Unternehmensführung -

Wenn die Kollegen reden Klatsch am Arbeitsplatz: So reagieren Sie richtig

Nur harmloses Gerede oder tatsächlich Mobbing? Bei Lästereien am Arbeitsplatz ist das oftmals ein schmaler Grat. Tipps zum Umgang mit dem Tratsch und wo die juristischen Grenzen liegen.

"Wusstest du schon, dass...?" – Fast jeder hat einen Satz, der so oder so ähnlich beginnt in seinem Arbeitsalltag bereits gehört, oftmals gefolgt von den neusten Informationen über Kolleginnen oder Kollegen, den Chef oder Arbeitspartner, die meist nichts mit der Arbeit zu tun haben. Klatsch und Tratsch ist auch aus unserer Arbeitswelt nicht wegzudenken. Doch hat der so genannte "Flurfunk" wirklich nur schlechte Seiten? "Nein, ein informeller Austausch unter Kollegen ist wichtig", weiß Nicola Pauls, Personalberaterin der Handwerkskammer Region Stuttgart. "Allerdings darf sich dieser nicht destruktiv gegen einzelne Personen oder Personengruppen richten", warnt die Expertin. In einem solchen Fall spreche man von Mobbing oder Manipulation.

"Die Grenze zwischen Klatsch und Mobbing ist schmal", sagt die Personalberaterin. Informeller Austausch kann dazu dienen, dass Informationen weitergegeben werden und sich Kollegen besser kennenlernen. "Das kann sich positiv auf das Geschäftliche auswirken", bestätigt Pauls. Allerdings wird das Gerede dann zum Problem, wenn Kollegen den Klatsch strategisch ausnutzen, um daraus eigene Vorteile zu ziehen."Wenn das eigene Verhalten anderen Personen schadet oder sie manipuliert werden, kann das negative Auswirkungen haben". Und zwar nicht nur auf die betroffenen Kollegen, sondern das gesamte Unternehmen. Denn sobald Lästereien an anderen Stellen, zum Beispiel bei Führungskräften, auf offene Ohren stoße, schaffe dies eine von Misstrauen geprägte Unternehmenskultur. Wichtig sei es daher, für den Umgang mit Kollegen gewisse Regeln einzuhalten.

1. Nicht übereinander, sondern miteinander reden

Besonders wichtig für einen angenehmen Arbeitsalltag ist, dass im Unternehmen klare Verhaltensregeln definiert werden. "Das Motto sollte heißen: Wir reden miteinander und nicht übereinander", rät Pauls. Dies gelte für Probleme oder Kritikpunkte genauso wie für Lob. "Weder die Wertschätzung für etwas Geleistetes, noch die Kritik an der Arbeit oder dem Verhalten sollte einen über Dritte erreichen". Dies sei den betroffenen Personen vor allem deshalb nicht fair gegenüber, weil diese dann keine Chance hätten, direkt auf das Gesagte zu reagieren. Vorwürfe können schneller aus dem Weg geräumt werden, wenn alle beteiligten Kolleginnen und Kollegen wissen was Sache ist. "Wer Tratsch mitbekommt, sollte einschreiten", rät die Personalberaterin.

2. Sich klar positionieren

Wer mitbekommt, dass im Betrieb Gerüchte über Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gestreut werden, oder Unwahrheiten sich verbreiten, sollte nicht nur tatenlos zusehen. "Wichtig ist aber, dass man nicht belehrend oder mit erhobenem Zeigefinger auf die Tratschenden zugeht". Stattdessen zeuge es von Souveränität, die eigene Position mit einer klaren Ich-Botschaft wie 'Ich finde es unangenehm, wenn wir hinter seinem Rücken so über unseren Kollegen sprechen‘ zu vermitteln. Wer sich so positioniert zeigt, dass dieses unkollegiale Verhalten bei ihm auf taube Ohren stößt. Zu zeigen, dass man für Transparenz in der Abteilung ist, kann helfen, das Gerede am Arbeitsplatz einzudämmen. Für Führungskräfte besonders wichtig: Selbst mit gutem Beispiel vorangehen, souverän sein und neutral bleiben – das schafft Vertrauen.

3. Juristische Grenzen kennen

Nicht nur, um den Kolleginnen und Kollegen gegenüber loyal zu bleiben, sondern auch, um rechtliche Konsequenzen zu vermeiden, sollte man die Grenzen des Geredes kennen. "Auch wenn in Deutschland die freie Meinungsäußerung gilt, gibt es hier ein gewisses Limit", weist die Personalberaterin auf juristische Grenzen hin. Es dürfen weder Kollegen oder Vorgesetzte beleidigt, noch in ihrem Ruf geschädigt werden. Wird diese Rücksichtnahme- und Loyalitätspflicht, welcher ein Arbeitnehmer gegenüber des Arbeitgebers per Gesetz verpflichtet ist, nicht eingehalten, kann eine verhaltensbedingte Kündigung die Folge sein. Im schlimmsten Fall des Mobbings, wenn die Äußerungen als Verleumdung oder üble Nachrede gewertet werden, kann eine Strafanzeige gestellt werden und eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren droht. "So weit kommt es zum Glück in den seltensten Fällen", erklärt die Expertin. Nichtsdestotrotz zeige dies, wie Ernst das Thema ist. "Ein loyaler und respektvoller Umgang ist das A und O für ein gutes Miteinander im Betrieb".

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