Umwelt + Energie -

Windenergie Kleinwindkraftanlagen: Was Handwerker wissen sollten

Wer für sich zu Hause oder im Betrieb Windenergie nutzen möchte, kann sich eine Kleinwindkraftanlage anschaffen. Doch der Markt ist unübersichtlich und es gibt noch andere Probleme. Ein Experte erklärt, was man beim Kauf beachten sollte und wie man einen passenden Standort findet, um die kleinen Windräder wirtschaftlich zu betreiben.

Wenn der Begriff Windkraft fällt, haben viele zuerst ein Bild von großen Windrädern oder Offshore-Windparks im Meer im Kopf. Doch es gibt auch kleinere Modelle dieser Windräder. Die sogenannten Kleinwindkraftanlagen sind schon seit einigen Jahrzehnten auf dem Markt, aber trotzdem noch ein Nischenprodukt. Dabei können sie, wenn man einige Punkte berücksichtigt, einen Beitrag zum Energiemix aus erneuerbaren Ressourcen liefern.

Bei Aufbau und Wartung von Kleinwindkraftanlagen sind Handwerker gefragt. Worauf sie dabei achten sollten und was sie sonst noch zum Thema Kleinwindkraftanlagen wissen sollten:

Was sind Kleinwindkraftanlagen?

Kleinwindkraftanlagen können nach ihrer Leistung und ihrer Größe unterschieden werden. Für Privathaushalte werden vor allem Kleinwindkraftanlagen mit bis zu rund fünf Kilowatt Leistung und einem Rotor-Durchmesser bis circa sieben Meter angeboten. Gewerbliche Anlagen haben in der Regel einen Rotor-Durchmesser von 7 bis ca. 16 Meter und eine Leistung ab zehn Kilowatt.

Aktuell ist der Markt für diese Stromerzeuger noch sehr unübersichtlich. Es gibt rund 300 Hersteller und 1.000 unterschiedliche Typen. Zudem gibt es zwei Konstruktionstypen: horizontal und vertikal. Die Nase weit vorne haben die horizontalen Anlagen, nach Vorbild der großen Windräder. Patrick Jüttemann beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Kleinwindkraftanlagen und betreibt die Website www.klein-windkraftanlagen.com. Er kennt sich im Markt aus und rät Interessenten sich vor einem Kauf gut zu informieren: "Es gibt viele gute Hersteller, aber leider auch ein paar schwarze Schafe. Man sollte sich nicht auf das erstbeste Online-Angebot verlassen. Besser sollte man prüfen, ob ein Anbieter unabhängige Referenzen vorweisen kann. Das können zum Beispiel Testfeld-Ergebnisse sein."

Wie wirtschaftlich sind Kleinwindkraftanlagen?

Wer sich eine Kleinwindkraftanlage zulegen möchte, sollte wissen: Je größer die Anlage, desto wirtschaftlicher. Kleine Anlagen unter zehn Kilowatt Leistung sind eher für diejenigen geeignet, die bewusst auf erneuerbare Energien setzen und unabhängig sein wollen von den Stromanbietern. "Ich kenne Menschen, die eine Anlage haben und sagen, es ist mir egal, ob sie wirtschaftlich ist. Hauptsache ich habe meinen eigenen Strom", sagt Jüttemann, der seit einigen Monaten neben seiner Website auch einen YouTube-Kanal betreibt und dort wichtigen Fragen zu Kleinwindkraftanlagen beantwortet. Eine Anlage ist dann wirtschaftlich, wenn man damit den eigenen Strompreis unterbieten kann. Bei privaten Haushalten müsste der Windstrom unter 30 Cent pro Kilowattstunde kosten.

"Grundsätzlich ist nur der eigene Verbrauch wirtschaftlich. Die Einspeisung ins Stromnetz ist nicht lukrativ", sagt der Experte. Der Grund: Der Einspeisetarif für kleine Windräder liegt bei rund 6 Cent pro kWh. Das ist viel zu wenig. Für Kleinwindanlagen gab es in Deutschland nie hohe Einspeisetarife wie für die Photovoltaik. Entsprechend hat sich die Kleinwind-Branche langsam entwickelt.

Beispielrechnung für Gewerbetreibende

Nennleistung der Anlage: 10 kW

Produzierter Strom pro Jahr: 20.000 kWh

Produzierter Strom in 20 Jahren: 400.000 kWh

Gesamtkosten der Anlage für 20 Jahre: 80.000 Euro

Stromkosten: 80.000/400.000 = 20 Cent

Lohnt sich eine Kleinwindanlage?

