WorldSkills - Weltmeisterschaft der Berufe -

WorldSkills 2019 Jessica Jörges: Ihr großer Traum ist eine Medaille

Bei der Weltmeisterschaft der Berufe in Kasan messen sich die Besten der Welt – unter ihnen auch Maler- und Lackiererin Jessica Jörges. Welche Aufgaben sie bei den WorldSkills zu bewältigen hat und welche Erfahrungen sie abseits der Wettkämpfe machen durfte und darf.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets WorldSkills - Weltmeisterschaft der Berufe

Die Qualifikation für die WorldSkills ist bei den Malern etwas komplizierter als in anderen Gewerken, erklärt Jörges. Da die Weltmeisterschaft der Berufe vom hessischen Verband organisiert wird, und nicht wie die EuroSkills vom Bundesverband, musste die 21-jährige sich nach dem Bundeswettbewerb nochmal einer zusätzlichen Qualifikationsrunde stellen. Dort setzte sie sich gegen fünf andere Kandidaten durch und fährt jetzt als Vertreterin der Maler nach Russland.

Für die Vorbereitung wurde Jörges von ihrem elterlichen Betrieb freigestellt, anfangs freitags und die letzten sechs Wochen dann in Vollzeit.

Prüfungen in verschiedenen Disziplinen

Da der Wettkampf bei den Malern immer in dieselben Prüfungsaufgaben aufgeteilt ist, konnte Jörges sich im Vorfeld gut darauf vorbereiten und die Aufgaben der vergangenen WorldSkills üben. Der Wettkampf läuft folgendermaßen ab: Jeder Teilnehmer hat eine Kabine, die wie ein "L" aufgebaut ist. "An der kurzen Seiten müssen wir tapezieren", sagt Jörges. Außerdem ist in diese Wandhälfte eine Tür integriert, die lackiert und deren Türfüllung gemacht werden muss. Ein weiterer Prüfungsteil ist das Malen eines Logos. Die Teilnehmer bekommen eine DIN-A3-Vorlage, die sie dann in einem vorgegeben Maßstab auf die Wand übertragen müssen. Das Schwere dabei: Sie dürfen keine Klebebänder verwenden und bekommen das Logo erst einen Tag vor dem Wettkampf. "Die letzten Jahre hat man die Vorlage schon einige Zeit im Voraus bekommen", sagt Jörges. Doch um die Wettbewerbsgleichheit gewährleisten zu können, werden die Logos dieses Jahr erst am Vorwettkampftag herausgegeben.

Weitere Disziplinen, in denen sich die jungen Maler messen müssen, sind das Farbenmischen und ein Speedwettbewerb. Dabei werden ihnen Muster vorgelegt, die sie 15 Minuten lang analysieren dürfen und dann so schnell und genau wie möglich umsetzen müssen. "Die Schnelligkeit und die Ausführung geben dann Extrapunkte", sagt Jörges. Die letzte Prüfung ist die freie Technik. Die Zeit sei mit insgesamt 20 Stunden für alle Aufgaben zwar knapp bemessen, aber wenn alles gut läuft, ist Jörges zuversichtlich, es zu schaffen. "Der Worstcase wäre natürlich, wenn eine Folie reißt oder ich mich bei der Tapete verschneide", sagt sie. Sie müsste dann erst einmal den Fehler finden, wobei man leicht in Panik geraten könne.

Jörges Ziel: Eine Medaille

Ihre Stärken sieht die Malerin vor allem im Speedwettbewerb und im Tapezieren, da diese Disziplinen in der Vorbereitung immer sehr gut liefen. Aber sie möchte in allen Prüfungsteilen mit 85 bis 90 Prozent der Punkte abschneiden. "Mein Ziel ist es ganz klar, eine Medaille zu holen", sagt Jörges selbstbewusst. Den Entschluss habe sie schon gefasst, als sie die Wettkämpfe bei den EuroSkills in Budapest gesehen hatte. "Ich habe mir gedacht: Wenn ich da oben auf dem Treppchen stehe, wäre das schon toll." Heute denkt sie, dass sie deswegen auch so gut bei den Wettkämpfen für die Qualifizierung war. Unterbewusst sei anscheinend schon dieser Wunsch dagewesen, mal auf dem Treppchen zu stehen.

Treffen mit Karliczek

Am Malerberuf begeistert die Handwerkerin vor allem die Vielfalt und Kreativität. Zudem biete die Branche gute Berufs- und Aufstiegschancen, auch wenn das in der Gesellschaft oft nicht erkannt wird, sagt Jörges. Deswegen hat sie sich auch darüber gefreut, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel dieses Jahr die Schirmherrschaft für das deutsche Nationalteam übernimmt. Einige Mitglieder der Nationalmannschaft wurden im Vorfeld auch von Bildungsministerin Anja Karliczek z u einem persönlichen Gespräch eingeladen und zu ihrer Meinung zu aktuellen Themen im Handwerk befragt. Das habe ihnen gezeigt, dass das Handwerk auch von oberster Stelle Beachtung findet und ihre Anliegen Gehör finden.

Besuch einer Schule in Kasan

Neben den Wettkämpfen freut sich Jörges schon auf den Eröffnungstag, der genauso inszeniert wird wie das Einlaufen der Nationen bei Olympischen Spielen. Außerdem steht am Vorwettkampftag der Besuch einer Schule in Kasan auf dem Programm. Bei dem Projekt " One School One country" wird jeder Schule in Kasan ein Land zugeteilt, die sich auf die Besuche der WorldSkill-Mannschaften ein Jahr lang vorbereiten. "Mir wurde erzählt, dass das recht emotional werden kann", sagt Jörges. In Abu Dahbi hätten sich die Schüler beim Besuch der deutschen Mannschaft extra Dirndl und Lederhosen angezogen. Nach den Wettkämpfen werde es außerdem einen deutschen Abend geben, an dem auch die mitgereisten Freunde und Familien mitfeiern dürfen.

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