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Einflussfaktor Digitalisierung Karriereplanung: So wichtig ist der Jahresrückblick im Job

Bei der individuellen Karriereplanung hat die Digitalisierung immer mehr Einfluss. Das ist in Branchen wie dem Handwerk besonders wichtig. Ein Karrierecoach gibt Tipps zu den Themen, die 2019 wichtig werden und erklärt, warum jeder das vergangene Arbeitsjahr nochmals genau überdenken sollte.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Digitalisierung

Die Digitalisierung verändert die Arbeitswelt im Ganzen und die Karriereplanung jedes einzelnen – auch im Handwerk. Die Bedeutung der Umstellung auf digitale Arbeitsprozesse, auf immer mehr Roboter, die uns die Handgriffe abnehmen und auch auf eine Neustrukturierung der Arbeitsabläufe steigt auch im Handwerk enorm an.

Gleichzeitig ist der Fachkräftemangel in vielen Handwerksbranchen stark und esgilt, die Arbeitsmodelle und damit auch die Ausbildungen auf die Digitalisierung umzustellen – es werden also morgen andere Fachkräfte benötigt als heute. Studien wie etwa die der Unternehmensberatung McKinsey zeigen, dass die deutsche Arbeitswelt im Jahr 2030 ganz anders aussehen wird: vorrangig digital.

2030: Roboter ersetzen ein Viertel alles Jobs

Damit gehen jedoch auch Jobs verloren: So werden dann in Deutschland rund 24 Prozent der Arbeitsstunden voraussichtlich durch Automatisierung weggefallen sein, schätzt McKinsey. Dabei gehen die Studienautoren nicht nur davon aus, dass sich dies nur der Automobilbranche oder in anderen Berufsfeldern noch stärker zeigt, die sowieso schon einen hohen Automatisierungsgrad haben, sondern auch in Berufen wie etwa bei den Schlossern.

Deutschland ist einem Bericht des Spiegels über die Studie stärker von diesem Strukturwandel betroffen als etwa die USA oder China, weil die vergleichsweise höheren Löhne in Deutschland einen größeren Anreiz böten, Arbeitskraft durch Maschinen zu ersetzen. Die Schlussfolgerung: Bis zu zwölf Millionen Arbeitnehmer müssten sich entweder eine Stelle in einer anderen Branche suchen oder sich neue Fähigkeiten aneignen, um mit dem Wandel Schritt zu halten.

Digitalisierung: "Die Zeit der Einzelkämpfer ist vorbei"

Zu den neuen Fähigkeiten gehört vor allem aktuelles Fachwissen über neue Maschinen und digitalisierte Arbeitsabläufe der eigenen Branche als auch die Bereitschaft sich auf neue Arbeitsmodelle einzulassen. "Unabhängig vom Beruf wird es künftig darum gehen viel stärker in Teams zu arbeiten. Die Zeit der Einzelkämpfer ist vorbei", sagt Ulrich Kablitz. Er ist Karrierecoach und berät mittelständische Firmen und deren Mitarbeiter. Seiner Meinung nach werden die Hierarchien flacher und es sei wichtig, die eigenen Fähigkeiten in die neuen Prozesse einzuordnen. Chefs müssten bereit sein, die Position des Alleinherrschers aufzugeben und mehr auch neuen Fähigkeiten, die oft die Jüngeren mit in die Firma bringen, für sich zu nutzen und anzunehmen und Mitarbeiter müssten bereit sich, sich mit ihrem Wissen auch wirklich einzubringen und es mit allen anderen zu teilen.

Dennoch muss jeder einzelne auch seinen individuellen Arbeitsplatz finden und dann durch die – noch mehr nötige – ständige Weiterbildung erhalten. Genau jetzt biete sich jedoch auch die Chance vieles mitzugestalten. Und wer Neues beginnt, muss nach Ansicht von Kablitz erst einmal aufräumen. Ein sehr guter Zeitpunkt dafür ist das Jahresende.

Was sich 2019 alles ändert

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"Viele nutzen im privaten Bereich jetzt auch die Zeit um beispielsweise die Garage aufzuräumen oder das Büro, um sich auf alles vorzubereiten, was im kommenden Jahr ansteht", sagt der Karrierecoach. Beim Aufräumen nimmt man die Dinge noch ein zweites Mal in die Hand, man überlegt, ob man sie noch braucht und wohin sie gehören. Genau so kann man auch ein vergangenes Arbeitsjahr aufräumen und dann sortiert ins Neue starten. "Dabei gibt es Menschen, die sich gerne in Kleinteilen verzetteln und Stunden lang zum Beispiel nur die Schrauben sortieren und die, die erst einmal grob Ordnungsstrukturen schaffen und dann schnell einen Überblick haben", sagt Kablitz und ergänzt: "Wenn man das auf das Ordnen der beruflichen Aufgaben, Ziele und Perspektiven überträgt, werden diejenigen erfolgreicher sein, die es schaffen, sich schnell einen Überblick über das Ganze zu verschaffen und dann erst die wichtigen Details herausfiltern."

