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Extra Kinderkrankentage Kinderkrankengeld wird ausgeweitet

Wer gesetzlich versichert ist und seine Kinder wegen geschlossenen Schulen oder Kitas selbst betreut, kann länger Kinderkrankengeld beantragen. Das hat das Bundeskabinett beschlossen.

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Das Bundeskabinett hat die Ausweitung des Kinderkrankengeldes beschlossen. "Gesetzlich versicherte Eltern können im Jahr 2021 pro Kind und Elternteil 20 statt zehn Tage Kinderkrankengeld beantragen", teilte das Bundesgesundheitsministerium mit. Bei mehreren Kindern könnten pro Versicherten maximal für 45 Tage Kinderkrankengeld beantragt werden. Der Anspruch gilt auch, wenn Kitas und Schulen geschlossen sind und Eltern ein Betreuungsproblem haben. Selbst wenn Eltern im Homeoffice arbeiten könnten, können sie das Geld beantragen, heißt es weiter. Bundestag und Bundesrat sollen in den nächsten Tagen der Änderung zustimmen. Die Regelung soll dann rückwirkend ab dem 5. Januar gelten.

Regelung gilt für Kinder bis zum zwölften Lebensjahr

Wie das Bundesgesundheitsministerium weiter mitteilte, verdoppelt sich für Alleinerziehende der Anspruch auf 40 Tage pro Kind und bei mehreren Kindern auf maximal 90 Tage. Die Leistungen werden über die Krankenkasse abgerechnet. Voraussetzung ist allerdings, dass sowohl der betroffene Elternteil als auch das Kind gesetzlich krankenversichert ist. Darüber hinaus gilt die Regelung nur für Kinder, die das 12. Lebensjahr noch nicht vollendet haben oder aufgrund einer Behinderung auf Hilfe angewiesen sind. Auch darf es im Haushalt keine weitere Person geben, die das Kind betreuen könnte.

Anspruch nur mit entsprechender Bescheinigung

Wer das Kinderkrankengeld bei der jeweiligen Krankenkasse beantragen möchte, muss eine entsprechende Bescheinigung vorlegen. Im Krankheitsfall macht dies der Arzt. Muss das Kinderkrankengeld wegen geschlossener Kitas oder Schulen beantragt werden, genügt eine Bescheinigung der geschlossenen Einrichtung. Die Höhe des Kinderkrankengeldes beträgt bis zu 90 Prozent des ausgefallenen Nettoverdienstes bis zur Beitragsbemessungsgrenze. Und noch einen Hinweis gibt das Gesundheitsministerium: Beansprucht ein Elternteil Kinderkrankengeld, ruht in diesem Zeitraum für beide Elternteile der Anspruch auf Lohnersatzleistungen nach § 56 des Infektionsschutzgesetzes.

Bis zur Auszahlung braucht es etwas Geduld

Wie der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen in einer Stellungnahme ausführt, kann die Auszahlung des Kinderkrankengeldes erst im Nachhinein erfolgen. Sprich : wenn der Arbeitgeber den betreffenden Monat abgerechnet und die notwendigen Daten zur Berechnung des Kinderkrankengeldes an die Krankenkasse übermittelt hat. Damit würden sich notwendigerweise zeitliche Verzögerungen zwischen dem Entgeltausfall und der Krankengeldauszahlung ergeben.

Regierung will Ausfälle vorerst mit 300 Millionen Euro kompensieren

Mit Blick auf die Finanzierung des erweiterten Kinderkrankengeldes will die Bundesregierung zum 1. April 2021 einen zusätzlichen Bundeszuschuss von 300 Millionen Euro zur Liquiditätsreserve des Gesundheitsfonds leisten. Und weil niemand so genau weiß, wie viele Eltern tatsächlich das Kinderkrankengeld beantragen, soll der Ausgleich darüber hinausgehender Aufwendungen über eine "Spitzabrechnung" zum 1. Juli 2022 erfolgen. Dies bedeute , dass alle über 300 Millionen Euro hinausgehenden Aufwendungen ersetzt würden, teilte das Ministerium mit.

Privat Versicherte können über Infektionsschutzgesetz entschädigt werden

Privat versicherte Eltern haben keinen Anspruch auf das erweiterte Kindertagegeld. Wie der Verband der privaten Krankenversicherung mitteilt, gibt es für sie bis zum 31. März nach dem Infektionsschutzgesetz einen Anspruch auf Elternentschädigung. "Einen Entschädigungsanspruch haben abhängig Beschäftigte sowie Selbstständige, die ihr Kind wegen behördlicher Schließung oder eines Betretungsverbots der Betreuungseinrichtung aufgrund der Maßnahmen zur Corona-Eindämmung selbst beaufsichtigen, betreuen oder pflegen müssen", beruft sich der Verband auf das Infektionsschutzgesetz.

Bei gemeinsamer Betreuung erhielten Eltern eine Entschädigung für bis zu zehn Wochen Verdienstausfall, bei alleiniger Beaufsichtigung, Betreuung oder Pflege bis zu 20 Wochen. Voraussetzung ist auch hier, dass das Kind unter 12 Jahre alt ist oder etwa aufgrund einer Behinderung besondere Betreuung benötigt. Gibt es eine andere zumutbare Betreuungsmöglichkeit für das Kind, haben die Eltern keinen Anspruch auf Entschädigung.

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