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Mezzanines Kapital Keine Angst vor Heuschrecken

Derzeit sind nicht nur die Kreditzinsen niedrig – auch Mezzaninkapital ist leichter zu bekommen als noch vor ein paar Jahren. Betriebsinhaber sollten sich in guten Zeiten darum bemühen, um ihr Eigenkapital aufzustocken.

Zimmermeister Jörg Loos
Zimmermeister Jörg Loos hat seit fünf Jahren eine stille Beteiligung der Sparkasse und rät auch anderen Betrieben dazu. -

Es gibt viele Gründe, warum Betriebsinhaber zögern und sich mit mezzaninen Finanzierungsformen gar nicht erst beschäftigen: Angst vor Heuschrecken, hohe Zinsen, Gewinnbeteiligungen. Gerald Karch, Geschäftsführer der BGG Bayerischen Garantiegesellschaft mbH, kennt sie alle. Eigentlich, so Karch, ließen sie sich aber unter zwei Oberbegriffe subsummieren: Unwissenheit und Unsicherheit.

Und dabei liegt es keineswegs nur am Handwerk, dass das Thema so wenig bekannt ist. Auch die Beteiligungsgesellschaften taten sich bis vor ein paar Jahren schwer, auf den Wirtschaftssektor zuzugehen. Der Grund: Viele Gesellschaften engagieren sich erst bei Summen ab 500.000 Euro, im Handwerk eher selten.

"Eine gute Gelegenheit, sich mit Kapital zu versorgen"

Dennoch, so Karch weiter, gibt es gerade jetzt gute Gründe, sich mit dem Thema zu befassen. Nicht nur, dass in den letzten Jahren in fast allen Bundesländern Mezzaninfonds aufgelegt wurden, die sich auch bei deutlich kleineren Bedarfen engagieren. Auch die Rahmenbedingungen sind im Moment so günstig wie selten. "Den Banken geht es gut, den Betrieben auch", erläutert denn auch Franz Falk, Betriebsberater bei der Handwerkskammer Region Stuttgart, "das ist jetzt eine gute Gelegenheit, sich mit Kapital zu versorgen."

Doch was heißt das? Was genau ist Mezzaninkapital? Das Lexikon übersetzt den Begriff mit Hybridkapital, Dirk Buddensiek, Geschäftsführer der MBG Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Baden-Württemberg, präzisiert: "Mezzaninkapital steht in der Bilanz zwischen dem Eigen- und dem Fremdkapital, zählt jedoch zum Eigenkapital", wobei das auch genau der Pluspunkt ist: Denn durch eine höhere Eigenkapitalquote verbessert sich das Rating eines Unternehmens, "was dann auch die Zinsen für weitere Kreditfinanzierungen drücken kann" – und sich vor allem dann auszahlt, wenn weiteres Geld benötigt wird.

Dabei handelt es bei Mezzaninkapital nicht um eine einzelne Finanzierungsform, sondern um einen Sammelbegriff. Darunter fallen beispielsweise Genussrechte, Wandelanleihen aber auch bestimmte KfW-Darlehen und stille Beteiligungen. Wobei es im Handwerk eigentlich fast ausschließlich um stille Beteiligungen geht, wie Joachim Pfeiffer, Geschäftsführer der Beteiligungsgesellschaft der Kreisparkasse Reutlingen, klarstellt.

Auch Pfeiffer, der zahlreiche regionale Betriebe betreut, bedauert, dass das Thema im Handwerk noch nicht den Stellenwert hat, den es haben sollte. Denn faktisch, erläutert der Experte, hat Mezzaninkapital viele Vorteile. Neben der Erhöhung des Kapitals ist dies zum Beispiel auch, dass stille Beteiligungen nicht besichert werden müssen. Und – wovor viele Betriebsinhaber fälschlicherweise Angst haben – Mezzaninkapital ist auch nicht mit Stimmrechten verbunden. "Da kommt also niemand und redet ins Geschäft", wie Pfeiffer betont. "Von Heuschrecken kann keine Rede sein."

Geldgeber bekommen ­Kontrollrechte

Allerdings: Die Geldgeber erwerben Informations- und Kontrollrechte. Ein Aspekt, vor dem aber ebenfalls niemand Angst haben muss, wie auch Jörg Loos, Inhaber von Holzbau Loos, erläutert. "Ein professioneller Blick auf die eigenen Zahlen kann schließlich nur helfen." Der Reutlinger Zimmereibetrieb sicherte sich bereits vor zirka fünf Jahren eine stille Beteiligung der Kreissparkasse und rät jederzeit auch anderen Betrieben dazu.

Vergeben wird Mezzaninkapital von Venture-Capital-Gesellschaften, Banken und deren Beteiligungsgesellschaften oder auch Versicherungen, privaten Investoren oder speziellen Fonds (siehe Kasten). Interessenten, so Karch, wenden sich am besten entweder an die Hausbank oder auch direkt an einen Fonds. Gute Ansprechpartner fürs Handwerk sind insbesondere die Bürgschaftsbanken, die entweder selbst Kapital anbieten oder mit Schwestergesellschaften zusammenarbeiten.

Handeln, wenn’s gut läuft

Drei Fragen an Dirk Buddensiek, Geschäftsführer der MBG Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Baden-Württemberg

DHZ: Können Unternehmer momentan besonders günstig an langfristiges Eigenkapital kommen?

Buddensiek: Zumindest kann ich das für unser Haus, die MBG Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Baden-Württemberg, sagen. Erstens haben wir zum Juli unsere Konditionen durchgehend um 0,5 Prozent gesenkt. Und zweitens am 2. September zusammen mit allen mittelständischen Beteiligungsgesellschaften ein neues Programm gestartet: Aus dem Mikromezzaninfonds Deutschland gibt es jetzt kleine Beteiligungen schon ab 10.000 Euro.

Dirk Buddensiek
© Foto: MBG

DHZ: Also jetzt handeln?

Buddensiek: Sagen wir es mal so: Es ist immer besser dann Geld aufzunehmen, solange man nicht unter Druck steht. Normalerwiese ist dies dann der Fall, wenn die Konjunktur stabil ist und die Geschäfte gut laufen. Dann können Unternehmer für gewöhnlich auch von attraktiven Konditionen profitieren. Die Praxis zeigt leider, dass die wenigsten Unternehmer diese Chance wahrnehmen. Viele reagieren erst dann, wenn die Geschäfte schwieriger werden. Dann sind aber normalerweise auch die Konditionen nicht mehr so günstig.

DHZ: Und was kostet eine stille Beteiligung und wie sind die Laufzeiten?

Buddensiek: Stille Beteiligungen gibt es schon ab 10.000 Euro. Und je nach Programm ab einer jährlichen Vergütung von 4,25 Prozent plus einer einmaligen Bearbeitungsgebühr ab 1,5 Prozent. Das ist fast so historisch günstig wie die aktuellen Kreditzinsen. Für gewöhnlich beträgt die Laufzeit zehn Jahre, ab dem siebten Jahr beginnt die Rückzahlung. shw

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