerhin 23.000 erdgebundene Anlagen, deren Urahn von Waterkotte vor einem halben Jahrhundert in seinem Einfamilienhaus installiert worden war – zu einer Zeit, als Vorlauftemperaturen von 90 Grad Celsius bei Heizungen als Stand der Technik galten. Mit seiner Pionierleistung wurde Klemens Oskar Waterkotte zum Wegbereiter für die Wärmepumpe. Am letzten Septemberwochenende feierten rund 500 Gäste das Jubiläum in der nach ihrem heute 85-jährigen Gründer benannten Firma in Herne.

Paul Waning, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Wärmepumpe (BWP), freut sich über das wachsende Interesse der Bauherren. „Aber für die Einhaltung der Klimaziele benötigen wir nach verschiedenen Studien im Jahr 2030 mindestens vier Millionen Wärmepumpen im Netz“, sagte Waning zur Feierstunde und verwies auf den Bestand von gegenwärtig erst 800.000 Anlagen in Deutschland. Reichlich Wachstumspotenzial also für eine lohnende Zukunft der Branche.

Energiequelle unterm Stachus

Die Geschichte der Wärmepumpe reicht allerdings bis ins 17. Jahrhundert zurück. Schon 1824 beschrieb der Franzose Nicolas Carnot deren Grundsätze. Drei Jahrzehnte später gelang William Thomson, alias Lord Kelvin, der Nachweis, dass man mit Kältemaschinen auch heizen kann. Bei gemeinsamen Experimenten mit James Prescott Joule erkannten die Wissenschaftler, dass sich Gase beim Verdichten erhitzen. Bis heute funktionieren Wärmepumpen auf Basis des Joul-Thomson-Effekts, der auch Kühlschränken zugrunde liegt.

Funktionsprinzip einer Erdwärmepumpe

1912 erhält der Schweizer Heinrich Zoelly das Patent für eine elektrisch angetriebene Wärmepumpe, die dem Boden Wärme entzieht. 1938 wird im Rathaus von Zürich die erste Heizungswärmepumpe installiert, als Wärmequelle dient das Wasser der Limmat. Doch 30 Jahre später ist die Wärmepumpe immer noch in Fachkreisen weitgehend unbekannt.

Und auch Klemens Oskar Waterkotte wäre womöglich nicht auf die Idee gekommen, sein Haus mit Erdwärme zu heizen, hätte es die Olympischen Spiele 1972 in München nicht gegeben. Denn beim Bau der U-Bahn unter dem Stachus war dem Ingenieur Ende der 60er Jahre aufgefallen, welche große Energiemengen in der Erde stecken. Fortan tüftelte er an einer Lösung, diesen Schatz für die Heizung seines geplanten Wohnhauses zu heben. Als Schlüssel zum Erfolg bezeichnete Waterkotte später seine Innovation, für die Heizungsrohre flexibles Thermoplast zu verwenden und damit eine effektive Übertragung von Wärme im Niedertemperaturbereich zu gewährleisten. Und so wurde im Winter 1968/69 erstmals ein privates Wohnhaus per Wärmepumpe beheizt.

Absatz von Ölkrise befeuert

Trotzdem interessierten sich anfangs nur wenige Ingenieure für die außergewöhnliche Heiztechnik. Das änderte sich mit der Ölkrise im Herbst 1973 schlagartig. Der Preis für leichtes Heizöl stieg von zwölf auf bis zu 70 Pfennig pro Liter. Energiesparen wurde in der Bundesrepublik plötzlich das Gebot der Stunde. Klemens Oskar Waterkotte nutzte diese Chance und gründete das gleichnamige Unternehmen, das innerhalb der ersten acht Monate mehr als 100 Wärmepumpen auslieferte.

Heute fertigen bei der Waterkotte GmbH mehr als 80 Mitarbeiter Wärme­pumpen für Privat- und Gewerbekunden mit einem Leistungssektrum von einer bis 1.000 Kilowattstunden bei einem Jahresumsatz von rund 30 Millionen Euro. Die Wärmepumpe ist von einem Nischenprodukt zum führenden Heizungssystem bei Wohnungsneubauten aufgestiegen.

Der Bundesverband Wärmepumpe bündelt die Interessen von rund 500 Mitgliedern entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von Herstellern und Händlern über Energieversorger, Bohr- und Zulieferunternehmen, SHK- und Elektrohandwerk bis hin zu Energieberatern und Architekten. Erklärtes Ziel ist es, den Anteil der Wärmepumpentechnologie im Neubau auf mehr als 50 Prozent zu steigern und am gesamten Heizungsmarkt einen Anteil von 20 Prozent zu sichern.

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