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Steuertipp Kleinunternehmerregelung: Ab wann gilt ein Unternehmen als gegründet?

Kleinstunternehmer im Handwerk profitieren in der Regel von der umsatzsteuerlichen Kleinunternehmerregelung. Das bedeutet: Sie müssen keine Umsatzsteuer in ihren Rechnungen ausweisen, erhalten im Gegenzug allerdings aus Eingangsrechnungen auch keine Vorsteuererstattung. Das Finanzgericht Münster klärte nun eine Zweifelsfrage dieser Regelung.

Im Gründungsjahr darf ein Unternehmer die Kleinunternehmerregelung nach § 19 Umsatzsteuergesetz anwenden, wenn sein Umsatz in diesem Jahr voraussichtlich nicht mehr als 22.000 Euro (ab 2020) und im Folgejahr voraussichtlich nicht mehr als 50.000 Euro beträgt. Doch welches Jahr gilt eigentlich als Gründungsjahr? Das Jahr, in dem die ersten konkreten Vorbereitungshandlungen mit Ausgaben stattfanden oder das Jahr, in dem erstmals Umsätze erzielt werden?

Typischer Fall aus der Praxis: Sarah Müller möchte sich als Malerin selbständig machen. Im Jahr 2019 kauft sie bereits für Ihren "Eine-Frau-Betrieb" Waren ein und erzielt in diesem Jahr noch keine Umsätze. Im Jahr 2020 erledigt sie erstmals Aufträge mit einem Auftragsvolumen von rund 45.000 Euro.

Folge: Das Finanzamt verweigert hier die Anwendung der Kleinunternehmerregelung, weil es das Jahr 2020 als Gründungsjahr annimmt und die Umsätze in diesem Gründungsjahr über 22.000 Euro liegen.

Steuertipp: Doch diese Sichtweise ist nun überholt. Das Finanzgericht Münster stuft für diesen Beispielsfall das Jahr 2019 als Gründungsjahr ein. Die Vorbereitungshandlungen reichen bereits aus, um umsatzsteuerlich von einer Unternehmensgründung zu sprechen (FG Münster, Urteil v. 25.2.2020, Az. 15 K 61/17). Sarah Müller aus unseren Beispielsfall würde also von der Kleinunternehmerregelung profitieren, weil ihr Umsatz im Gründungsjahr 2019 nicht mehr als 22.000 Euro betragen hat und im Jahr 2020 nicht mehr als 50.000 Euro.

Weitere Steuertipps finden Sie im DHZ-Steuerarchiv.

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