Meister im Handwerk -

Weiterbildung Wann Meisterschüler Arbeitslosengeld bekommen

Meisterschüler erhalten ihren Anspruch auf Arbeitslosengeld und können diesen auch nahtlos nach bestandener Meisterprüfung einlösen. Diese Voraussetzungen müssen dafür erfüllt sein.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Meister im Handwerk

Im Jahr 2008 wurden mit den "Hartz-Gesetzen" mehrere Regelungen zum Arbeitslosengeld verschärft, Bezugsdauern wurden verkürzt und die Möglichkeiten der Beanttargung für bestimmte Personengruppen eingeschränkt. Das wirft immer wieder Fragen bei denjeinigen auf, die eine Weiterbildung zum Handwerksmeister in Vollzeit absolvieren und dafür die Leistung des Arbeitslosengelds in Anspruch nehmen wollen bzw. danach darauf angewiesen sind.

Denn verkürzt wurde auch die sogenannte Rahmenfrist. Sie regelt die Anspruchsvoraussetzungen für Leistungen, die von der Bundesagentur für Arbeit im Einzelfall zu prüfen sind. Denn ein Anspruch auf Arbeitslosengeld entsteht erst dann, wenn der Arbeitnehmer in den zwei Jahren vor Beginn der Arbeitslosigkeit mindestens zwölf Monate beitragspflichtig beschäftigt gewesen ist, und zwar unabhängig davon, wie lange das frühere Arbeitsverhältnis bestanden hat. Wer weniger Pflichtbeiträge gezahlt hat, geht leer aus.

Arbeitslos während der Meisterschule: Was gilt?

So geschehen in einem Zimmerer, der seinen Job aufgab, um sich in Vollzeit zum Meister weiter zu bilden. Da die Kündigung vom Meisterschüler ausging, verhing das Arbeitsamt die üblichen drei Monate Sperrzeit für sein Arbeitslosengeld. Der Zimmerer klagte.

Das Sozialgericht Karlsruhe hob die Sperrzeit auf. Die Kündigung erfolgte aus einem triftigen Grund. Die Weiterbildung hätte nicht berufsbegleitend stattfinden können. Ebenso verringert eine Weiterbildung zum Meister das Risiko in Zukunft arbeitslos zu werden, was die Chancen auf höhere Beitragsleistungen für das Arbeitsamt erhöhe (Aktenzeichen S 17 AL 1291/16).

Damit gilt ein voller Anspruch auf Arbeitslosengeld ohne Sperrfrist durch die Meisterfortbildung. Die Bundesagentur für Arbeit erklärt hierzu, dass man zwar während der Weiterbildung kein Arbeitslosengeld bekommt, weil man ja der Vermittlung nicht zur Verfügung steht. Man könne jedoch die Sperrzeit vermeiden, wenn nach den Umständen des Einzelfalls ein wichtiger Grund für Weiterbildungen anerkannt werden kann.

Arbeitslos nach der Meisterschule: Bekomme ich Arbeitslosengeld?

Ähnlich wie im soeben beschriebenen Fall erging es einem Zimmererbetrieb aus dem Kammerbezirk Reutlingen: Ein Mitarbeiter hatte seinen Arbeitsplatz aufgegeben, um seinen Meister zu machen. Er entschied sich für einen Vollzeitkurs, der länger als zwölf Monate dauerte.

Die Folge: Als er im direkten Anschluss an die erfolgreich absolvierte Weiterbildung keine Stelle fand, lehnte die Bundesagentur für Arbeit seinen Antrag auf Arbeitslosengeld ab. Er konnte zum Zeitpunkt der Antragstellung die in der Rahmenfrist geforderten zwölf Beitragsmonate nicht nachweisen.

Die Handwerkskammer Reutlingen griff dieses Problem auf und erreichte in Zusammenarbeit mit den drei Arbeitsagenturen ihres Bezirks und dem Baden-Württembergischen Handwerkstag, dass die Regionaldirektion der Agentur für Arbeit Baden-Württemberg den Anspruch auf Arbeitslosengeld für diesen Personenkreis bejaht. Voraussetzung ist, dass der Antragsteller sich vor Beginn der Weiterbildung arbeitslos gemeldet hat und auch kurzzeitig dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stand.

In diesem Fall ruht der Arbeitslosengeldanspruch während des Meisterkurses und lebt anschließend, sobald die oder der Arbeitsuchende dem Arbeitsmarkt erneut zur Verfügung steht, wieder auf. Die von der Handwerkskammer angeregte Initiative verhindert, dass die Teilnehmer an Meisterkursen allein aufgrund der Kursdauer ihren Anspruch auf Arbeitslosengeld verlieren.

Allen Teilnehmern an Vollzeitmeisterkursen, die inklusive Prüfung voraussichtlich länger als zwölf Monate dauern werden, wird empfohlen, sich im Vorfeld zu diesem sozialversicherungsrechtlichen Aspekt eingehend von der Rechtsabteilung seiner Handwerkskammer beraten zu lassen oder Kontakt zur zuständigen Arbeitsagentur aufzunehmen. dhz

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