Wichtig für die Karriereplanung: das Zwischenzeugnis

Seiner Meinung nach ist es wichtig, dass man sich am Ende des Jahres Zeit nimmt für einen Blick sowohl auf die großen Entwicklungen zu werfen, die das Jahr geprägt haben und vielleicht auch weiter an Relevanz gewinnen – wie etwa die Digitalisierung, der Fachkräftemangel oder auch die wirtschaftliche Lage des Landes, in dem man lebt und arbeitet. Zugleich muss man sich aber auch den eigenen Standpunkt in diesem Gefüge klar machen und sich dann die klassischen Fragen stellen: Wie zufrieden bin ich mit dem was ich mache und will ich das verändern? Stimmen meine Qualifikationen noch mit dem überein, wohin ich eigentlich möchte, habe ich die Position in der Firma, die ich immer wollte und stimmt das Gehalt?

Ulrich Kablitz nennt für diese Auseinandersetzung mit dem eigenen beruflichen Standpunkt zwei Stichworte, die man nicht außer Acht lassen darf: das Zwischenzeugnis und die Meinung anderer Personen aus dem direkten Umfeld. Das Jahresende sei für Arbeitnehmer der perfekte Zeitpunkt, um ein Zwischenzeugnis entweder vom Chef einzufordern oder ihm eines vorzulegen, das dann gemeinsam besprochen wird. "Entweder hat man dann etwas in der Hand, wenn im kommenden Jahr ein Jobwechsel ansteht oder man wird sich damit seiner eigenen Position im Betrieb und seinen Aufgaben einmal ganz klar bewusst", sagt der Karrierecoach. Zum Jahresende lässt sich das gegenüber den Vorgesetzten so erklären, dass man genau diese Einordnung jetzt gerne hätte.

Das Zwischenzeugnis sollte dabei sowohl das Unternehmen in den Blick nehmen und dessen Aufgaben, Arbeitsfelder und Perspektiven einmal darstellen als auch die des Beschäftigten – also die berufliche Gegenwart und Zukunft sowohl des Arbeitgebers als auch des Arbeitnehmers. So lässt sich sehen, ob beides langfristig noch zusammenpasst, wohin die Entwicklung geht und was eventuell nötig ist, damit beides weiterhin gut miteinander funktioniert. Dann geht es darum die eigenen Aufgaben – sowohl die Haupt- als auch die Nebenaufgaben – einmal klar zu definieren. "Manch einem ist gar nicht bewusst, was er denn alles im Alltag für Arbeiten übernimmt. Manchmal muss man genau hierbei aufräumen und Aufgaben an andere verweisen und manchmal sollte man die vielen Details, um die man sich kümmert auch mal dem Chef verdeutlichen", rät Kablitz.

Danach lohnt es sich dann, die eigene Stellenbeschreibung im Arbeitsvertrag nochmals anzuschauen und zu überlegen, ob die darin beschriebenen Hauptaufgaben noch die sind, die man aktuell erfüllt, ob man wieder zurück zu diesen Aufgaben möchte oder ob eine neue Stellenbeschreibung nötig ist. Erst wenn das getan ist, sollte man sich laut Kablitz anhand der Aufgaben und der beruflichen Verantwortung, die man damit hat überlegen, ob denn das aktuelle Gehalt noch dem entspricht, was man leistet oder überlegen, was sich ändern müsste, damit das Gehalt steigt. "Dabei spielt das Fachwissen, das man einbringt, eine große Rolle", sagt der Berater und weist wiederum auf die Digitalisierung hin, die keine Bedrohung sein muss, sondern auch viele Chancen bietet, neues Wissen und neue Fähigkeiten zu erwerben und dann in die Firma einzubringen.

Beruflicher Jahresrückblick: Feedback von Kollegen und dem Partner

Da es nicht jedem leicht fällt, sich selbst einzuschätzen – die eigenen Fähigkeiten und wie stark sich diese weiterentwickelt haben – rät Ulrich Kablitz unbedingt zu Gesprächen darüber mit Kollegen und vielleicht sogar mit dem Chef selbst, wenn mit diesem ein gutes Vertrauensverhältnis besteht. "Außerdem kann es auch hilfreich sein, eine Person aus dem privaten Umfeld zu fragen, denn der Partner beispielsweise bekommt ja auch mit, wenn man sich stark verändert".

Wer eine solche intensive Gedanken- und Aufräumarbeit in Bezug auf den eigenen Job leistet, kann daraus dann auch relativ einfach die Ziele für die weitere Karriere formulieren und Antworten auf die folgenden Fragen finden: Will ich bei dieser Firma bleiben und wenn ja, wie lange noch? Welche berufliche Position will ich im kommenden Jahr erreichen und welche grundsätzlich auf der Karriereleiter? Jedes Berufsjahr kann, muss aber nicht, ein Schritt weiter in Richtung der langfristigen Ziele sein.

Ulrich Kablitz findet einen beruflichen Jahresrückblick deshalb sehr nützlich und ist auch der Meinung, dass jeder, der sich so etwas einmal vorgenommen und durchgezogen hat, auch dabei bleibt. Dennoch müsse man auch gleichzeitig in anderen zeitlichen Abständen denken und dabei die großen Trends und in Entwicklungen im Blick haben und sich daran ausrichten. Der Karrierecoach ist sich deshalb auch sicher, dass all diejenigen, die die Digitalisierung jetzt nicht ernst nehmen, in ein paar Jahren weder Karriere gemacht haben noch – schlimmstenfalls – überhaupt noch im alten Job sind. Denn viele kleine Betriebe würden die Umstellung nicht überleben.

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