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ZDH-Präsident Otto Kentzler Keine Retro-Politik bei der Altersteilzeit

Handwerkspräsident Otto Kentzler warnt davor, beim Thema Altersteilzeit neue Anreize für die Frühverrentung zu schaffen. "Es darf nicht wie in der Rentenpolitik zu einer Rolle Rückwärts kommen."

Kentzler spricht sich in einem Beitrag für das "Handelsblatt" dezidiert gegen eine Verlängerung der Altersteilzeit über das Jahr 2009 hinaus aus. "Die Bundesregierung muss standhaft bleiben gegenüber den Forderungen Altersteilzeit weiterhin intensiv zu fördern. Es darf nicht wie in der Rentenpolitik zu einer Rolle rückwärts kommen. Bereits 2003 wurde richtig festgelegt, dass die direkte Förderung der Altersteilzeit durch die Bundesagentur für Arbeit in der Regel spätestens 2015 auslaufen wird; die letzten förderfähigen Verträge können immerhin noch bis Ende 2009 beginnen. Der Koalitionsvertrag der Großen Koalition sieht vor, dass keine neuen Anreize zur Frühverrentung geschaffen werden."

Allein die Förderung durch die Bundesagentur für Arbeit koste die Beitragszahler laut Kentzler im Jahr rund 1,5 Milliarden Euro – mit stark steigender Tendenz. Darüber hinaus erfülle das Instrument der Altersteilzeit eines seiner wesentlichen Ziele nachweislich nicht, nämlich Arbeitsplätze für Jüngere freizumachen.

"Die jüngsten Zahlen zum Arbeitsmarkt beweisen im Übrigen, dass gerade ältere Arbeitnehmer, ja sogar Langzeitarbeitslose deutlich höhere Chancen haben. Das zeigt: Ältere Mitarbeiter werden wieder gebraucht – mit ihrem Fachwissen und ihrer Erfahrung", stellte der Handwerkspräsident fest. Das habe im Handwerk immer schon gegolten – jetzt greife auch die übrige Wirtschaft wieder gerne auf ältere Arbeitnehmer zurück. "Es gilt also vielmehr, Einstellungshindernisse abzubauen, um mehr älteren Arbeitnehmern wieder zu einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung zu verhelfen."

Die Altersteilzeit und Frühverrentung seien ein Relikt aus den Jahren des Strukturwandels in ganzen Regionen und müssten unbedingt wie verabredet auslaufen. "Jeglicher Verlängerung der Altersteilzeitförderung über das Jahr 2009 hinaus erteilt das Handwerk eine deutliche Absage", erklärte Kentzler.

"Im Übrigen ist die unglaubliche Ambivalenz in der Rentenpolitik in Deutschland zu beklagen! Auf der einen Seite wird – aus demographischen Gründen dringend notwendig – das Renteneintrittsalter auf 67 Jahre erhöht, ergänzt durch zahlreiche Maßnahmen zur Verlängerung der Lebensarbeitszeit wie die Initiative 50plus", schreibt Kentzler in dem Beitrag für das "Handelsblatt".

Auf der anderen Seite werde vielen das frühere Ausscheiden aus dem aktiven Arbeitsleben finanziell verlockend ausgestaltet. Vor allem großbetriebliche Arbeitgeber könnten in großer Zahl Arbeitsplätze abbauen – und die sozialen Kosten dafür weitgehend auf die Allgemeinheit und damit auch auf das Handwerk abwälzen. "Es gibt keine stichhaltige Begründung dafür, diese milliardenteure Retro-Politik fortzusetzen", erklärte der ZDH-Präsident.

pc

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