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Steuertipp Keine steuerliche Betriebsaufgabe, wenn Handwerksbetrieb nur noch Hobby darstellt

Erzielt ein Handwerker über Jahre hinweg Verluste, wird das Finanzamt den Betrieb besonders genau unter die Lupe nehmen. Denn kann nachgewiesen werden, dass der Handwerker keine Gewinnerzielungsabsicht mehr hat, sondern nur noch sein Hobby steuerliche absetzen möchte, werden die Verluste steuerlich ignoriert. Ein Finanzamt ging hier noch einen Schritt weiter, ermittelte und besteuerte einen Aufgabegewinn für einen Handwerker zum Zeitpunkt, in dem er seinen Beruf zum Hobby machte. Doch das geht zu weit.

"Eine fehlende Gewinnerzielungsabsicht rechtfertigt keine Besteuerung einer Betriebsaufgabe", so die eindeutige Aussage des Bundesfinanzhofs (BFH, Urteil v. 11.5.2016, Az. X R 61/14). Das nimmt vielen übereifrigen Prüfern und Sachbearbeitern in den Finanzämtern den Wind aus den Segeln.

Darum geht es beim Hobby-Handwerker konkret

Wurden im Rahmen eines Handwerksbetriebs Modelbauarbeiten angeboten und ab einem bestimmten Zeitpunkt, werden ausschließlich Ausgaben und kaum mehr Einnahmen beim Finanzamt erklärt, ist ohne gute Begründung davon auszugehen, dass der Handwerksbetrieb zum Hobby geworden ist. Kann das Finanzamt das nachweisen, darf der Hobby-Handwerker die anfallenden Verluste nicht mehr mit anderen Einkünften steuersparend verrechnen. Es fehlt an der Gewinnerzielungsabsicht. Im Fachjargon spricht man von einem "Liebhaberei-Betrieb".

Das mit dem Verlust ist klar. Doch die Besteuerung eines Aufgabegewinns löst die Wandlung vom gewerblichen Betrieb zum "Liebhaberei-Betrieb" nicht aus. Erst wenn der Betrieb endgültig aufgegeben oder sogar mit Gewinn veräußert wird, darf das Finanzamt den Veräußerungs- oder Aufgabegewinn versteuern.

Steuertipp

Werden über Jahre hinweg Verluste erzielt, wird das Finanzamt die Steuerbescheide irgendwann wegen möglicher fehlender Gewinnerzielungsabsicht nach § 165 Abgabenordnung vorläufig erlassen. Ob das der Fall ist, kann den Erläuterungen zum Steuerbescheid entnommen werden. Bei Vorläufigkeit wegen möglicher fehlender Gewinnerzielungsabsicht erkennt das Finanzamt die Verluste zunächst steuerlich. Sollten nicht in absehbarer Zeit keine Gewinne erzielt werden, kann das Finanzamt nicht die künftigen Verluste ignorieren, sondern rückwirkend auch die Verluste der Jahre, für die Steuerbescheide vorläufig erlassen wurden.

Weitere Steuertipps finden Sie im DHZ-Steuerarchiv.
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