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EU-Beschäftigungsgipfel Kampf gegen Jugendarbeitslosigkeit: Geld soll schneller fließen

Etwa die Hälfte der Jugendlichen ist in einigen EU-Ländern arbeitslos. Um das zu ändern, trafen sich die Regierungschefs zum dritten Beschäftigungsgipfel in Mailand. Doch auch das Handwerk meint: Mehr Geld ist nicht die Lösung.

In Europa sind nach wie vor zahlreiche Menschen ohne Job, vor allem Jugendliche sind davon betroffen. Im Juli 2014 waren 3,3 Millionen Menschen unter 25 Jahren arbeitslos – das entspricht einer Arbeitslosenquote 21,6 Prozent. Im Euro-Raum liegt sie sogar bei über 23 Prozent. In Griechenland und Spanien ist die Hälfte der unter 25-Jährigen ohne Arbeitsstelle, in Italien und Frankreich ist die Lage ähnlich dramatisch. Daher trafen sich die Regierungsvertreter der 28 EU-Staaten in Mailand zum Beschäftigungsgipfel und berieten über Lösungen – mal wieder.

Neue Ansätze zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit brachte die Konferenz allerdings nicht. Einigkeit bestand aber zumindest darin, den Staaten die bereits existierenden Mittel zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit schneller zur Verfügung stellen zu wollen. Das hatte auch Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) am Rande des Gipfels gefordert. "Wir haben genügend Geld, das aber noch nicht bei den jungen Leuten angekommen ist."

Gelder bislang kaum abgerufen

Denn das ist bereits der dritte Gipfel dieser Art, doch die dort beschlossenen Maßnahmen haben noch nicht gefruchtet. Kernstück des bisherigen Programmes ist die Jugendgarantie, die im Juni 2013 beschlossen wurde. Danach sollen die Staaten dafür sorgen, dass künftig  jeder Jugendliche, der die Schule verlässt, innerhalb von vier Monaten eine Arbeitsstelle, ein Praktikum oder eine Ausbildung findet, die seinen Fähigkeiten entspricht.

Gefördert wird das mit Geld aus dem Europäischen Sozialfonds. Bis 2020 sollen dafür zehn Milliarden Euro zur Verfügung stehen. Zusätzlich stehen aus dem eigens geschaffenen Topf der Beschäftigungsinitiative sechs Milliarden Euro zur Verfügung. Die Gelder sind den Regionen mit mehr als 25 Prozent Jugendarbeitslosigkeit vorbehalten. Unternehmen sollen damit etwa bei der Einstellung Jugendlicher oder bei der Existenzgründung unterstützt werden.

Doch die Staaten haben die Fördertöpfe bislang kaum genützt. Zwar haben inzwischen alle Mitgliedsländer Programme für die Jugendgarantie vorgelegt, bislang wurden jedoch EU-weit erst zwei Programme genehmigt – die von Italien und Frankreich.

Finanzielle Hilfe alleine reicht nicht

Die Forderung des französischen Staatspräsidenten Francois Hollande nach 20 Milliarden Euro bis 2020 zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit, wies Bundeskanzlerin Angela Merkel daher zurück. Es sei im Moment nicht die Frage, dass das Geld nicht reicht, sondern dass das Geld nicht fließt.

"Viele Maßnahmen müssen erst noch greifen", sagte auch Frank-Jürgen Weise, Präsident der Bundesagentur für Arbeit, der seit September zudem Vorsitzender des neu gegründeten „Public Board of Employment“ ist, gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung im Vorfeld des Gipfels. "Der Kampf gegen die Jugendarbeitslosigkeit braucht noch Zeit." Nur was, wenn die Nachfrage aus der Wirtschaft schlicht nicht da ist?

Geld geben alleine helfe nicht, meint Weise. Wichtiger sei es, sich Gedanken um den richtigen Berufseinstieg zu machen. Auch Lehrer sollten Praktika machen, um verschiedene Berufe kennenzulernen, schlug er vor.

Strukturen müssen geändert werden

"Ein Grund für die geringe Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland ist die duale Ausbildung. In den europäischen Krisenländern fehlt es an entsprechenden Strukturen", sagte auch Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks. "Diese Strukturen sollten mittel- und langfristig aufgebaut werden, um eine an den praktischen Erfordernissen der Betriebe ausgerichtete Ausbildung zu ermöglichen." Alle kurzfristigen, teuren Maßnahmen seien purer Aktionismus.

Dass vor allem auch die Infrastruktur und die Nachqualifizierung von Niedrigqualifizierten Ansatzpunkte für Staaten mit hoher Jugendarbeitslosigkeit sind, meint auch Hans Dietrich, Forscher beim Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung. Das bringe jedoch nur auf lange Sicht Verbesserungen. "Man sollte die Jugendlichen dort motivieren, in Deutschland bereits die Ausbildung anzutreten. Das bringt temporär Entlastung", sagt Dietrich.

Große Unternehmen sollten Vorreiter sein

Die Abwanderung aus den Krisenstaaten ist bereits in vollem Gange. Immer mehr Azubis kommen aus dem Ausland, zuletzt hat sich ihre Zahl verdreifacht. Im Handwerk alleine kamen Ende 2013 mehr als 25.400 Auszubildende aus anderen Ländern.

Eine Dauerlösung für die Länder mit hoher Jugendarbeitslosigkeit ist das jedoch nicht. "Was das langfristig für Folgen hat, ist noch nicht abzusehen", erläutert Dietrich. "Gerade mit Blick auf die schwierige Übertragbarkeit des dualen Systems, sollten große Unternehmen wie Siemens eine Vorreiterrolle übernehmen, damit es für die Jugendlichen später einfacher ist, wieder in die Heimat zurückzugehen." sch

Statistik: Europäische Union: Jugendarbeitslosenquoten in den Mitgliedsstaaten im August 2014 | Statista
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