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GFF-Untersuchung Test the Best: AT Connection von Sika Ein Dichtstoff im Test: Kein Chipstüteneffekt

Ungeachtet RAL, EnEV und dessen, was es sonst noch so an Vorschriften gibt, bleibt die Fugenabdichtung die Königsdisziplin der Fenstermontage. Handwerker, die Tag für Tag damit zu tun haben, kennen auch die Feinheiten des dafür notwenigen Materials. Viel Handwerker haben einen speziellen Dichstoff getetet. Ein Bericht des Fachmagazins GFF.

Dichtstoff AT Connection
Keine einfache Materie: Marketingmanager Fenestration Matthias Dick (li.) und Key- Account-Manager Facade System Otto Mayer diskutieren über den Dichtstoff AT Connection. -

Der Dichtstoff AT Connection von Sika im Test: Schnäppchenjäger sind freilich nicht die Zielgruppe des international tätigen Konzerns Sika mit Sitz in der Schweiz. "Wenn also der Preis nicht das Argument für den Fugendichtstoff Sika AT Connection ist, musste es etwas anderes sein", sagt lapidar Otto Mayer, Key-Account-Manager für den Bereich Facade System; schließlich sei das Unternehmen mit einem ­Anteil von mehr als 50 Prozent bei Anwendungen für Baufugen zwischen Flensburg und Garmisch auch vorher schon der Marktleader gewesen.

Reißfestigkeit bewiesen

Verfugung
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Mayer zählt auf: Die Aushärtung passiert isocyanatfrei, das Produkt spielt technisch in einer Liga mit MS-Polymeren bzw. Hybridlösungen, weil es die wichtigsten Vorzüge von PU (gute mechanische Werte, hohe Dehnfestigkeit, breites Haftungsspektrum) sowie Silikon (reißfest, UV-beständig) vereint, und es ist auf glatten, saugfähigen Untergründen primerlos verarbeitbar. "Der Anwender", assistiert Marketingmanager Fenestration Matthias Dick, "erlebt keinen Chipstüteneffekt." Keinen was? Dick lächelt wissend. Er erklärt: "Bei anderen Lösungen setzt sich jeder noch so kleine Riss fort, das ist wie bei der Chipstüte, die immer weiter aufreißt, bis man den Inhalt dann auf der Hose hat. Unser Material weist eine sehr gute Weiterreißfestigkeit auf."

Das ist nicht alles. Ein weiterer Faktor in der Fensterabdichtung sind wandernde Weichmacher. Diffundieren Dichtstoffe dann in Fassadenmaterialien wie Natursteine, ist das Ergebnis eine unangenehm, fast speckig glänzende Optik. Nicht mit AT Connection: Grundsätzlich zeichnet sich das Produkt durch eine sehr gute Verträglichkeit bspw. beim Kontakt mit Fassadenanstrichen aus, Sika empfiehlt in den Produktunterlagen wie gewöhnlich, im System zu bleiben. So ist die Funktionsfähigkeit der Kombination von AT Connection außen mit z.B. Sikacryl-Pro in einem Zentimeter Dicke innen (sd-Wert von jeweils 25 Meter) geprüft, "der Handwerker kann hier mit einer ganz anderen Sicherheit beim Kunden auftreten", sagt Mayer.

Immer in Bewegung bleiben

Als komplett lösemittelfreie Lösung macht der Dichtstoff Bewegungen in der Fassade infolge thermischer Veränderungen bis 25 Prozent ohne Rissbildung mit. Im Handling wichtig ist schlussendlich ein kurzer Fadenabriss. Für den Fensterbauer heißt das, er schmiert sich den Dichtstoff nicht auf alle umliegenden Materialien. Das Produkt ist gut glättbar, Profis verwenden wahlweise eine Kunststoffplatte oder ein passendes Stück Holz, die Reinigung erfolgt laut Mayer "mit den üblichen Haushaltsmaterialien".

Unser Fazit: Der Dichtstoff AT Connection ist nicht billig. Aber richtig angewendet, verschafft das Produkt dem Fensterbauer Sicherheit bei der Fugenbearbeitung im Verbund mit der dreistufigen Abdichtung – und die ist nun mal wertvoll.

Vier Fensterexperten bewerten

Gugelfuss Fenster und Haustüren: "Wir setzen den Dichtstoff ein"

Martin Gugelfuß
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Fensterhersteller Gugelfuss testete besagten Dichtstoff Sikaflex AT Connection mit zwei Montagetrupps zirka eine Woche lang. "Wir haben nach einer Lösung gesucht, Reklamationen wegen gerissener Abdichtungsfugen bei Fenstern sowie Haustüren zu vermeiden. Das war in der Vergangenheit immer mal wieder ein Problem“, erläutert Geschäftsführer Martin Gugelfuß.

