Elektromobilität -

Jungfernfahrt zwischen Versuchung und Vernunft e-TGE: Der neue E-Transporter von MAN im Test

MAN bietet seinen Transporter jetzt auch mit Elektroantrieb an. Die Deutsche Handwerks Zeitung ist mit dem e-TGE schon mal auf Testfahrt gegangen.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Elektromobilität

Allmählich gewinnt der Elektroantrieb im Transporter an Bedeutung. Immer mehr Hersteller bieten ihre Kastenwagen in einer abgasfreien Variante an. Nachdem VW seinen Crafter elektrisiert hat, gibt es nun auch den baugleichen MAN TGE mit Elektromotor. Erste Eindrücke konnte die Deutsche Handwerks Zeitung bei einer Tour im Norden Münchens sammeln.

Rekuperation statt Bremspedal

Zunächst einmal sieht im Cockpit alles aus wie bei einem konventionellen Kleinlaster mit Automatikgetriebe. Das erste Staunen folgt nach dem Einschalten. Obwohl der Zündschlüssel in die richtige Richtung gedreht wurde, bleibt es mucksmäuschenstill. Dass der Motor startbereit ist, kann der Fahrer lediglich im Display ablesen. Das ist für den Neuling noch gewöhnungsbedürftiger als die starke Rekuperation, die sofort einsetzt, sobald der Fuß vom Gaspedal geht. Wer vorausschauend fährt und das Aufladen der Batterie mit Bremsenergie geschickt einsetzt, schont damit die Reichweite und muss nur selten das Bremspedal betätigen.

Im Test zeigte die Anzeige beim Start eine Reichweite von 140 km an. Nach gut 50 km über Stadt- und Landstraßen waren bei leerem Laderaum und ohne zusätzliche Verbraucher wie Radio oder Klimatisierung noch 92 km übrig. Allerdings konnte der Fahrer der Versuchung nicht widerstehen, die phänomenale Beschleunigung ab und zu auszureizen und im Rückspiegel zu beobachten, wie die Pkws im Heck den Transporter ziehen lassen mussten. Vernünftig ist das freilich nicht.

Um den Verbrauch zu drosseln, wird der 136 PS starke E-Motor ohnehin ab Werk auf eine Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h abgeregelt. Wie viel Reichweite Klimatisierung oder Sitzheizung kosten, lässt sich übrigens im Reichweitenmonitor ablesen.

Realistische Reichweite bei 120 Kilometer

Am Ende der kurzen Testfahrt hatte der Bordcomputer einen Verbrauch von 22,3 kWh/100 km errechnet, deutlich weniger als die 29,2 kWh im Langzeitspeicher. Beide Werte liegen über der Herstellerangabe von 21,54 kWh, was darauf schließen lässt, dass die offiziell angegebene Reichweite von 173 km im Betriebsalltag nicht zu schaffen ist. Das Aufladen an einer Wallbox mit 7,2 kW dauert laut MAN 05:20 Stunden, an einer Schuko-Steckdose 15 Stunden.

Geschickt: Über den Bordcomputer lässt sich die geplante Startzeit angeben, so dass die Kabine mit Netzstrom auf die gewünschte Temperatur vorgeheizt oder gekühlt wird. Wem unterwegs der Saft ausgeht, muss an einer Schnellladesäule rund 45 Minuten warten, ehe die Batterie auf 80 Prozent gefüllt ist.

Angeboten wird der e-TGE von MAN zunächst nur mit normalem Radstand und Hochdach zum Nettopreis von 69.500 Euro.

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