Ist die Investition in eine kleine Windkraftanlage wirtschaftlich? Kann man damit eine Rendite erwirtschaften oder effektiv Stromkosten sparen?

Wo werden Kleinwindkraftanlagen in Zukunft eingesetzt?

"Kleinwindkraftanlagen sind eine sehr gute Ergänzung zu Photovoltaikanlagen, da sie vor allem im Herbst und Winter Strom liefern", sagt der Experte. Jüttemann rechnet jedoch auch in naher Zukunft nicht damit, dass es einen großen Boom bei den Privathauhalten gibt. Dafür sei die Anschaffung noch zu teuer. Aber da es immer mehr E-Autos gibt, tue sich für gewerbliche Kleinwindanlagen ein neuer Geschäftsbereich auf. "In den letzten Monaten gibt es ein größeres Interesse Kleinwindkraftanlagen für E-Ladestationen zu nutzen. Der Strom für diese Stationen wird oft mit Photovoltaikanlagen gewonnen. Kleinwindkraftanlagen können für die dunkle Jahreszeit und auch nachts eine umweltschonende Ergänzung sein", sagt der Fachmann. "Ich weiß, dass einige Hersteller bereits Anfragen von der Automobilindustrie haben."

Wie gehe ich vor, wenn ich als Handwerker meinen Kunden eine Kleinwindkraftanlage anbieten möchte?

Eine Kleinwindkraftanlage als Geschäftsfeld ist vor allem für diejenigen Handwerker geeignet, die sich bereits im Bereich der erneuerbaren Energien auskennen, also zum Beispiel Photovoltaikanlagen installieren. Ob SHK-ler, Elektriker oder Dachdecker, ist dabei eher zweitrangig. Wer seinen Kunden in Zukunft auch Kleinwindkraftanlagen verkaufen möchte, für den hat Jüttemann ein paar Tipps parat.

1. Kunden in windstarken Lagen finden

Der erste Schritt ist, sich zu überlegen, welche potentiellen Kunden eine Anlage einsetzen könnten. Potenzielle Betreiber sind Betriebe mit einem hohen Stromverbrauch in windstarker Lage. Standorte mit viel Wind können beispielsweise Gewerbe- und Industriegebiete am Siedlungsrand sein. Auch Einzellagen wie sie für landwirtschaftliche Betriebe typisch sind haben oft ein hohes Windpotenzial.

2. Windmessung durchführen

Der zweite Tipp ist die Durchführung einer Windmessung. Denn: nicht jedes Betriebsgelände und nicht jedes Privatgrundstück ist für eine Kleinwindkraftanlage geeignet. Die Windstärke ist der entscheidende Erfolgsfaktor einer Kleinwindanlage. Nach der mehrwöchigen Messperiode kennt man die durchschnittliche Windgeschwindigkeit eines Standorts. Auf dieser Basis kann man Stromerträge und Wirtschaftlichkeit einer Kleinwindkraftanlage kalkulieren.

Ein guter Standort hat ausreichend Abstand zu Hindernissen, wie Häusern und Bäumen. Vor allem zur Hauptwindrichtung sollte man eine möglichst freie Sicht haben. Der Abstand zu einem Gebäude sollte das 20-fache der Gebäudehöhe betragen, erklärt der Fachmann. In einem dicht besiedelten Wohngebiet ist es deshalb ungünstig eine Anlage aufzustellen. Auch Hausdächer eigenen sich nicht, da es viele Luftverwirbelungen gibt und im Haus durch Körperschallübertragung Geräusche entstehen können.

3. Auf hochwertige Technik setzen

Der dritte wichtige Tipp von Jüttemann ist auf jeden Fall Kleinwindkraftanlagen von Herstellern mit erprobter Technik zu verwenden. Bei schlechter Technik sei nicht nur der Kunde enttäuscht, auch der Handwerker hätte sehr viel Mehrarbeit mit anfallenden Reparaturen.

4. Langen Atem haben

Ein Problem bei der Planung einer Kleinwindkraftanlage kann die Genehmigung sein. Die Bauordnungen der einzelnen Bundesländer sind sehr unterschiedlich. Bevor eine Anlage in Auftrag gegeben wird, empfiehlt es sich also mit dem örtlichen Bauamt zu sprechen. In manchen Bundesländern sind sehr kleine Anlagen bis 10 Meter Höhe ohne Genehmigung möglich.

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2019 - Alle Rechte vorbehalten