Bei der Abdichtung der inneren Anschlussfuge mit Acryl hatten sich Risse gezeigt, die Kunden dann reklamierten. Das Produkt musste also elastisch genug und überstreichbar sein. Das Ergebnis des Tests war positiv, Gugelfuss setzt den Dichtstoff von Sika künftig für die Montage seiner Fenster ein.



Das Zeugnis zum Produkt

  1. Verarbeitbarkeit: Das Produkt hat die Wünsche der Monteure vollauf erfüllt: Es lässt sich problemlos verstreichen und hinterher glatt ziehen.
  2. Marketingfaktor: Die meisten Kunden setzen eine Montage auf höchstem technischen Niveau voraus und sind gleichzeitig sehr preiskritisch. Da bekommen wir den Einsatz eines hochwertigen Dichtstoffs nicht eigens bezahlt.
  3. Preis-Leistungs-Verhältnis: Dieses Verhältnis passt dennoch, weil der Dichtstoff sogar etwas günstiger als die vergleichbaren Konkurrenzprodukte ist. Außerdem erledigen wir so die Abdichtung innen und außen mit dem gleichen Material und sparen dadurch Kosten.
  4. Nutzungseigenschaften: Der Dichtstoff ist sehr elastisch und beugt dadurch der Rissbildung vor. Außerdem lässt er sich überstreichen.
  5. Nachhaltigkeitsfaktor/Umwelteigenschaften: Nach Angaben des Herstellers ist das Produkt frei von Lösemitteln und erfüllt damit schon mal wichtige Anforderungen. Die Recyclingfähigkeit eines Dichtstoffs sehe ich in der Praxis als schwierig umsetzbar an, weil die Mauerwerksreste aufwändig vom Dichtstoff getrennt werden müssten.
  6. Materialverträglichkeit: Wir haben eine Reaktion mit einer Antidröhnfolie an der Fensterbank festgestellt und die Lage der Folie so verändert, dass diese nicht mehr auf den Dichtstoff trifft.

Fensterbau Düren Niepel: "Der Dichtstoff zeigt keine Rissbildung"

Uwe Niepel
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Die Montageexperten von Fensterbau Düren testeten Sikaflex AT Connection beim Einbau von 24 bodentiefen Fenstern in einem Studentenwohnheim. Sie setzten das Produkt mit Glaswolle, Montageschaum und Rundschnur zur Abdichtung der Elemente ein.

Die Sika-Lösung überzeugte mit guter Verarbeitung und gutem Rückstellvermögen. "Beim Dichtstoff war keine Rissbildung zu beobachten. Er verschmierte nicht beim Einsatz des Kunststoffreinigers", analysiert Geschäftsführer Uwe Niepel.






Das Zeugnis zum Produkt

  1. Verarbeitbarkeit: Das Produkt ließ sich gut verarbeiten, es verläuft auch bei der Benetzung mit Wasser nicht. Allerdings verlief die Verarbeitung mit Handspritzen etwas schwergängig.
  2. Marketingfaktor: Den Marketingfaktor bestimmt der Verkäufer im Kundengespräch. Er muss die kompetente Montage und den hochwertigen Dichtstoff verkaufen.
  3. Preis-Leistungs-Verhältnis: Der Einkaufspreis ist mir nicht bekannt. Der Preis dürfte aber nicht höher sein als bei vergleichbaren Produkten, weil wir elektrische Spritzen für die Verarbeitung anschaffen müssten.
  4. Nutzungseigenschaften: Acryl verschmiert beim Einsatz von Kunststoffreiniger; der Dichtstoff von Sika war hier problemlos und verzeiht auch mal Fehler in der Verarbeitung. Die maximale Fugenbreite ist gut, Risse bilden sich nicht.
  5. Nachhaltigkeitsfaktor/Umwelteigenschaften: Dieses Produkt enthält keine Lösemittel, es lässt sich recyceln und durch die größere Verpackung im Beutel entsteht weniger Müll auf der Baustelle. Diese Eigenschaften lassen sich beim Kunden verkaufen.
  6. Materialverträglichkeit: Wir haben keinerlei Reaktionen mit anderen Materialien festgestellt. Die etwaige Reaktion mit Montageschaum können wir nicht beurteilen, weil wir diesen per Rundschnur vom Dichtstoff trennen.

Gräßle Fensterbau: "Das Produkt ist für uns interessant"

Michael Gräßle
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Alle Monteure von Gräßle Fensterbau testeten Sikaflex AT Connection ungefähr drei Wochen lang in der Altbausanierung mit verschiedenen Rahmenmaterialien wie Holz, Holz/Alu und PVC. "Für uns ist das Produkt interessant, weil es sämtliche Anforderungen an die RAL-Montage erfüllt und wir einen solchen Dichtstoff gesucht haben", erläutert Geschäftsführer Michael Gräßle.

