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Erfolg dank Leistungswettbewerb Karriere mit Vollgas

Eigentlich wollte Fabian Kraft gar nicht mehr als Zweiradmechaniker arbeiten. Dabei hatte er sich seit er klein war für Motorräder interessiert und sich diesen Beruf gezielt ausgesucht. Dann kam die Teilnahme am Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks und die änderte alles.

“Die Verdienstaussichten nach der Ausbildung waren nicht besonders gut“, erinnert sich der 24-Jährige. Er hatte deshalb seine Lehrzeit bei Alex’s Bikeshop in Bad Mergentheim bereits verkürzt und war vorzeitig zur Prüfung zugelassen worden. Trotzdem schnitt er dabei so gut ab, dass er zum Kammersieger im Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks (PLW) gekürt wurde.

Auch in Baden-Württemberg hatte er mit seinem Prüfungsergebnis die Nase vorn und wurde Landessieger. Dann kam die Einladung zum Bundeswettbewerb in Freiburg. “Eine Erfahrung ist es wert“, dachte er sich damals und hat es bis heute nicht bereut. Sechs Aufgaben mussten in jeweils 45 Minuten gelöst werden. Dazu gab es Fragen von den Prüfern und ein Fachgespräch. “Im Gegensatz zu vielen anderen hatte ich keine hohen Erwartungen und bin heute immer noch überrascht, dass ich Erster wurde“, erklärt er. Beim Europacup der Zweiradmechaniker in Wien erreichte er anschließend den vierten Platz von acht Teilnehmern.

Stipendien als Starthilfe

Trotzdem gab Fabian Kraft nach der Ausbildung seinen Traumberuf erst einmal auf und arbeitete in einem Bauunternehmen. Das Weiterbildungsstipendium, das man als Bundessieger bekommen kann, nutzte er, um nebenbei den Meisterbrief in Freiburg zu machen. “Eigentlich hatte ich gar keine Lust“, erinnert er sich. “Im Nachhinein bin ich aber echt froh.“ Immerhin konnte er dadurch rund 80 Prozent der Weiterbildungskosten sparen. Mit gerade einmal 22 Jahren war er damals der jüngste Zweiradmechanikermeister seines Jahrgangs. Als Bundessieger wurde er außerdem von BMW Motorrad Deutschland 2015 für ein Rennwochenende an den Lausitzring eingeladen. “Das war mein erstes Motorradrennen und hat richtig Spaß gemacht“, erinnert sich Kraft. Denn er durfte nicht nur zuschauen, sondern auch in der Box bei den Mechanikern mit anpacken. Dabei hinterließ er so einen guten Eindruck, dass er für die nächste Saison als Mechaniker angeheuert wurde.

Viel unterwegs

Ein Traumjob? Ja, aber am Anfang ganz schön stressig. Denn siebenmal im Jahr freigestellt werden für Einsätze an der Rennstrecke war in einer Baufirma nicht drin. “Da ging immer mein gesamter Urlaub für drauf“, sagt Fabian Kraft. Denn bereits donnerstags war er an der Rennstrecke, um Box und Motorräder vorzubereiten. Nach dem Rennen ging es am Sonntagabend wieder nach Hause. “Es war schwierig, das alles unter einen Hut zu bekommen“, erinnert er sich. Seit dem letzten Jahr ist alles besser: Kraft arbeitet wieder in seinem Beruf als Zweiradmechaniker – bei Alpha Racing im bayerischen Stephanskirchen.

Dort entwickelt und baut er Teile für den Motorradrennsport und wird für seine Einsätze an der Rennstrecke freigestellt. Schließlich ist er inzwischen Mechaniker im Alpha-Racing-Van-Zon-BMW-Team in der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft (IDM). Er betreut im Team mit einem zweiten Mechaniker den 23-jährigen Fahrer Julian Puffe. Außerhalb der Rennsaison ist er auch schon mal im Ausland im Einsatz. In Malaysia oder im australischen Adelaide war er zuletzt. “Leider ist die Rennstrecke dort weit außerhalb“, bedauert er – das Sightseeing fiel dadurch flach.

In der Region daheim

An jedem freien Wochenende zieht es ihn aber zurück in den Main-Tauber-Kreis. “Daheim bin ich einfach da, wo ich herkomme“, sagt Fabian Kraft. Die rund 400 Kilometer von Stephanskirchen ins heimische Grünsfeld nimmt er gern in Kauf. “Ich habe einfach Glück gehabt und zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Leute getroffen“, sagt Fabian Kraft bescheiden. Große Zukunftspläne schmieden ist ohnehin nicht so sein Ding. “Wenn mir vor ein paar Jahren jemand erzählt hätte, dass ich Mechaniker eines Rennsportteams werde, hätte ich ihm das nicht geglaubt.“ Stattdessen hat er die Chancen genutzt, die sich ihm boten, und mit Spaß und Einsatz seinen ganz eigenen Weg gefunden.


Leistungswettbewerb

Der Wettbewerb, der auch unter der Abkürzung PLW (Profis leisten was) bekannt ist, richtet sich an junge Handwerker. In drei Stufen messen sie sich mit ihren Kollegen in ihrem Kammergebiet, ihrem Bundesland und ganz Deutschland, um herauszufinden, wer der beste Nachwuchshandwerker ist. Teilnehmen können junge Handwerker, die ihre Gesellen- oder Abschlussprüfung im Sommer des laufenden Jahres oder im Winter zuvor abgelegt haben, ihre Prüfung mindestens mit der Note 2,4 (81 Punkte) im Gesamtergebnis beziehungsweise im praktischen Teil bestanden haben und zum Zeitpunkt der Prüfung nicht älter als 27 Jahre (in Ausnahmefällen 28 Jahre) waren. Bewerbungsschluss ist der 31. August.


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