Gesundheit -

Weltnichtrauchertag Jeder Siebte stirbt am Rauchen

Am 31. Mai ist Weltnichtrauchertag. Für viele Raucher ein guter Anlass, um mit dem Zigarettenkonsum aufzuhören. Denn eine Studie zeigt: Jeder siebte Deutsche stirbt vorzeitig am Rauchen.

Zwar sind die Zahlen der abhängigen Raucher in den vergangenen Jahren leicht zurückgegangen, trotzdem bleibt Deutschland Spitzenreiter der europäischen Länder mit den meisten Tabakkonsumenten: Insgesamt gibt es in der Bundesrepublik 16,3 Millionen Raucher und Raucherinnen, das sind 25 bis 28 Prozent der Deutschen - nur in Österreich und Griechenland rauchen mehr Menschen.

Laut einer Studie des Professors John Britton hat der Tabakkonsum schlimme Folgen: Durchschnittlich jeder Siebte stirbt in Deutschland an seiner Sucht. Das sind 330 tabakbedingte Todesfälle pro Tag, insgesamt 110.000 pro Jahr. Damit liegt Deutschland sogar über dem weltweiten Durchschnitt. "Folgeschäden des Rauchens sind hierzulande die häufigste Todesursache", weiß Prof. Dr. Heino Stöver vom Institut für Suchtforschung der Frankfurt University of Applied Sciences.

Unzureichende Tabakpolitik und Flut an Zigarettenautomaten

Den Grund für die vielen Zigarettenabhängigen sieht der Professor in der kaum vorhandenen Tabakprävention: "Die Tabakpolitik setzt in Deutschland einseitig auf Abstinenz, während schadensminimierende Strategien für diejenigen Raucherinnen und Raucher, die noch nicht aufhören können oder wollen, tabuisiert werden. Rauchreduktionsprogramme und E-Zigaretten sollten hier bedeutendere Rollen einnehmen, wie es in anderen Ländern – etwa in England – bereits erfolgt ist". Darüber hinaus sei Deutschland das einzige Land in Europa, das noch uneingeschränkt Tabakaußenwerbung erlaube. Stöver fordert hier, die Gesundheit der Bevölkerung über die wirtschaftlichen Interessen der Tabakindustrie zu stellen: "Auch Verluste durch Steuereinnahmen dürfen hier keine Rolle spielen“, betont er.

Ein weiterer Grund für die hohe Zahl der Zigarettenkonsumenten könnten die vielen Tabakautomaten in Deutschland sein. Mit 330.000 Stück ist die Bundesrepublik das Land mit den meisten Zigarettenautomaten auf der Welt.  "Die Registrierung per Bankkarte oder Personalausweis als volljährige Person war zwar ein richtiger Schritt zum Schutz der Jugendlichen, kann aber leicht umgangen werden und geht mir nicht weit genug“, so der Suchtforscher, der eine vollständige Abschaffung der Apparate fordert.

Kinder leiden unter Passivrauch

Die Schäden, die der deutschlandweite Tabakkonsum auslöst, belaufen sich auf circa 21 Milliarden Euro pro Jahr. Sie setzen sich aus Arzt-, Therapie- und Krankenhauskosten sowie Arbeitsausfällen zusammen. Aber auch Nichtraucherschädigungen gehören dazu. Hiervon sind insbesondere Kinder betroffen: Eine Studie des Robert Koch-Instituts aus dem Jahr 2016  zeigt, dass 18,7 Prozent der Mädchen und 19 Prozent der Jungen täglich oder mehrmals pro Woche Passivrauch ausgesetzt sind. Gerade Heranwachsende leiden stark darunter, da ihre Organe noch nicht vollständig entwickelt sind und sie deshalb die Tabakgiftstoffe nur schwer abbauen können. Schwere Atemwegserkrankungen sind nur eine der vielen Folgen.

Aufhören lohnt sich

Aber auch wer kinderlos ist, sollte das Rauchen besser sein lassen. "Aufhören lohnt sich! Wer raucht, der lebt im Schnitt zehn Jahre weniger. Wer aber auf die Zigarette verzichtet, hat nicht nur länger etwas vom Leben, er lebt auch deutlich besser", betont Marlene Mortler, Drogenbeauftragte der Bundesregierung. ew

Hilfe für Aufhörwillige

Um angehende Nichtraucher zu unterstützen und zu motivieren, startet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) deshalb passend zum Weltnichtrauchertag auf www.rauchfrei-info.de eine vierwöchige Online-Aktion. Unter dem Motto "vier Wochen rauchfrei" können sich Interessierte bis zum 30. Juni 2017 an der Gemeinschaftsaktion beteiligen, sich über den Tabakverzicht austauschen und Erfahrungen sammeln. Des Weiteren unterstützt die BZgA das ganze Jahr auch telefonisch über die kostenlose Hotline 0800 8313131. Dazu Dr. Heidrun Thaiss, Leiterin der BZgA: "Sehr erfreulich ist, dass immer mehr jüngere Raucherinnen und Raucher rauchfrei werden wollen. Bei der telefonischen Beratung der BZgA zum Rauchstopp ist fast jeder dritte Anrufende unter 20 Jahre alt."

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