Die Monteure hätten grundsätzlich von positiven Erfahrungen berichtet. "Das Produkt hat unsere Erwartungen erfüllt. Wir setzen es in unserer Montage ein", betont Gräßle.





Das Zeugnis zum Produkt

  1. Verarbeitbarkeit: Der Dichtstoff lässt sich von Hand sehr gut in die Fuge spritzen und glätten. Im Vergleich zu anderen Lösungen haben wir etwas Zeit bei der Verarbeitung gespart.
  2. Marketingfaktor: Die Montage mit hochwertigen Produkten spielt sicher eine Rolle, ist jedoch bloß einer von vielen Punkten, wenn es um die Auftragsvergabe geht.
  3. Preis-Leistungs-Verhältnis: Sikaflex AT Connection ist nur wenig teurer als andere Dichtstoffe. Der Einsatz lohnt sich langfristig aufgrund der hohen Qualität.
  4. Nutzungseigenschaften: Dieses Produkt reißt nicht so schnell wie andere Dichtstoffe, selbst bei großen Fugen. Zudem haftet es ohne Vorprimern auf sämtlichen Materialien von Holz über Kunststoff bis Alu und Mauerwerk. Die Überstreichbarkeit ist ein klarer Vorteil im Unterschied zu anderen Dichtmaterialien.
  5. Nachhaltigkeitsfaktor/Umwelteigenschaften: Für uns ist eine geruchlose Verarbeitung ohne Lösungsmittel wichtig, gerade beim Einsatz in Innenräumen hatten sich früher viele Kunden über den Geruch unserer alten Dichtstoffe beschwert. Viele Bauherren fragen auch gezielt nach den Inhaltsstoffen.
  6. Materialverträglichkeit: Wir haben keine Unverträglichkeiten mit anderen Montagematerialien festgestellt. Wir prüfen vorab, ob die bei uns verwendeten Komponenten zusammenpassen.

Metallbau Lamprecht: "Brauchen Dichtstoff für den Winter"

Mustafa Dikec
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Metallbau Lamprecht in Datteln testete Sikaflex AT Connection für die Abdichtung von Metallfenstern in mehreren Objekten. "Der wichtigste Punkt bei Dichtstoffen ist für uns die Verarbeitbarkeit bei weniger als fünf Grad Celsius. Dafür würden wir mehr bezahlen", sagt Mustafa Dikec, Montageleiter bei Lamprecht.

Im Winter sei die Fenstermontage mit den aktuellen Lösungen schwierig. "Die bessere Verformbarkeit gegen Rissbildung spielt für uns nicht die entscheidende Rolle. Deshalb werden wir das Produkt wohl nicht dauerhaft einsetzen", zieht Dikec Bilanz.






Das Zeugnis zum Produkt

  1. Verarbeitbarkeit: Das Material ist relativ weich, lässt sich mit der Spritzpistole gut ausdrücken und in die Fuge spritzen. Damit erreichen wir eine gute Klebefläche.
  2. Marketingfaktor: Unsere Kunden kommen meistens aus dem Objektbereich und bezahlen den Aufpreis für eine hochwertige Montage im Unterschied zum Standard nicht.
  3. Preis-Leistungs-Verhältnis: Bei gleichen Eigenschaften im Verhältnis zu ähnlichen Dichtstoffen lohnt sich ein Mehrpreis nicht. Wir wären bereit, für Dichtstoffe, die bei weniger als fünf Grad Celsius zu verarbeiten sind, einen Mehrpreis zu bezahlen. Das ist bei diesem Dichtstoff allerdings nicht der Fall.
  4. Nutzungseigenschaften: Die Nutzungseigenschaften dieses Produkts sind gut, sie stechen allerdings verglichen mit anderen Dichtstoffen nicht hervor.
  5. Nachhaltigkeitsfaktor/Umwelteigenschaften: Für die Recyclingfähigkeit interessieren sich nur die wenigsten Kunden, weil sie sich keine Gedanken darüber machen, was sie nach 30 Jahren mit den Baustoffen anstellen. Die meisten Bauherren wollen eine dichte Anschlussfuge, und das war es.
  6. Materialverträglichkeit: Wir haben keinerlei Unverträglichkeiten mit anderen Montagematerialien festgestellt. Wir erkundigen uns grundsätzlich vorher, ob die bei uns verwendeten Komponenten zusammenpassen.

Der Beitrag ist ursprünglich erschienen im Branchenmagazin GFF-Glas-Fenster-Fassade.

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